Förster, Kreuz: Hört auf zu arbeiten!

Förster-Kreuz_ArbeitenAuch wenn der Titel danach klingt, ist dieses Buch kein Aufruf dazu, alles hinzuwerfen und sich in die Hängematte zu legen. Das überlassen die Autoren lieber anderen, wie Tim Ferris (Die 4-Stunden-Woche) oder Fred Gratzon (The Lazy Way to Success, trotz des englischen Titels auf Deutsch). Das Anliegen des Unternehmensberater-Paares ist vielmehr – wie es auch der Untertitel ihres Buches ausdrückt – dazu anzustiften, das zu tun, was wirklich zählt.

Das gelingt ihnen auf 240 Seiten auch sehr gut. Im ersten Teil des Buches analysieren sie die Situation, wie sie sich in Schule und Ausbildung und vor allem in Unternehmen darstellt. Dafür spielen sie mit dem Begriff Leere, zum Beispiel der „leeren Versprechen der Fabrik“. Diese zeigen sich unter anderem daran, dass Arbeitnehmern immer noch vorgegaukelt wird, man wäre dauerhaft gesichert, wenn man beim richtigen Unternehmen anheuert. Doch diese Sicherheit von einst ist aufgrund der vielen Entlassungswellen nicht mehr glaubwürdig. Auch wenn man sich noch so anstrengt. Oder wenn in Stellenanzeigen nach „kreativen Köpfe“ gesucht wird – nur um anschließend alle nicht ins Konzept passenden Vorschläge solch kreativer Köpfe in Schubladen zu versenken oder gleich verbal zu vernichten.

Manches auf diesen Seiten gerät ein wenig plakativ und auch lang, auch wenn ich von den Grundgedanken her immer wieder zustimmend mit dem Kopf genickt habe. Und darauf gewartet habe, was die beiden Business-Querdenker vorschlagen, um an den beschriebenen Situationen etwas zu verändern. Damit sich der Untertitel erfüllt und man zu dem gelangt, was wirklich zählt. Diese Anregungen kommen auch. Allerdings erst im eher knappen dritten Teil am Ende des Buches.

Dazwischen liegt ein Teil, der mit „Suche“ überschrieben ist. Dieser zeigt vor allem, was von den Lösungen zu halten ist, zu denen von den Zuständen in Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen enttäuschten Mitarbeiter greifen: Sie machen sich selbständig und bescheren uns eine nicht endende Schwemme an Coaches, Trainern und Beraterin. Sie alle waren auf der Suche nach „guter Arbeit“ und einer selbst bestimmten Zukunft. Doch im Ergebnis setzt sich bei den meisten die bereits erlebte Enttäuschung weiter fort. Aus den hochfliegenden Plänen wird wenig, und nach kurzer Zeit sieht die Realität für die meisten nicht besonders rosig aus. Dies liegt auch daran, dass die meisten dieser Hoffnungsvollen nur dadurch etwas ändern, iden sie etwas anderes tun.

Im Unterschied dazu empfehlen Förster & Kreuz: „Tut es anders!“ Dafür stellen sie im letzten Teil des Buches eine Matrix vor, die einen Bereich einführt, der weder „miese Arbeit“ noch „gute Arbeit“ ist – zwei Formen, die sie zuvor beschrieben haben – und sich auch von der gern als Alternative gewählten Variante „Ich mach‘ mein Ding“ abhebt: bedeutsame Tätigkeiten. Daraus entsteht nach Sicht der Autoren – und diese teile ich – persönlicher Erfolg. Persönlicher Erfolg wie auch „bedeutsame Tätigkeiten“ bestehen aus zwei Teilen: im eigenen Leben UND im Leben anderer etwas bewirken. Mit unserer Tätigkeit – und ich ergänze: auch mit unserem SEIN – einen Wertbeitrag für andere zu liefern. Wenn wir darauf unser Augenmerk richten, entsteht Resonanz. Und nur diese macht aus Arbeit bedeutsame Tätigkeiten und aus uns die beste Version unseres Selbst.

Fazit: Das Buch liefert Menschen, die mit ihrer aktuellen beruflichen Situation unzufrieden sind, viele Denkanstöße. Es bietet keine Rezepte – den Anspruch weisen die Autoren auch von sich. Stattdessen führen die fünf Fragen am Ende des Buches dazu, persönliche Antworten zu finden. Mit diesen Antworten finden die LeserInnen heraus, was für sie persönlich bedeutsame Arbeit wäre. Und damit lässt sich zu einem größeren Maß an Zufriedenheit und Freiheit gelangen.

Anja Förster, Peter Kreuz: Hört auf zu arbeiten! Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt. März 2013, Pantheon Verlag. ISBN 978-3570551899. 14,99 €

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PS: Lesen Sie auch die wunderbare Rezension von Roland Kopp-Wichmann, die er in Form eines fiktiven Interviews zwischen einem Buchhändler und einem Kunden geschrieben hat.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren lebenserfahrene Menschen, ihre persönliche Vision von einem erfüllten Leben zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt darin, den eigenen Weg mit Leichtigkeit und Klarheit zu gehen.

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