5 Dinge, die Sie tun müssen, um erfolgreich zu scheitern

Dieser Oktober beschenkt uns hier in Bayern mit so vielen sonnigen Tagen, die mich immer wieder in die Berge locken. Während es mir im Sommer für solche Touren zu heiß ist, kann ich im Herbst nicht genug davon bekommen. Beim Wandern lasse ich gerne meine Gedanken schweifen. Sie fließen mit dem Rhythmus und bringen die eine oder andere Erkenntnis. Und manches Mal auch eine Überraschung. Wie kürzlich bei einem Ausflug zum Ahornboden im Karwendelgebirge. Da tauchte am Ziel mit voller Wucht ein alter, nicht gelebter Traum wieder auf. Und hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Wieder Zuhause habe ich mich gefragt, wie ich es mir gelungen ist, diesem Wunsch bislang erfolgreich aus dem Weg zu gehen und mit ihm zu scheitern. Mir sind einige eingefallen. Hier meine fünf Favoriten:

1. Wünsche und Träume nicht ernst nehmen.

Und das passiert mir, der personifizierten Mutmacherin. Diese Erkenntnis hat mich am stärksten getroffen. Andere weise ich auf ihre Träume hin, wenn sie mir auffallen und ermutige sie, ihnen endlich Gehör zu geben anstatt sie wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Ich erinnere daran, dass Wünsche „Botschaften der Götter“ sind, die uns auffordern, ihnen Aufmerksamkeit geben und genauer hinzusehen.

Zumindest zu erforschen, was dahinter steckt, wenn wir von einer großen Reise träumen, uns ein bestimmtes Auto wünschen oder mit einem besonderen Hobby liebäugeln. Das gilt ebenso für berufliche Wünsche und Ideen wie der Wunsch, die eigenen Ideen in ein Buch einfließen zu lassen, sich intensiver mit einem neuen Thema zu beschäftigen oder weniger oder anders zu arbeiten. Was regelmäßig auftaucht ist keine Eintagsfliege, sondern enthält eine wichtige Botschaft für uns.

Und dennoch gelingt es uns immer wieder, selbst langjährige Träume so weit weg zu schieben, bis sie nicht mehr sichtbar sind.

2. Den Bedürfnissen anderer Menschen Vorrang geben.

Dieser Punkt hat in meinem Leben lange eine wichtige Rolle gespielt. Sobald jemand mit einem Wunsch nach Unterstützung, einem persönlichen Treffen oder einer Notsituation kam, habe ich alles stehen- und liegen gelassen und mich dieser Person und ihrem Anliegen gewidmet. Wenn ich heute spüre, dass es eine Notsituation ist, handele ich noch genauso; in anderen Fällen gehe ich sehr viel achtsamer mit meiner Zeit um und überprüfe zunächst, ob das Bedürfnis der anderen Person in Einklang ist mit meinen eigenen Zielen.

Manches Mal lassen sich die unterschiedliche Bedürfnisse gut miteinander verbinden. Wie diese Woche, als ich mit einer Bekannten am See spazieren ging. Damit war ihr Wunsch nach Wiedersehen und Austausch erfüllt, während mein Bewegungsdrang zu seinem Recht kam.

Je öfter wir anderen Menschen den Vorrang geben, desto schneller geraten unsere eigenen Ziele aus dem Blickfeld. Bis sie irgendwann nicht mehr wichtig erscheinen.

3. Andere um ihre Meinung fragen – und ihnen glauben.

Es gibt einen Streit darüber, ob es richtig und wichtig ist mit anderen über die eigenen Wünsche, Träume und Ziele zu sprechen. Für beides gibt es gute Gründe. Solange wir sie nicht verinnerlicht und damit angenommen haben, sollten wir möglichst wenig mit anderen darüber sprechen. Das haben unsere Eltern als „über ungelegte Eier sprechen“ bezeichnet. Da ist was dran, denn zu Beginn sind unsere Wünsche noch sehr roh und empfindlich und können schnell zerstört werden.

