Christine Lawens: Der Traum vom Bücherschreiben

Lawens_PorträtAlle bisherigen Interviews entstanden durch den persönlichen Austausch auf unterschiedliche Ebenen oder ich einer Empfehlung aus meinem Umfeld gefolgt. Diesmal war es anders. Christine Lawens schrieb mir vor einigen Wochen eine E-Mail und fragte, wie ich zu meinen GesprächspartnerInnen gekommen wäre. Ich erzählte ihr mein Vorgehen und fragte dann direkt nach, welchen Traum sie verwirklicht habe. Daraus entstand dieses Gespräch über ein Vorhaben, das viele Menschen fasziniert: vom Bücherschreiben leben können. Lesen Sie hier, wie sich ein solcher Traum verwirklicht hat.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Während meiner Festanstellung in einem Kommunikationsunternehmen kam irgendwann dieser besagte Morgen. Das Kribbeln, das mich all die Jahre angetrieben hatte, war plötzlich weg. Abgenutzt durch endlose Meetings, Überstunden, Machtkämpfe. Will ich das wirklich? Was treibt mich wirklich an? Welche Leidenschaft brennt in mir? Klare Bekenntnis: Der Moment der Entscheidung ist die größte Hürde. Wer sich verändern will, muss sich eindeutig bekennen. Eine Frage in die Zukunft stellen: Macht mich der neue Beruf in ein paar Jahren wirklich glücklich?

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Ich schreibe Romane.
Dieses neue schriftstellerische Leben, für das ich mich entschieden habe, würde nicht leicht werden. Kein übermäßiges Gehalt, kein bezahlter Urlaub usw. Aber der Schreibdrang dominierte mich. Dann waren da einfach nur diese fiktiven Geschichten, die in meinem Gedächtnis klebten wie Bonbonpapier an den Fingerspitzen. Es war die Gelegenheit meines Lebens, die Chance, herauszufinden, ob ich es als Autorin schaffen würde. Und inmitten all dieser verwirrenden Emotionen, der Angst, der Begeisterung, der Sorge, der Abenteuerlust, wusste ich, dass mein Traum das Risiko wert war.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Acht Jahre. Ich bereue es noch heute, dass ich den Autorenberuf oder die Berufung nicht von Anfang an ergriffen habe. Der Traum, Schriftstellerin zu werden, ist indes viel älter als seine Realisierung und wuchs genauso selbstverständlich heran wie ein Körperteil. Ich wusste auch nicht, worauf es hinausläuft. Und jetzt – acht Jahre später – ist es wunderbar gelaufen, fast wie ein naturwüchsiger Prozess. Romane zu schreiben, ist für mich, auch wenn es pathetisch klingen mag, Bedürfnis und Lebenselixier. Ich tauche beim Schreiben einer Geschichte so tief in die Handlung ein, dass mir das Leben meiner Protagonisten realer erscheint als mein eigenes.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Trotz meiner beruflichen Tätigkeit als PR-Texterin bin ich wie die meisten Neuautoren voller Naivität an die Kontaktaufnahme zu Verlagen herangegangen. Es hagelte Absagen, aber ich bekam auch Feedbacks, dass ich Potenzial hätte, und man riet mir, weiterzuschreiben. Die Einblicke in die Arbeits- und Entscheidungsweisen der Verlagswelt hatten mich zunächst schon desillusioniert. Heute weiß ich, zu einer guten Geschichte und dem schriftstellerischen Können gehören auch viel Disziplin, Durchhaltevermögen und Glück dazu. Und man sollte sich immer im Klaren sein, dass es ein großes Geschenk ist, dass die Leute einen lesen wollen, und dass es damit jederzeit vorbei sein kann.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Mein Ehemann hat an mich geglaubt und tut es noch immer. Ich habe geschrieben und geschrieben und nochmals geschrieben. Allein durch das Schreiben entwickelt man sich weiter, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann ist man auf Hilfe von außen angewiesen. Diese Hilfe waren zunächst Ratgeber über das Schreiben. Doch irgendwann landet man damit auch in einer Sackgasse. Entscheidend für meine Laufbahn als Autorin war neben dem Rückhalt meines Ehemanns, die Begegnung mit anderen Autoren, die mir ein professionelles Feedback zu meiner Arbeit geben konnten: Was mache ich richtig, was falsch? Wie kann ich das Gute noch besser und das Falsche richtig machen? Ich hatte das Glück, die Dozentin der Pegasus Schreibschule, Ulrike Dietmann, kennenzulernen, die mir das Schreibhandwerk beigebracht hat. Dann wurde ich von dem Literaturagenten Markus Michalek von AVA international unter Vertrag genommen. Ich fühlte mich bestärkt, was das Schreiben anging. Es war für mich die Erfüllung eines Traumes – ein wunderschöner Gedanke, gerade weil ich einen anderen Traum begraben musste. All diese Menschen haben mir bei meiner Entwicklung geholfen. Ohne sie wäre ich nicht die Autorin geworden, die ich heute bin.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Eins ist sicher, ohne Leidenschaft hat alles andere keine Bedeutung mehr. Die Passion für etwas gibt dir die Kraft ganz im Sinne: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn du etwas wirklich willst, brennt die Leidenschaft von innen. Dann ist genau das für den Moment die Sache, in der du am meisten erreichen kannst. Die Kehrseite ist die Erkenntnis, dass mit einem Wechsel fast immer ein neues Leiden beginnt: Das Hobby verliert seinen Charme, aus Freiwilligkeit wird Pflicht. Das muss einem vorher bewusst sein. Um durchzuhalten, braucht es Hartnäckigkeit ebenso wie Leidenschaft!

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Ich will nie stehen bleiben 🙂

Vielen Dank, Frau Lawens, für Ihre Einblicke und Anregungen. Ich wünsche Ihnen weiterhin Erfolg mit Ihren Büchern und vor allem, dass Ihnen die Ideen nie ausgehen.

Wenn Sie selber mit der Idee spielen, ein Buch zu schreiben, klären Sie mit fünf Fragen, die Sie sich auf jeden Fall stellen sollten.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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