Schmerzen enthalten Botschaften

Wie ich in meinem Beitrag Krisen SIND Chancen schon erwähnte, entdeckte ich durch meine Fußverletzung etwas, was ich durchaus als Chance betrachte und in dem eine wichtige Botschaft steckte. In der zweiten Woche nach dem Unfall war ich damit konfrontiert, dass die Schmerzen großen Schwankungen unterlagen. Es gab Phasen, in denen ich kaum Probleme hatte, mich zu bewegen und dann gab es die Momente – vor allem am Morgen -, wo ich mich nur mit Krücken durch die Wohnung bewegte.

Irgendwann dämmerte es mir: Ich hatte seit der Kindheit eine Riesenangst vor körperlichen Schmerzen und tat alles, diese zu vermeiden. Über die Jahre hatte ich einige Techniken kennengelernt, mit denen ich kleinere “Befindlichkeiten” wie Kopf- oder Rückenschmerzen sehr gut loslassen konnte. Doch hier war es anders. Diese Methoden halfen mir in dieser Situation wenig. Ich wartete geradezu darauf, dass der Schmerz auftauchte. Wie konnte es anders sein: Er trat auch sofort zu Tage!

Eine Freundin verwies mich auf ein Buch, das wir beide kannten: Raus aus dem Geld-Spiel von Robert Scheinfeld. Darin las ich, dass wir uns zu höchstens 60 % dem Schmerz stellen – und damit die darin enthaltene Botschaft nicht verstehen. Statt dessen erzeugen wir ihn immer wieder aufs Neue. Das leuchtete mir ein und so wagte ich an diesem Tag ein Experiment: Ich stellte mich dem Schmerz in meinem Fuß. Das war höchst unangenehm und doch tauchten dabei sehr interessante Bilder auf, unter anderem an eine frühe Situation in der Kindheit. Nach einiger Zeit ließ der Schmerz nach und ich konnte meinen Fuß den Rest des Tages recht gut belasten.

Das hielt nicht lange an, denn das alte Muster der Schmerzvermeidung war einfach noch zu stark. Und so bewegte ich mich die nächsten Tage immer wieder einmal auf Krücken durch die Gegend. Irgendwann hatte ich es satt! Das war ein Moment wahrer Transformation 🙂

Seit dem Moment nehme ich den Schmerz als Botschafter für meinen mentalen Zustand. Wenn er auftaucht, atme ich in ihn hinein und damit durch meine Angst hindurch. Ich rede mit meinem Fuß und sage ihm, dass es mir leid tut, wie ich ihn behandle. Seither ist es auch mit der Wundheilung deutlich voran gegangen und ich freue mich schon darauf, wenn ich in einigen Tagen wieder normale Schuhe anziehen kann. Weiß-rote Lederschuhe sehen im Winter echt seltsam aus 😉

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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