Ruth Frobeen: Märchen, die das Leben schreibt

Frobeen_PorträtWieder einmal fand ich eine Gesprächspartnerin über Empfehlung. Dann entdeckte ich, dass ich mit Ruth Frobeen schon über Twitter verbandelt bin. Nur wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie ein gutes Beispiel für verwirklichte Träume ist. In ihrem Fall hatte sie den Traum schon sehr lange. Inzwischen ist er zu einem wichtiger Bestandteil, ja geradezu einem Standbein ihrer Selbständigkeit geworden ist. Was genau dies ist und wie sie ihn verwirklicht hat, erfahren Sie hier:

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Mein Traum begann mit der Feststellung: Ich will etwas Eigenes schaffen, aus mir heraus. Etwas, mit dem ich andere berühren kann und das mich zufrieden macht.
Ich habe sehr früh angefangen, über alles mögliche und unmögliche zu schreiben. Hefte über Hefte voll … Der erste Computer war wirklich ein Segen, plötzlich war ich nicht mehr auf Notizblöcke und Stifte angewiesen, musste meine Sauklaue nicht mehr entziffern und konnte Texte viel schneller und einfacher bearbeiten. Ich schrieb über Liebeleien, Konflikte, grüne Ampeln … Einmal habe ich hundert Seiten vollgeschrieben, um bestimmte Themen aus meinem Kopf zu bekommen. Im Rückblick finde ich das nur logisch: Als das alles aus meinem System war, konnte ich wie auf einem leeren Blatt beginnen. Das war toll! Denn es ermöglichte mir, wirklich frei und kreativ zu schreiben, ohne dass „meine Themen“ dazwischenfunkten. So begann das freie Schreiben.
Neulich habe ich eine Notiz in einem Tagebuch gefunden: „Ich warte jetzt, bis die Idee kommt.“ Da ahnte ich bereits und wünschte mir, dass etwas sich anbahnte, wusste aber noch nicht, in welche Richtung es gehen sollte. Und dann kam die Idee tatsächlich mit einer Frage, einer sehr persönlichen: „Was zum Kuckuck schenke ich meinem Mann zum Hochzeitstag?“

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Mit der Beantwortung dieser Frage habe ich mein Business entwickelt und vergolde nun meine Kreativität, indem ich Märchen für Menschen schreibe, die eine Geschichte zu erzählen haben oder ein sehr persönliches Geschenk für eine geliebte Person suchen. Die Idee des Märchenschreibens ist quasi aus der Not heraus entstanden. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zum siebten Hochzeitstag ein ganz bezauberndes Geschenk zu machen. Das Einzige, von dem ich einigermaßen überzeugt war, dass ich es kann, war das Schreiben. Also setzte ich mich hin und fing an, unsere Kennenlerngeschichte aufzuschreiben. Das fühlte sich sehr seltsam an, und ich genierte mich irgendwie. Also habe ich einen Kunstgriff angewandt, habe uns in namenlose Personen verwandelt, das Setting anonymisiert und die Märchenform gewählt. So konnte ich die Geschichte aufschreiben, ohne dass ich es befremdlich fand.
Im Laufe der Monate hat sich daraus dann „Edelfrosch“ entwickelt. Jetzt schreibe ich im Auftrag anderer Liebesgeschichten und haarsträubende Anekdoten als Märchen. Damit habe ich mir den Traum verwirklicht, mit etwas Ureigenem (meiner Fantasie und Kreativität) Menschen zu berühren. Das macht mich froh und glücklich. Und ein paar Goldstücke bleiben auch noch hängen. ;o)