Doch sobald eine Entscheidung gefallen ist, gibt es nur eines: mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Darüber entsteht viel positive Energie, die uns voran bringt, und wir erleben die Kraft unseres eigenen Vorhabens. Diese ist ansteckend, so dass wir hilfreiche Unterstützung und Motivation wie auch zahlreiche Hinweise, die uns weiterbringen.

Wenn da nicht auch die andere Seite wäre: Neid und Missgunst, negative Kommentare und manchmal der Versuch, unseren Traum ins Lächerliche zu ziehen. Wer dann nicht gut mit seinem Vorhaben verbunden ist, gerät in Gefahr, diesen Menschen und ihren Worten zu glauben und seinem Vorhaben zu sagen: Auf Wiedersehen, du schöner Traum!

4. Gründe finden, warum es auf keinen Fall möglich ist.

Wenn wir anderen Glauben schenken, ist auch dieser Punkt nicht mehr fern: Wir finden zahlreiche Gründe, warum wir es nicht schaffen werden, unseren Traum zu verwirklichen. Die Liste wird dann länger und länger: Ich bin zu alt… zu ungebildet… zu wenig talentiert… Warum sollten die auch mich gewartet haben? … Andere haben das sicher schon probiert … sind damit gescheitert… Es gibt schon viel zu viel davon…

Irgendwann haben wir es geschafft und der Traum macht sich von dannen. Erleichterung macht sich breit. Das ist noch mal gut gegangen! Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir dem nachgegangen wären. Es hätte unser Leben vielleicht verändert…

Bis der Traum wie aus dem Nichts plötzlich wieder auftaucht. Meist, wenn man am wenigsten daran denkt. Was soll das jetzt?! Das hatten wir doch längst verabschiedet. Warum taucht er dann wieder auf?!

An diesem Punkt geht es auch darum, ob wir diesmal bereit sind, Gründe dafür zu finden und damit unserem Traum Energie zu geben.

5. Mit weniger zufrieden sein als möglich wäre.

Das ist eine Variante des vorigen Punktes. Wir nehmen die Abzweigung und damit den vermeintlich leichteren Weg. Wozu sich anstrengen, wenn es auch anders geht… Warum in die Ferne schweifen, wenn es auch in Bayern schöne Flecken gibt… Und überhaupt: Wer sagt denn, dass es wirklich gelingt und wir am Ziel ankommen? Dafür gibt es keine Garantie, während wir mit dem „Spatz in der Hand“ doch sehr gut bedient sind.

Dann freuen wir uns an dem, was wir bereits haben. Machen uns wieder bewusst, was wir meist als selbstverständlich nehmen. Das hat sein Gutes, denn es richtet den Blick auf die vielen Kleinigkeiten, die wir leicht übersehen, und führt zu mehr Zufriedenheit.

Doch die Begeisterung für einen großen Traum und die dadurch entstehende Energie ist mit nichts zu vergleichen. Sie setzt Potentiale frei, die wir nie für möglich gehalten hätten.

Womit sabotieren Sie Ihre Träume? Wie gelingt es Ihnen, erfolgreich zu scheitern?

PS: Bei mir war es eine Mischung aus Punkten 1 und 4. Beides hat jetzt keine Chance mehr. Ich habe mich für meinen Traum entschieden: 2014 unternehme ich eine mehrtägige Wanderung, wenn auch nicht auf dem Wonderland Trail um den Mount Rainier. Das Thema habe ich inzwischen abgeschlossen.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

18 Gedanken zu „5 Dinge, die Sie tun müssen, um erfolgreich zu scheitern

  1. Maren Martschenko

    Liebe Ulrike,
    erfolgreich scheitern … das klingt so positiv. Oft sind es die unerfüllten Träume, die wir in unserem Leben mitschleppen, die uns viel Energie kosten, und wir merken es nicht einmal. Das Schöne an den verwirklichten Träumen, ich nenne sie Passion Projects, ist, dass sie uns Energie schenken, wenn wir sie leben, daran denken oder darüber sprechen und andere inspirieren.
    Ich freue mich jetzt schon auf Deine Erzählungen zu den “Kleinigkeiten”, die Du bis 2014 erlebst. Ich denke auch heute noch bei jeder Stufe in meinem Treppenhaus daran, wie dort mit kleinen Schritten eine große Veränderung begann. Ein herrliches Gefühl!
    Das schöne an Passion Projects: Sie beginnen jetzt und hören nie auf 🙂
    Liebe Grüße
    Maren

