Wolfram Weisse: Besondere Momente festhalten

Weisse_PorträtVor einigen Wochen nahm Wolfram Weisse über XING mit mir Kontakt auf. Als ich mir sein Profil ansah, fiel mir ein persönliches Projekt ins Auge, das ich sehr faszinierend fand und mir vorstellte, dass es dabei um die Verwirklichung eines persönlichen Traums ging. Also fragte ich ihn, ob er mir dazu einige Fragen beantworten wolle. Als ich seine Antworten las, war ich begeistert. Zudem freue ich mich, dass ich Ihnen nach neun Frauen nun endlich den ersten Mann in dieser Serie über verwirklichte Träume vorstellen kann. Ich bin gespannt, ob Sie ähnlich fasziniert sind…

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?

Mich beschlich schon länger das ungute Gefühl, dass ich wesentliche Entwicklungen unserer kleinen aber auch der größeren Tochter aufgrund meines Jobs schlichtweg verpasste. Und ich wusste insgeheim: diese besondere Zeit und die vielen einzigartigen Momente sind extrem kurzlebig und vergänglich, nichts davon lässt sich zurückdrehen. Entweder du hältst sie so gut es geht fest, oder sie sind im nächsten Moment für immer vergessen. Die Frage war also: Wie hält man in unserer heutigen Zeit ganz besondere Momente aus dem Leben der eigenen Kinder fest und teilt diesen Spaß mit anderen?

Wenn mich meine vierjährige Tochter völlig unvermittelt fragt, ob Flamingos Unterhosen tragen, wenn sie baden gehen, dann ist das nicht nur urkomisch, sondern einer dieser ganz besonderen Momente, der nur wenige Sekunden andauert und genauso schnell vergessen ist, wie er auftauchte. Ich vergleiche solche Momente gerne mit einem Schmetterling, der aus dem Nichts auftaucht, für einen kurzen Moment pausiert und dann wieder verschwindet. Weder ein bekritzelter Notizzettel, noch ein verstaubtes Familienfotoalbum oder 70 Stunden digitales Videomaterial sind zufriedenstellende Medien für derlei unvergessliche Momente. Und nichts davon kann man vernünftig mit vielen anderen Eltern teilen, die ähnliche oder völlig andere urkomische Situationen erleben.

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?

Schon Jugendliche interessiert es brennend, wenn die Eltern lustige Geschichten aus ihrer frühen Kindheit zum Besten geben. Da hört man selbst als gesetzter Erwachsener gern und mit gespitzten Ohren zu – vorausgesetzt, es haben sich ein paar Episoden über die Jahrzehnte erhalten.

Weisse_RockerIch habe ein Webportal ins Leben gerufen, das sich mit eben dem Wortwitz, der Sprachakrobatik und den besonderen Momenten kleiner Kinder beschäftigt. Auf www.mini-sprachhelden.de können stolze Eltern und Großeltern Sprüche, Stilblüten und einzigartige Episoden kleiner Rabauken online posten und bewerten.

So lässt man andere Menschen an den Sprüchen und Geistesblitzen seiner Kinder teilhaben und die vielen komischen Schlaumeiereien und teils skurrilen Begebenheiten werden zum gemeinschaftlichen Erlebnis in einer sympathischen Community.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?

Das kommt darauf an, wo auf dem Zeitstrahl man Initialzündung und Verwirklichung ansetzen möchte. Die lustigsten Begebenheiten mit unserer Tochter halten meine Frau und ich bereits seit drei Jahren fest, eben auf allen möglichen Schmierzetteln – das hat seine Grenzen.