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Das ist eine schwierige Frage, denn ich sehe keine Fixpunkte, die ich ablesen könnte. Es ist eher so, dass mit der ersten Idee das Träumen begann. Ich träume immer weiter. Es entwickeln sich so viele Dinge aus dieser initialen Idee; ich greife diese Dinge einfach auf, versuche sie umzusetzen, und manchmal entsteht ein weiteres Business daraus.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Das größte Hindernis war ich selbst. Gleichzeitig war ich auch mein größter Motivator. Ich habe meine Idee recht lange für mich behalten, habe nachts im Dunkeln Notizbücher vollgeschrieben, Zeichnungen gescribbelt, habe einen Namen für mein Business entwickelt und ihn wochenlang nicht ausgeplaudert. Nicht einmal meinem Mann habe ich davon erzählt. Das ging so ein paar Wochen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich eigentlich sehr gerne erzähle, was mich bewegt. Aber in diesem Fall ging es nicht, weil ich wusste, entweder wird das eine große Sache, oder es geht voll in die Hose.
Diese Möglichkeit habe ich tatsächlich in Betracht gezogen, und damit habe ich mich auch selbst behindert. Wenn ich einen guten Tag hatte, mir ein kluger Spruch eingefallen war, wusste ich, dass ich meinen Traum verwirklichen könnte. Aber manchmal schrieb ich auch komische Sachen, die mir überhaupt nicht gefielen. Dann dachte ich: o.k., du kannst es einfach nicht. Lass es lieber gleich. Gerade, wenn man emotionale Dinge schreibt, gibt man ja sehr viel von sich Preis. Ich war manchmal unsicher, ob ich damit richtig liegen würde. Und da ich meine Idee mit niemandem geteilt habe, musste ich das alles mit mir selbst ausmachen.
Irgendwann habe ich meinem Mann davon erzählt, habe ihm den Namen gesagt, den ich mir für mein Herzensprojekt ausgedacht hatte. Ich versuchte, das so beiläufig wie nur möglich zu machen, bloß kein Thema draus machen. Er fand die Idee schön, und hat mich erstaunt gefragt, wie ich auf dem grandiosen Namen gekommen sei. Da fielen dann alle Zweifel von mir ab. Was für eine Erleichterung! Danach ging es reibungslos weiter. Die Reaktionen auf die Idee waren durch die Bank positiv und haben mich in dem, was ich tat, bestärkt.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Die spontane Begeisterung meines Mannes hat mich sehr darin bestätigt, diesen Weg weiterzugehen und mein Märchen-Business aufzubauen. Er hat mich emotional unterstützt, hat auch viel hinterfragt, aber die Kritik war immer konstruktiv und hilfreich.
Die erste Website, die ich habe machen lassen, war nur eine kleine Visitenkarte im Netz. Ich wollte möglichst schnell die Domain sichern und „etwas“ online haben.
Dafür habe ich von zwei Kolleginnen ganz schön eins auf den Deckel bekommen. Sie haben mir ziemlich deutlich gemacht, dass die Seite in dieser Form nichts taugt, und ich meine schöne Idee vergeude. Das war natürlich hart, denn ich wusste ja selbst, dass es nur der erste Schritt war, um die Domain zu haben und erstmal etwas online zu stellen. Das würde ich heute anders machen.
Die beiden Kolleginnen haben mich auf ihre Art und Weise „unterstützt“. Im Laufe der folgenden Wochen und Monate habe ich mich um eine neue Website gekümmert, mit der ich sehr zufrieden bin, und auf der ich ganz gut rüber bringen kann, wer ich bin und was ich für andere mache.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Früher dachte ich immer, man braucht jemanden, der einen an die Hand nimmt und einem die Dinge erklärt. Gerade wenn es darum geht, seine Idee zu vergolden und nicht nur als Hobby zu betreiben. Denn hey, habe ich Wirtschaft studiert? Leider nur im Nebenfach. Kenne ich betriebswirtschaftliche Zusammenhänge? Weiß ich, wo ich mich auf rechtlichem Glatteis bewege? Man hält sich selber klein, wenn man weiß, dass man nichts weiß. Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass ich nicht alles wissen muss. Ich bezahle lieber Leute dafür, dass sie es wissen. Und ich erwarte von meinem Anwalt auch nicht, dass er Märchen schreiben kann. ;o)

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Ich bin schon mitten drin im Traum und schreibe Geschichten für Kinder, die ich in Form von Adventskalendern selbst „verlege“. Neben den Märchen für Pärchen habe ich nämlich angefangen, Märchen für alle zu schreiben. Als nächstes werden die Geschichten rund um die fünf Engelbrüder von Wolke 17 weiter ausgebaut. Es handelt sich dabei um eine Serie, bei der jeder Engelbruder seine eigene Weihnachtsgeschichte bekommen wird. Da die Brüder sehr unterschiedlich sind, kann sich jedes Kind mit einer bestimmten Figur identifizieren. Die ersten zwei Geschichten sind bereits geschrieben, für die nächsten spinne ich gerade das Seemannsgarn.
Besonders spannend finde ich, diese Adventskalender ohne Verlag zu machen. Es haben mich schon viele gefragt, ob ich nicht mit einem Verlag zusammenarbeiten möchte. Aber ehrlich gesagt will ich das nicht. Ich möchte selbst entscheiden, wie ich die Kalender gestalte, möchte Glitzer reintun, wenn ich darauf Lust habe. Möchte einfach alles selbst in der Hand haben bei der Entwicklung und Umsetzung. Ich lerne dabei auch so furchtbar viel, das möchte ich nicht missen. Ganz banale Sachen wie: Wo kriege ich 40.000 farbige Briefumschläge her? Welches Papier eignet sich und sieht weihnachtlich aus? Wer könnte mir beim Stempeln und Falten der Kalender helfen?
Da kommt sehr viel zusammen, das macht großen Spaß. Und ich merke beim Entwickeln der Figuren: Die Engel von Wolke 17 haben sehr viel Potenzial, da wird auf jeden Fall noch mehr kommen als die Weihnachtsgeschichten! Diesen Traum träume ich gerade und mache mir Notizen …

Vielen Dank, Frau Frobeen, für das Gespräch. Was ich bislang gelesen habe, macht neugierig auf weiteres aus Ihrer Feder. Vor allem für den fünf Engelbrüder, die im Hersbst ihre Reise auf die Erde antreten, wünsche ich viel Spaß auf ihrer Wolke.
Im nächsten Beitrag steht wieder ein langsam verwirklichter Traum im Mittelpunkt, den uns Robert Götz vorstellt.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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