Sabine Scheibner: In einer exotischen Männerdomäne bestehen

Porträt Scheibner Es gibt Träume, die wir früh im Leben verwirklichen und deren Erfolg uns ein Leben lang begleitet. Darum geht es auch in diesem Interview. Sabine Scheibners Traum begann während ihrer Ausbildung und das Ergebnis wirkt bis heute. Auch wenn seither viele Jahre vergangen sind, ist eines geblieben: ihre Kreativität und ihre Lust darauf, etwas Neues auszuprobieren. In jüngster Zeit war es die Gestaltung von wunderbaren Notizheften für Frauen; parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung in Biografiearbeit, die sie im Sommer 2012 abgeschlossen hat.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Wie werde ich mir mit diesem Beruf jemals eine Existenz aufbauen?

Werden wir konkret. Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Blick zurück: Wir schreiben das Jahr 1980. Ich bin 20 Jahre alt, im 2. Ausbildungsjahr als Klavier- und Cembalobauerin, ein exotischer Handwerksberuf und eine Männerdomäne zugleich. So wie ich es mir im 2. Ausbildungsjahr erträumt habe, ist es eingetreten und ich habe mir tatsächlich in einer 2-Zimmer-Wohnung eine kleine Werkstatt eingerichtet.
Daneben habe ich mir noch eine zweite Ausbildung im Metallhandwerk „geleistet“ und einen tollen Auftrag bearbeitet: ein 200 Jahre altes Tafelklavier restauriert. Außerdem habe ich in einem 20-er Jahre Kino gejobbt und jede Menge Kinofilme angesehen. Eine aufregende, lebendige, tatkräftige, zukunftweisende Zeit!

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat das bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht haben?
Etwa sechs Jahre, bis die Umstände so passend waren, dass ich einfach zugreifen musste.

Der direkteste Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Erst mal habe ich noch zweimal die Arbeitsstellen bzw. die Werkstätten gewechselt, bis es soweit war. Eine Herausforderung war meine Unzufriedenheit. Die Hierarchien, die Männerdomäne, „das fremdbestimmt sein“ machten mir zu schaffen. Ich habe mich oft gefragt, wie hätte ich als Arbeitgeberin entschieden, wie würde ich meinen Betrieb gestalten, was ist mir wichtig im Arbeitsleben.
Oftmals habe ich schlichtweg die Zähne zusammengebissen, Situationen ausgehalten, durchaus auch gelitten… und genau damit meinen Traum genährt. Ich habe mir mein zukünftiges Arbeits-/Werkstatt-/Künstlerinnenleben ausgemalt, visualisiert und plastisch vorgestellt. Allerdings lief das damals sehr unbewusst ab. Heute würde ich mir dafür Unterstützung holen.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Immer wieder meine Schwestern, Gespräche mit ihnen und mit FreundInnen…  Tagträume, Austausch, Neugier, Fragen stellen, Biografien anderer Menschen / Künstler lesen… auf die Suche gehen… in Gedanken kündigen….

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Wie waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Geduld aufbringen, am Thema dranbleiben, konkret werden, handeln, Tagträumen…
Wenn eine Sache stimmig ist, dann entwickeln sich die Dinge fast wie von selbst, dann greifen die Zahnräder ineinander, es läuft rund, die Energien fließen…
Durch die Verwirklichung dieses Traums haben sich für mich neue Türen geöffnet: mit dem Restaurierungsbericht über das Tafelklavier konnte ich mich dann an einem Museum in München bewerben. Ich habe die Stelle bekommen, was meinem Leben wieder eine neue Richtung gab.

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Da gibt es viele. Zusammengefasst: Ich träume davon, Privatier im Sinne des Grundeinkommens zu sein, mir beruflich neue Standbeine aufzubauen, mich kreativ, lebendig und sozial zu engagieren und trotzdem das Leben eines Taugenichts zu führen 😉

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen noch viel Träume und kreative Standbeine.
In der nächsten Woche berichtet Petra Schuseil über ihren Weg von der Idee zum ersten Buch.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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