Was wäre, wenn mein Leben perfekt wäre?

Kennen Sie das? Sie kritisieren häufig an sich herum, finden regelmäßig Dinge, die Sie an sich nicht mögen und die dringend verbessert werden müssten. Damit kann man sich gut beschäftigen – und ein gewisses Maß an persönlichem Wachstum entsteht daraus ebenfalls, wenn man diese „Anfälle“ tatsächlich dazu nutzt, an eigenen Themen zu arbeiten.

Doch was bringt es wirklich, sich ständig mit sich selbst zu beschäftigen? Oft führt es lediglich dazu, wieder ein Selbsthilfebuch oder einen Ratgeber zu kaufen, diese zu lesen und vielleicht sogar die eine oder andere Aufgabe darin auszuprobieren. Das befriedigt den inneren Kritiker oder die Kritikerin für einige Zeit – bis die nächste Situation auftaucht, in der wir uns nicht wohl fühlen oder den Eindruck haben, dass mit uns etwas nicht stimmt. Alle anderen gehen auf Partys oder Netzwerkveranstaltungen mit Leichtigkeit auf andere zu… Der Kollege hat so viel höhere Umsätze, die ich im Leben nicht erreichen werde. Wie macht er das nur? … Ist die Freundin nicht viel besser … schöner … schlanker … jünger … charmanter … usw. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Doch wem nutzen diese Gedanken?

Na, dem Buchhandel und den Coaching- und Seminaranbietern mal auf jeden Fall. Ganze Bereiche leben hiervon – und zwar nicht schlecht 🙂 Und wie gesagt, entsprechend genutzt, können solche Fragen auch dazu führen, sich mit sich selber zu beschäftigen. In meiner Angestelltenzeit habe ich gerade aus solchen Situationen heraus viele Seminare besucht und sehr viel dabei gelernt – über mich selber, die jeweiligen Umstände und eine Basis geschaffen für meine heutige Tätigkeit als Coach und Seminarleiterin.

Auf der anderen Seite kommt man mit diesem Muster nie wirklich bei sich an. Es kann auch zu einer „Selbstverbesserungssucht“ werden, ständig an sich zu arbeiten. Das ist dann ein innerer Drang, der einem keine Ruhe lässt und zu einer ständigen inneren Spannung führt.

Auch heute noch erlebe ich Phasen, in denen meine innere Antreiberin besonders aktiv ist. Im Frühjahr hatte ich wieder einmal so eine Zeit. Bis ich mir eines Tages die Frage stelle: Was wäre, wenn ich mein Leben als vollkommen betrachten würde – so wie es ist? Mit allen Aspekten, auch denen, die ich nicht sonderlich mag. Es war zunächst wie ein innerer Donnerschlag, der einen aufhorchen lässt. Und danach breitete sich eine große Ruhe in mir aus. Bis sich eine schüchterne Stimme bemerkbar machte: Das wäre toll!

Dieser Spur folgte ich in den folgenden Tagen und landete bei einem weiteren interessanten Gedanken:

Wenn ich die Schöpferin, die Gestalterin meines Lebens bin (und davon gehe ich aus!), habe ich genau dieses Leben mit all seinen Umständen – den angenehmen ebenso wie denen, die mir nicht so gut gefallen – geschaffen. Wie habe ich dies gemacht? Was sind die Kennzeichen meiner Art zu handeln?

Selbstverständnis – ein Verständnis meiner selbst

Mit diesen Gedanken kam ich mir Stück für Stück selber auf die Spur, oder auf die Schliche. Daraus entstanden ist ein tiefes Selbstverständnis – ganz im Sinne des Wortes: ein Verständnis meiner Selbst, wie ich es in all den Jahren zuvor noch nie erlebt habe. Ich habe mich zum ersten Mal wirklich erkannt und den roten Faden in meinem Leben verstanden.

Ironie an dieser Erkenntnis war, wie ich diesen roten Faden über die Jahre immer wieder formuliert habe: Ich will mich nicht anstrengen. Doch zum ersten Mal habe ich etwas gesehen, was geschulten Augen sofort auffallen sollte: Dieser Satz ist negativ formuliert – und hatte über all die Jahre die entsprechende Auswirkung! Da begleite und unterstütze ich seit fast 20 Jahren Menschen dabei, ihre Ziele positiv zu formulieren und dann fällt mir das bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht auf!

Nach dem anfänglichen Schock habe ich ein neues Motto gewählt, das seither in allen Bereichen meines Lebens seine Wirkung entfaltet: Ich gestalte mein Leben mit Leichtigkeit. Es ist verblüffend und faszinierend zugleich, dies seither immer wieder aufs Neue zu erleben. Probieren Sie es doch mal aus.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

7 Gedanken zu „Was wäre, wenn mein Leben perfekt wäre?

  1. JC

    Nachdem ich bei Google gesucht habe, warum denn das Leben an sich so Sch*** ist hab ich mir Gedanken gemacht, ob denn das Leben wirklich sch* ist.
    Dann hab ich kurzerhand die Frage invertiert und in Google nach folgendem Ausdruck gesucht: “mein leben ist perfekt”
    Ich bin froh diesen Artikel gelesen zu haben, denn es stimmt. Wenn man mit Leichtigkeit und ein wenig Optimismus an´s Leben ran geht, dann scheint die Welt viel besser. Vor allem, da “die Welt” eh nur in unseren Köpfen so ist, wie wir sie wahrnehmen.

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  4. Rosemarie Krezdorn

    Liebe Frau Bergmann, das ist ein toller Artikel…. Er ist in mich reingefallen und hat sich dort breitgemacht. Es fühlt sich ungewohnt aber sehr warm an.
    Ich habe mich in letzter Zeit selbst zu sehr angetrieben und war dann abends kreuzunglücklich über Dinge, die ich nicht erfüllt habe.
    Danke
    Rosemarie Krezdorn

  5. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Krezdorn,
    es ist in der Tat für viele Menschen ungewohnter Gedanke, ihr eigenes Leben als perfekt zu betrachten. Auch ich selber habe lange gebraucht, bis ich diesen Gedanken und das damit verbundene Gefühl annehmen konnte.
    Ich wünsche Ihnen geruhsame Weihnachtstage und alles Gute für 2016!
    Ulrike Bergmann

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