Kreativität: Privater Ausdruck und berufliche Notwendigkeit

Kreativität_2009Kreativität bestimmt mein Leben. Nicht in der großen, künstlerischen Form. Das wäre in meinem Fall vermessen. Vielmehr verstehe ich darunter meine Verbindung zu der in mir vorhandenen unendlichen Schöpferkraft, die ich immer wieder anzapfen, der ich mich bedienen und die ich mit anderen teilen kann. Durch die Teilnahme an der Blogparade von Nicole GuggerAufruf zur Kreativität für alle“ habe ich mich bewusst mit dem „kreativen Faden“ meines Lebens befasst. Welche überraschenden Erkenntnisse ich dadurch gewonnen habe, lesen Sie in diesem Beitrag 🙂

Fantasievolle Kindheit

Ich habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, ob ich kreativ bin oder nicht. Schon als Kind habe ich dem nachgegeben, was sich offenbart hat und durch mich zum Ausdruck kommen wollte. Ich nahm die Welt durch die Brille meiner Fantasie wahr. So war das Abendrot zur Weihnachtszeit für mich ein Zeichen dafür, dass das Christkind Plätzchen bäckt. Ich konnte stundenlang ausgedachte Geschichten erzählen. Dabei war es fast egal, ob mir jemand zuhörte. Hauptsache, es gab einen „Empfänger“. Der war meist meine Mutter, der ich beim Kochen meine neuesten Geschichten erzählte. Mein Glück war, dass sie mich nie davon abhielt, sondern eher von der blühenden Fantasie ihrer Ältesten amüsiert war.

Mit meinem Bruder sprach ich später in „fremden Sprachen“. Das war lange, ehe wir in der Schule und später im Ausland die erste von mehreren Fremdsprachen lernten. Die Sprache, in der wir uns unterhielten, war auch keine der bei Kindern üblichen Geheimsprachen, sondern unsere ganz eigene, die aus dem Moment entstand. Wir stellten uns einfach vor, dass der andere versteht, was wir gerade sagten. Und in gewisser Weise war es auch so.

Privater Ausdruck

Über die Jahre spielten verschiedene Ausdrucksformen eine Rolle. In den beiden Jahren an der Deutschen Schule in Lissabon schrieb ich gemeinsam mit einer Freundin einen Roman… Zurück in Deutschland tauchte ich über das Lesen in fremde Lebenswelten ein und malte mir diese weiter aus… Ich widmete mich den üblichen kreativen Tätigkeiten wie nähen, stricken, häkeln usw.

Irland_naiv_1978Während des Jura-Studiums – nicht gerade der Inbegriff eines kreativen Faches – spielte vor allem die Naive Malerei eine große Rolle. Die Einladung zur Hochzeit mit meinem ersten Mann zierte ein von mir gestalteter Linolschnitt, der auf einem eigenen Hinterglasbild basierte.

Einstieg in die Arbeitswelt

Mit dem Start ins Berufsleben endeten zunächst meine kreativen Unternehmungen. Zum einen beanspruchten mich die neuen Aufgaben sehr. Hinzu kamen lange Fahrtzeiten durch das Pendeln zwischen unserem Wohnort Augsburg und meinem Arbeitsplatz in München. Doch es gab einen Ausgleich: meine Neugier auf andere Lebenswelten konnte ich durch die vielen Besucher aus den USA und Kanada stillen, die ich zu betreuen hatte.

Mit der Zeit änderten sich die Aufgaben und auch die Bedürfnisse. Einen Teil meiner Schöpferkraft konnte ich unmittelbar in meine Tätigkeit einfließen lassen. Ich schaffte mir viele Freiräume in der Art, wie ich Aufgaben anging. Ich setze eigene Ideen um und handelte nach dem, was ich für richtig und wichtig hielt. In dieser Phase habe ich gelernt, dass Ergebnisse entscheidender sind als der Weg dorthin und es im passenden Umfeld Unterstützer und Befürworter gibt, die dieses Vorgehen zu schätzen wissen.

Fehlende Freiräume und Suche

Nach acht Jahren wurde es mir zu langweilig und ich wechselte auf eine andere Position im Unternehmen. Hier erlebte ich zum ersten Mal bewusst, was geschieht, wenn die gewohnten Freiräume nicht mehr vorhanden sind. Ich verkümmerte regelrecht. Zunächst war mir dies überhaupt nicht bewusst, denn ich erhielt gleichzeitig sehr viel Anerkennung. Einen kleinen Ausgleich schaffte ich mir durch Kreativferien, die ich mehrmals auf einem Hof in Niederbayern verbrachte. Hier lernte ich Seidenmalerei und Buchbinden und entdeckte die Freude am Papiergestalten. Vor allem die Erstellung von Marmorpapieren versetze mich geradezu in einen Rausch. Das führte soweit, dass ich mir sogar überlegte, im aufgelassenen alten Klinikum in Augsburg einen der zu Ateliers umgestalteten Patientenzimmer zu mieten, um meinem neuen Hobby zu frönen.

