Bettina Sturm: In Toronto leben und arbeiten

Sturm_PorträtAls ich Bettina Sturm das erste Mal traf, war sie gerade aus Spanien zurückgekehrt und dabei, sich ihre berufliche Zukunft zu gestalten. Das war vor etwa 8 Jahren. Seither durfte ich ihren Weg in die Selbständigkeit als Coach und ihren stetigen Aufstieg in die Lüfte des Erfolgs punktuell begleiten. Ich freue mich, dass sie sich bereit erklärt hat, über einen früheren beruflichen Traum zu sprechen. Ihre Erfahrungen können vielen, die ebenfalls davon träumen, eine Zeitlang im Ausland zu leben und zu arbeiten, zur Inspiration und Nachahmung dienen.

 

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?

1997 poppte mein Traum auf. Ich wollte mich beruflich verändern und machte meine eigene Standortanalyse: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? – Plopp, der Traum: Ich will wieder im Ausland leben und arbeiten! Meine Frage war: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Verwirklichung?

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?

„Flugziel“: 2000 – Leben und Arbeiten in Toronto/Canada.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?

Meine Idee war es, mit dem nächsten Arbeitgeber ins Ausland zu gehen. Zunächst eine Zeitlang in Deutschland zu arbeiten und dann mit einer Auslandsentsendung den Traum verwirklichen.

1997 „Flugvorbereitungen”

„Get lucky“ Ich konnte zwischen verschiedenen Vertragsangeboten wählen. Meine Entscheidungskriterien für meinen späteren Arbeitgeber Personalberatung Odgers & Berndtson waren u.a.: Ist das Unternehmen weltweit aufgestellt? Wird mein Ziel – späterer Auslandseinsatz – unterstützt?

1999 „Starten“

1,5 spannende Jahre in der Personalberatung / Headhunting waren rum und ich spürte wieder Lust auf Flugplanjustierung. In der Personalberatung bleiben. Das hieß: Will ich reich werden, den Porsche in der Garage und die Rolex am Arm haben? Oder etwas anderes? Was? Es machte wieder plopp: Das Ausland ruft! Ich ging in Gespräche mit meinem Arbeitgeber und schnell gab es Turbulenzen. Es stellte sich heraus, dass ich die erste Mitarbeiterin weltweit war, die innerhalb der Unternehmensgruppe ins Ausland wechseln wollte. Somit gab es keinen Prozess, keine Zuständigkeiten oder Erfahrungen… Mein Chef machte keine Anstalten, mich bei meinem Ziel zu unterstützen. So ging ich ein paar Etagen höher und gewann den damaligen Geschäftsführer und Chairman Worldwide als Unterstützer und Türöffner für mein Projekt. Dann ging es schnell:

September 1999: Vorstellungsrunde im Partner-Office von O&B in Toronto; Zusage und Visumsantrag eingereicht

Oktober 1999: Wohnung gekündigt und Fest gefeiert. Danach bei Freunden gewohnt. Sollte ich das Visum nicht bekommen, mache ich etwas anderes.

Am 15. Dezember 1999: Visum-Zusage 🙂

15.01.2000 „Landen“ – das Abenteuer geht los!

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?

Ja, Turbulenzen gab es einige, z.B.:

Es gab keinen definierten Mitarbeiter–arbeitet-im-Ausland-Prozess. Das hat mich kurz aus dem Takt gebracht. Dann bin ich eben die Erste, die ins Ausland geht. Mein Motor war hier meine Eigenmotivation.

Von meinem Chef gab es keinerlei Unterstützung. Klar, der hatte verständlicherweise wenig Interesse daran, dass sein „bestes Pferd im Stall“ ging. Schnell hatte ich verstanden, dass ich den Entscheider für meine Idee gewinnen muss – den Geschäftsführer.

Mich in Geduld üben im laufenden Visumsprozess. Werde ich meine „Temporary work permit“ bekommen? Da ich keine Auslandsentsendung bekam, musste das kanadische Partneroffice von O&B begründen, warum nur ich und kein Kanadier diesen Job machen kann.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?

Ohne meine Crew an Unterstützern hätte ich meinen Traum so nicht verwirklichen können. Ganz wichtig war der damalige Geschäftsführer von O&B und zugleich Chairman weltweit: Er war mein Fürsprecher und Türöffner. Er kümmerte sich persönlich um weitere Unterstützer: Eine Partnerin aus dem Toronto-Office, die er persönlich sehr schätzte. Nach einem Kennenlerngespräch in Deutschland hatte ich mit ihr eine ganz wertvolle Unterstützung an Bord: Den direkten Draht ins Toronto-Office und ihre riesige Hilfsbereitschaft. Später machte sie es zu ihrem persönlichen Projekt, dass ich einen guten Start in Toronto hatte. Ich wohnte für zwei Wochen bei ihr und hatte eine wunderbare warmherzige Anlaufstelle für meine vielen Fragen und Eindrücke.

Privat unterstützten mich mein damaliger Lebenspartner und gute Freunde.

Hauptantrieb war meine Motivation: Ich will ins Ausland. Meine Entscheidung war getroffen: Ich gehe ins Ausland. Wenn diese Option nicht klappt, dann eben etwas anderes. Meine Wohnung war gekündigt, das Abschiedsfest gefeiert…

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?

In meinen Erfolgskoffer packe ich:

  • Brennen für die Traumverwirklichung
  • Machen und dranbleiben, auch wenn’s stürmisch wird
  • Unterstützer und Fürsprecher suchen
  • Alternativen haben und offen für den Weg sein
  • Sich unabhängig vom Urteil anderer machen

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?

Gerade habe ich mein neuestes Passion Project begonnen: 30 Interviews mit Menschen, die sich beruflich neu orientiert haben. Die ersten Interviewpartner stehen fest und im September starten die ersten Interviews. Dazu bald mehr in meinem Blog. Hier kann ich meine Leidenschaften für berufliche Neuorientierung, Interviewen und Reisen miteinander verbinden. Mein Anliegen ist es, den Lesern Mut und Inspiration zu geben: Andere haben es geschafft, Du schaffst es auch, wenn Du wirklich, wirklich willst!

Vielen Dank, Frau Sturm, dass Sie Ihren Traum und seinen Flugplan mit uns geteilt haben. Ich bin gespannt auf Ihre Interviews mit den Berufswechslern. Dafür viel Vergnügen!

Im nächsten Interview erfahren Sie von Christine Rösch, wie sie ihre Lebensaufgabe gefunden und in den bayerischen Voralpen verwirklicht hat.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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