Positives Denken – Pro und Contra

Weggabelung_1Dieser Tage fand ich in einer Publikation wieder einmal die Frage, ob positives Denken richtig oder falsch sei. Das erinnert mich an die Diskussion, die bereits seit einigen Jahren immer wieder darüber geführt wird. Sie wurde vor etwas fünf Jahren zum ersten Mal sehr breit geführt, als der Psychotherapeut Günther Scheich ein Buch mit dem reißerischen Titel „Positives Denken macht krank“ veröffentlichte. Ich habe dies als Anregung genommen, mich einmal ausführlicher mit dem Thema zu befassen. Daraus entstanden ist ein Dreiteiler, in dem Sie heute und in den beiden nächsten Wochen erfahren,

Positives Denken: Warum es oft nichts nützt (Teil 1)

Einerseits hat Günther Scheich Recht, wenn er davor warnt, alles und jedes nur noch unter dem Vorzeichen „Denke positiv!“ zu betrachten. Hierdurch entsteht ein ungeheurer Druck auf den Einzelnen. Vor allem, wenn aus der Umgebung ständig Hinweise in diese Richtung kommen. Das kann in der Tat auf Dauer krank machen. Das alleine heißt jedoch nicht, dass positives Denken als solches gut oder schlecht ist. Dazu gehören noch andere Facetten. Zum Beispiel der Aspekt, dass wir in einer Welt der Dualität leben, die auch unser Denken prägt. Wenn wir die Welt in Gegensätzen sehen, gehört dazu auch, unser Denken in richtig und falsch einzuordnen. Oder in positives und negatives Denken. Das kann leicht dazu verführen, in ein Schwarzweiß-Denken zu verfallen, zu dem auch gehört, alles nur noch unter diesem Blickwinkel zu betrachten und diejenigen auszugrenzen, die anders denken als man selbst. Diese denken dann eben „falsch“. Oder negativ.

Interessanter finde ich hingegen, einen anderen Aspekt zu betrachten, der das oft ausgesprochene Gebot, man müsse nur positiv denken, für mich problematisch macht. Ausgangspunkt dafür ist in der Regel, dass etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen. In diesen Situationen haben wir einen großen Wunsch: Aus dem Unbehagen rauszukommen und uns (wieder) gut zu fühlen. Da klingt es doch erst einmal ganz einfach, wenn es heißt „Denke halt positiv!“ Dafür werden dann auch gleich ein paar passende Affirmationen angeboten. Sie beschreiben den Zustand, in dem wir uns gerade NICHT befinden,uns jedoch wünschen. Was nicht bedeutet, dass Affirmationen selber keine Wirkung haben. Im Gegenteil: Im richtiger Weise genutzt, können sie durchaus dazu beitragen, unser Denken und damit auch unser Fühlen zu verändern.

Das Problem am positiven Denken liegt woanders.

In einer Fortbildung hat mein Ausbilder es vor Jahren sehr drastisch auf den Punkt gebracht: Auch wenn man Sahne auf die Sch… gibt, bleibt darunter doch der Dreck. Oder anders gesagt: Wenn ich am Grundthema nichts ändere, kann ich so viele positive Affirmationen verwenden, wie ich will. Es wird sich doch nichts ändern. Das ist der eine Teil, weswegen positives Denken oft nicht weiterbringt. Hilfreich sind hier Methoden, mit denen ich das Grundthema lösen und die damit verbundenen Emotionen loslassen kann. Hierauf gehe ich zu einem anderen Zeitpunkt ein.

Ein zweiter Aspekt ist allerdings ebenso wichtig.

Hinter der Aufforderung, positiv zu denken, steckt der Gedanke, dass der Zustand, in dem wir uns momentan befinden, nicht in Ordnung ist und daher schnellstens geändert werden sollte. Noch ein Anspruch! Was in dieser Situation passiert, ist dass wir uns mit jedem Zettel, den wir an einem Spiegel kleben, oder jedem Satz, den wir uns sagen, uns nur immer wieder daran erinnern, dass etwas fehlt oder an uns nicht in Ordnung ist. Damit begeben wir uns in einen Zustand des Mangels, den wir mit dem gut gemeinten positiven Denken stärken, ja, sogar regelmäßig aufs Neue erzeugen. So entsteht ein Teufelskreis. Der sich durchbrechen lässt…

Wie dies geht, erfahren Sie in Teil 3 dieser Miniserie mit dem Titel Positives Denken – wie Sie es sinnvoll nutzen.

Zuvor erfahren Sie in Teil 2 Positives Denken – was es wirklich bringt, wann positives Denken nützt und wie Sie es sinnvoll einsetzen.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „Positives Denken – Pro und Contra

  1. Helga Vogts

    Hallo Frau Bergmann,
    wieder einmal bin ich durch Ihren Newsletter auf eine Seite in Ihrem Magazin gelandet, die mich sehr anspricht.
    Ich halte es für sehr wichtig, wie Sie auch die negativen Seiten des Positiven Denkens ansprechen.
    Dies vor allem in einer Zeit, in der die positive Psychologie, – die wahrlich gute Ansätze hat – ihren Siegeszug in Deutschlands Instituten feiert.
    Kerniger als mit dem Spruch der Sahne auf der Sch. kann man es nicht ausdrücken, und ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie es hier genau so wiedergeben.
    Vielen Dank!
    Ich freue mich darauf mehr von Ihnen zu lesen.
    Helga Vogts

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Vogts,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Auch wenn ich selber eine Freundin der positiven Psychologie bin, halte ich es doch für wichtig, die persönliche Situation des Einzelnen mit einzubeziehen – und dafür Lösungen zu finden. Das heißt manches Mal: erst mal den Mist entfernen 😉
    Sonnige Grüße vom Chiemsee
    Ulrike Bergmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.