Robert Götz: Werte und Sinn als Triebkraft

Götz_Porträt-02Bevor ich Robert Götz zum ersten Mal traf, hatte Maren Martschenko mir bereits von ihm und seinem Beitrag zur Vorbereitung ihres Traums vom Fernwanderweg E5 erzählt. Als wir uns im Frühjahr auf einem Existenzgründertag trafen, stellte ich gleich fest, dass die Chemie zwischen uns stimmte. Daher ließ ich mich auch auf das Abenteuer ein, mit ihm vom Marienplatz in München nach Wolfratshausen zu laufen. 33 Kilometern, die es in sich hatten und von denen ich hier berichtet habe. Auf dem Weg fragte ich ihn nach seinen Träumen – jetzt hat er mir meine Fragen beantwortet. Und von seinem nächsten Traum erzählt, der wieder etwas mit Laufen und Herausforderungen zu tun hat.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Das ist eine schwierige Frage. Im ersten Job nach meinem Studium habe ich mir schon in der Probezeit die Frage gestellt „Wie lange werde ich diesen Job wohl machen?“. Das könnte „DIE“ Schlüsselfrage gewesen sein.
Wieso ich mir diese Frage gestellt habe, kann ich heute sehr leicht beantworten, damals wusste ich es jedoch nicht. Viele Tätigkeiten in diesem Job ergaben für mich keinen SINN und erschienen mir unnötig. Heute weiß ich sehr genau, dass ich damit massiv gegen meine Werte verstoßen habe.
Die Rebellen in meinem Körper schlugen Alarm, wurden aber durch meinen Verstand beherrscht und gebändigt. Dieser Zustand hat zehn Jahre angehalten, auch wenn es zwischendurch immer wieder kleine Impulse gab, den „Rebellen“ zu folgen. Heute bin ich sehr froh über diese Erfahrung(en), denn ich habe in dieser Zeit sehr viel lernen dürfen. Auch über mich!
Eines Tages hatte ich dann den Mut, aufzustehen und meinem Gefühl zu folgen. Das hat mein ganzes Leben schlagartig verändert!

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Schon immer wollte ich ein eigenes Unternehmen haben bzw. selbstständig arbeiten. Das fühlte sich gut an, ist spannend und herausfordernd zugleich. Und genauso mochte ich schon immer Menschen, die etwas „Eigenes“ schaffen. Sie haben eine besondere Ausstrahlung – das gefällt mir!
Seitdem ich mich für die Selbständigkeit entschieden habe, hat sich mein berufliches und privates Leben völlig verändert! Mein Leben ist viel reichhaltiger geworden. Ich tue Dinge, an die ich nach meinem Studium nie gedacht hätte. Das Leben hält für uns so viel Neues bereit, das wir nicht sehen oder gar übersehen. Spontaner zu leben statt automatisch und unter Zwang zu reagieren, führt für mich zu noch mehr Glück.
Als freiberuflicher Trainer und Coach arbeite ich mit Menschen zusammen, vermittle gezielt Wissen und entwickle Persönlichkeiten weiter. Das ist für mich spannend wie eine Reise. Es gibt so Vieles zu entdecken, was das Leben interessanter, sinnvoller und erfüllter macht.
Zudem hat meine Selbstständigkeit mit „Bewegung“ zu tun. Mein zweites Standbein sind geführte Berg- oder Schneeschuhwanderungen. Diese gemeinsame Zeit in der Natur tut einfach gut und bringt Menschen zusammen. Ganz nebenbei lösen sich beim Wandern so manche Probleme in Luft auf. Mal sehen was die Zukunft noch für mich bereithält.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Es lagen gut 10 Jahre zwischen Traum und Wirklichkeit. Ich habe lange versucht, den „perfekten“ Zeitpunkt für die Umsetzung meines Traums zu finden. Doch ein Traum braucht keinen perfekten Zeitpunkt für den Start, sondern eine Portion Mut und Klarheit. Dazu noch kleine Schritte, etwas Geduld und die Bereitschaft, die Sache zwischendurch ruhen und reifen zu lassen.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Auch das tollste Produkt und die tollste Dienstleistung müssen vermarktet werden. Es dauert seine Zeit, bis sich der Markt darauf einstellen kann. Geduldig zu sein, war eine wertvolle Lektion. Zwischendurch auch mal einen Blick zur Seite zu werfen, hilft in jedem Fall, um neue Perspektiven zu gewinnen.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Eigentlich alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Nur wer offen über seinen Traum spricht, bekommt Impulse von anderen Menschen. Durch gute Gespräche eröffnen sich völlig neue Perspektiven und das eigene Bild schärft sich. Besonders Menschen im engeren persönlichen Umfeld sind in einem Veränderungsprozess ganz wichtige Stützen. Sie tragen ein großes Stück davon mit und unterstützen, wo es nur geht. Das möchte ich nicht missen. Vielen Dank an alle!

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Die Antworten klingen fast schon zu einfach und selbstverständlich, um hier darüber zu sprechen… Ich tue es trotzdem.

  • Den Mut zum ersten Schritt zu haben. Ganz einfach und doch soooo schwierig! Etwas TUN sorgt für BEWEGUNG und auch für Erfolge. In Bewegung lenkt es sich viel leichter als im Stillstand.
  • Nach meinen Werten handeln und Dinge tun, die mir liegen, einfach Spaß machen und für mich sinnvoll sind. Das funktioniert sehr gut!
  • Fast alles, was wir im Leben erreichen wollen, hängt von anderen Menschen ab oder hat mit Menschen zu tun (Liebe, Geld …). Offenheit, Toleranz und echtes Interesse gegenüber den Mitmenschen sind für mich daher ganz besonders wichtig für den Erfolg.
  • Immer dazulernen. Wenn wir uns etwas aneignen, gehört es uns. Es wird Teil der Persönlichkeit und dadurch wachsen wir.
  • Grenzen überschreiten und Neues entdecken. Das macht einfach Spaß und gute Laune.
  • Das Leben in Eigenverantwortung selbst in die Hand nehmen. Wer mit Leidenschaft für die eigenen Ideen einsteht, übernimmt und trägt die Verantwortung für Entscheidungen und Handlungen.

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Am 7. September 2013 geht´s zu Fuß von München nach Italien. In 30 Tagen 520 Kilometer und knapp 25.000 Höhenmeter zurücklegen. Dabei gibt es viel Neues zu entdecken, und bestimmt werde ich dabei Grenzen überschreiten – auch wenn es „nur“ die Landesgrenze ist.

Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für die Tour nach Italien. Ich bin schon auf den Bericht gespannt. In der nächsten Woche stelle ich Ihnen Dr. Christiane Löttgen vor. Sie erzählt davon, wie ein schwieriges Pferd sie auf den Weg zu ihrer Berufung geschickt hat.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „Robert Götz: Werte und Sinn als Triebkraft

  1. Maren Martschenko

    Wieder ein sehr schönes Interview! Ich hatte schon mehrmals das Vergnügen, mit Robert zu wandern. Mein Lieblingssatz: “Ein Traum braucht keinen perfekten Zeitpunkt für den Start, sondern eine Portion Mut und Klarheit.”

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Danke für Dein Feedback und dass Du mich mit Robert bekannt gemacht hast. Der von Dir zitierte Satz hat mich auch besonders angesprochen 🙂

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