  2. Dörte Behrmann

    Moin liebe Ulrike,
    mit diesem Beitrag triffst du bei mir gerade ins Schwarze. Ich frage mich momentan, welche Träume ich eigentlich habe, was mich mit Leidenschaft erfüllt und zieht. Vermutlich habe ich Punkt 1 so lange gelebt, das ich erst mal tief schürfen muss. Danke, dass du mich daran erinnerst, das es anderen auch so geht.
    Für die Traumwanderung rund um Seattle wünsche ich dir heute schon viel Freude. Es ist ja auch wirklich eine traumhafte Landschaft dort, die ich, wie du, sehr liebe.
    Alles Gute von Dörte

  3. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Dörte,
    es ist wohl wieder einmal ein Thema, das in der Luft liegt. Die von Dir beschriebene Situation, dass man tief schürfen muss, kenen ich sehr gut. Mir hilft derzeit eine Kollegin, die mich an vieles erinnert, was ich früher gemacht und geliebt habe. Zugleich fordert sie mich auch heraus und hindert mich am Ausweichen. Gut, wenn man so jemanden als Begleitung hat…
    “Wanderung” klingt fast gemütlich im Vergleich zu dem, um was es hier geht: die Umrundung des Mount Rainier (mein absoluter Traumberg!) umfasst ca. 140 Km und über 7.000 Höhenmeter in 12-14 Tagen. Da ist einiges an Vorbereitung erforderlich. Doch es setzt auch enorme Energien frei. Und inzwischen träume ich schon davon 🙂
    Liebe Grüße von Urike

  4. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Maren,
    auch wenn es erst einmal positiv klingt, sind viele Menschen doch meisterlich darin, immer wieder zu scheitern. Wenn sie mal hinschauen, WIE ihnen dies immer wieder gelingt, haben sie schon viel gewonnen. Und entscheiden sich dann endlich für einen ihrer Träume.
    Danke auch noch einmal für Deinen inspirierenden Vortrag über Dein Passion Projekt Alpenüberquerung. Du hast mich darin bestärkt, für mein – wie ich diese nenne – Mut-Projekt sehr konkrete Schritte zu unternehmen: einen Personal Trainer habe ich schon gefunden und als nächstes begrenze ich meine täglichen Arbeitsstunden für mehr Zeit in der Natur… Wie heißt es immer: Wo ein Wille, das ist auch ein Weg!.
    In diesem Sinne: Happy Passion Projects!
    Ulrike

  5. Petra Schuseil

    Hallo Ulrike, herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung für den Trip im Jahr 2014. So geht’s!

    Ich verlinke gleich mal in meinem Blog zu Dir 🙂

    Viele Güße. Petra

  6. Pingback: In anderen Blogs mitgelesen « Lebenstempo-Blog

  7. Sylvia

    Liebe Ulrike,

    ich bin froh und dankbar, daß Du auch heute noch in Notsituationen alles stehen und liegen läßt… Ein seltenes Gut unter den Menschen und nicht mit Gold aufzuwiegen! 🙂

    Wieder einmal danke ich Dir für Deine Offenheit und Ehrlichkeit in diesem Artikel!

    Ich freue mich, daß Du diesen Traum verwirklichen wirst – und bin schon gespannt darauf, was Du dann erzählen wirst, und die Photos, die Du hoffentlich zeigen wirst!