Mangelnde Kreativität hat ihren Preis

Private Veränderungen und ein Umzug nach München hielten mich davon ab. Mit „bösen“ Konsequenzen. Diese begannen schleichend, so dass ich sie nicht wahrnahm und endeten darin, dass ich krank wurde und eine Unterleibsoperation über mich ergehen lassen musste. Spannend daran war, dass ich über eine Freundin einen Zusammenhang zwischen meiner Erkrankung und der fehlenden Kreativität der vorangegangenen Jahre entdeckte. Die Wochen der Genesung nutzte ich dazu, mir Gedanken zu machen, wie meine Kreativität wieder einen angemessenen Raum in meinem Leben erhalten könnte.

In der Konsequenz führte die fehlende Kreativität in meiner Tätigkeit dazu, dass ich drei Jahre später mein Angestellten-Dasein beendete, den Schritt in die Selbständigkeit wagte und damit auch in die kreative Selbstbestimmung zurückkehrte. Das sind jetzt ziemlich genau 21 Jahre 🙂

Schreiben als Ausdrucksform

Die Suche nach einer passenden kreativen Ausdrucksform führte mich zum Schreiben, das – mit den üblichen Achterbahnen – bis heute eine große Rolle spielt. Anfang der 90er Jahre nahm ich zwei Jahre lang an einem Schreibkurs teil. In jeweils sieben Wochenenden Erste_Schritte_1990widmete ich mich der „Kunst der Kurzgeschichte“. Es entstand eine Vielzahl von Geschichten, mit denen ich zum Teil auch familiäre und berufliche Themen bearbeitete. In dieser Zeit fand auch ein Computer Einzug in mein Leben. An ihm gestaltete ich ein Bändchen mit dem Titel „Erste Schritte“, mit dem ich zu Weihnachten mein unmittelbares Umfeld beglückte.

In diesem Kurs entstand zum ersten Mal der Wunsch, irgendwann Bücher zu veröffentlichen. Damals dachte ich noch an Kurzgeschichten oder einen Roman. Daraus ist nichts geworden. Stattdessen erschien 1998 – genau wie ich es aufgeschrieben hatte – mein erster Ratgeber. Ihm folgten im Abstand von jeweils zwei Jahren noch zwei weitere Bücher. Dann war erst mal Pause, auch wenn es in der Zwischenzeit zwei Anläufe gab. Erst in diesem Frühjahr erscheint nach 11 Jahren mein nächstes Buch.

Auch ohne weitere Bücher spielte das Schreiben weiterhin eine wichtige Rolle. Ob dies nun Morgenseiten waren, in denen ich meine Ideen, Wünsche und Herausforderungen beschrieb… mein Newsletter, der 2005 zum ersten Mal erschien und mehrere optische und inhaltliche Anpassungen erfahren hat… oder dieser Blog, der im letzten Herbst auch schon sein 5-Jähriges feierte…

Ideenreichtum für Zukunftsszenarien

In der Selbständigkeit als Beraterin und Mutmacherin habe ich ständig Gelegenheit, meine Kreativität einzusetzen, sowohl für mich selber wie auch für andere. In der Arbeit mit den Teilnehmenden meiner Coachinggruppen wie auch in der Einzelberatung kann ich oft meine Fantasie laufen und Ideen sprudeln lassen. Mit und für meine Kunden entwickle ich Zukunftsszenarien, die ihnen zeigen, wie aus ihrer manchmal noch vagen Geschäftsidee eine neue Lebenswelt für sie selber wie auch für ihre Kunden entstehen kann. Mir fällt immer etwas ein. Genauso wie es schon als Kind war. Und so schließt sich für mich der Kreis 🙂

Fazit

Kreativität ist für mich ein Lebenselixier und ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich brauche sie wie die Pflanze das Wasser. Heute weiß ich dies und achte darauf. In diesem Jahr steht die Fotografie im Vordergrund. Als privater Ausgleich und als Spiegel der Schöpferkraft, mit der ich eng verbunden bin und der ich so viel verdanke.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

Ein Gedanke zu „Kreativität: Privater Ausdruck und berufliche Notwendigkeit

  1. Pingback: Aufruf zur Blogparade “Kreativität für alle” | Nicole Gugger

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