    Herzliche Grüße nach Feldafing

    Sylvia

  8. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Sylvia,
    danke für Deine Zeilen. Die “Traumverwirklicher” in meinem Umfeld, zu denen auch Du zählst, sind ein Ansporn, selber weiterzumachen.
    Da viele neugierig sind, werde ich sicher einen Weg finden, andere daran teilhaben zu lassen.
    Herzliche Grüße von Ulrike

  9. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Hallo Petra, danke für die Verlinkung in Deinem Blog. Schön, wenn dadurch noch mehr Menschen angeregt werden, sich Gedanken über ihre Erfolgsvermeidungsstrategien zu machen und damit aus einem gewohnten Mechanismus aussteigen.
    Du gehörst für mich auch zu den Vorbildern in Sachen “Traumverwirklichung”, zu den Mutigen, die immer wieder einmal einen großen Schritt ins Unbekannte wagen.
    Herzliche Grüße – Ulrike

  10. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Vera,
    ist doch schön zu sehen, dass man nicht alleine ist 😉 Und je mehr Menschen sich anschauen, womit sie sich von ihren Träumen oder dem Erfolg abhalten und dies abstellen, desto eher wird sich auch darüber hinaus etwas ändern. Das zumindest ist meine Überzeugung, die auch mit der Hoffnung verbunden ist, dass mehr Menschen zu “Traumverwirklichern” werden, sich an ihre Mutprojekte erinnern und als Vorbilder Kreise ziehen.
    Liebe Grüße
    Ulrike

  11. Kerstin

    Liebe Frau Bergmann,

    Sie überraschten mich mit Ihrem sehr guten Beitrag, mir selbst und meinen Wünschen neuen Perspektiven einzuräumen. Vielen Dank, Sie sind eine richtige @DieMutmacherin in Person 🙂

    Besondern trifft es bei mir Punkt 2 und Punkt 5. Wobei es auch schön ist und eine tiefe Lebenserfahrung, für andere da zu sein, doch wichtig ist der Mensch in einem, die Person/Frau in sich, die leben will, die Wünsche und Träume mit Lebendigkeit füllen und erwecken will. Nur dann kann Kraft und Energie an andere Menschen weiter gegeben werden.

    Danke, ich freue mich noch immer, dass ich Sie beim Passion Project Vortrag kennengelernt habe.

    Herzliche Grüße,
    Kerstin

  12. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Kerstin,
    wie schön, dass ich Sie überraschen und inspirieren konnte 🙂
    Wichtig sind wie bei vielen Dingen im Leben die Balance und das rechte Maß. So auch im Ausgleich von eigenen Wünschen und den Bedürfnissen anderer. Wie Sie selber erkannt haben: wir können anderen nur dann etwas geben, wenn wir selber in unserer Kraft sind.
    Ich wünsche Ihnen den Mut, Ihren Träume nachzugehen.
    Herzliche Grüße
    Ulrike Bergmann

  13. Simone Happel

    Liebe Frau Bergmann,

    vielen Dank für den Hinweis auf diesen inspirierenden Blogbeitrag 🙂 Anfang des Jahres habe ich über etwas Ähnliches gebloggt und es ist immer mal wieder gut, daran erinnert zu werden.

    Herzliche Grüße
    Simone Happel

  14. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Happel,
    danke für den Hinweis auf Ihren Beitrag – auch ein guter Blickwinkel aufs Thema. Besonders gefallen hat mir das Video am Ende – das könnte zum Song für Traumverwirklicher werden.
    Herzlichst, Ulrike Bergmann

  15. Andrea Susan Nolte

    Liebe Frau Bergmann,
    daaanke, Sie haben mir gerade einen ganz tollen Tipp gegeben und es ist schon fast peinlich: ich habe (und nehme mir) so wenig Zeit für Freunde. Und ich halte meinen Vorsatz, zweimal die Woche sportmäßig zu marschieren, nicht immer ein. Also könnte ich das doch gut verbinden, zumal es den anderen ähnlich ergeht. Das ist so einfach!

    Danke, das Sie mir den Wald gezeigt haben, während ich vor die Bäume lief …

    Viele Grüße,
    Andrea Susan Nolte

  16. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Ja, manchmal ist es einfacher als wir denken. Schön, dass ich Ihnen einen Impuls geben konnte. Genießen Sie den “Wald” mit Ihren Freunden 🙂
    Mit herzlichem Gruß
    Ulrike Bergmann

  17. Jörg Jakob F. Schmid

    Grossartig Frau Bergmann
    Ich wünsche Ihnen eine gute Reise! 🙂
    Herzliche Grüsse aus Basel
    Jörg Jakob Friederich Schmid

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