Die Idee zu einer Website und Communitiy kam mir spontan Anfang dieses Jahres, als ich eine weitere Schlaumeierei unserer Tochter auf die Rückseite eines Kassenzettels kritzelte, der gerade zur Hand war. Das erschien mir so fürchterlich antiquiert und begrenzt. Wir diskutierten daraufhin mögliche Umsetzungen per Web, die allesamt viel mehr Spaß versprachen als diese chaotische Zettelwirtschaft. Bei einem Spaziergang haben wir dann ein paar mögliche Namen diskutiert, danach gleich nach freien Domains recherchiert. Dann ging alles recht schnell. In zwei Wochen stand das Grundgerüst für die Website und wenn der Spaß mitarbeitet, gesellen sich automatisch viele weitere Ideen dazu. Oft bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und habe alles, was mir so in den Sinn gekommen ist, in mein Projektbüchlein gekritzelt. Manche Ideen lassen sich auch ohne Programmierkenntnisse überraschend schnell umsetzen; für scheinbare Kleinigkeiten gehen manchmal aber gleich ein paar Tage ins Land. Insgesamt würde ich den Zeitpunkt von der Idee bis zur Realisierung auf drei Monate beziffern.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?

In der Umsetzung einer Idee liegt oftmals gar nicht die größte Herausforderung. Meist ist das Gelingen einer Idee ja von anderen Menschen abhängig. Dann müssen Sie andere zunächst auf Ihre Idee aufmerksam machen und dann auch noch davon überzeugen. Das sind also mindestens drei Hürden: Tragfähige Idee, Aufmerksamkeit und überzeugende Darstellung des Nutzens für die Zielgruppe. Die beiden letzteren Herausforderungen können manchmal größer und langwieriger sein, als eine gute Idee zu konzipieren.

Darüber hinaus sind bei jeder Umsetzung gerade am Anfang Ausdauer und Stetigkeit gefragt. Das alles hat mit dem Faktor Zeit zu tun. Wunder geschehen bekanntlich selten über Nacht. Ich arbeite an diesem Projekt ja ausschließlich in meiner Freizeit, da ich beruflich stark eingebunden bin.

Was gut und weniger gut funktioniert, lässt sich gerade im Medium Internet nicht immer exakt vorhersagen. Es gibt aber Mechanismen, die man für einen erfolgreichen Webauftritt beachten sollte: Informationen statt Werbung, die Möglichkeit, Inhalte mitzubestimmen, der Community-Gedanke und multimediale Inhalte. Ansonsten gilt: die eigene Idee bzw. eine klare Vision unbeirrbar zu verfolgen.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?

In erster Linie hat mich meine Frau bestärkt, diese spontan geborene Idee umzusetzen, da wir ja schon lange die schönsten Episoden unserer Kinder dokumentieren. Sehr ermutigend waren aber auch die vielen positiven Feedbacks auf die Idee und das Portal, die aus den unterschiedlichsten Richtungen kamen: Freunde, junge Eltern, Großeltern, Vereine, ja sogar ein Mehrgenerationenhaus zeigten sich begeistert und haben mir sehr motivierende Nachrichten geschickt.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?

Spaß ist der größte Motivator. Das ist wichtig zu wissen, denn wenn man für eine Idee oder einen Traum nicht wirklich ‚brennt’, wird die Umsetzung zäh wie Kaugummi und Frust ist vorprogrammiert.

Zudem sollte man eine Vision haben und diese nicht aus den Augen verlieren. Oft halten wir uns schon am Anfang mit perfektionistischen Details auf, statt alles dafür zu tun, das große Ziel zu erreichen.

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?

Erstmal wird der Mini-Sprachhelden Traum weiter geträumt, hier gibt es noch viel zu tun, ich stehe ja noch ganz am Anfang. Es werden viele weitere Funktionen Einzug halten, mehr möchte ich derzeit noch nicht verraten.

Ansonsten hege ich schon länger den Traum eines Familienurlaubs auf den Seychellen… das scheint aber nicht nur geographisch in weiter Ferne…

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Projekt eine weite Verbreitung findet und damit vielen Menschen Freude bereitet.

In der nächsten Woche erzählt Ariane Erdelt davon, wie sich ihr lange ersehntes Refugium am See geschaffen hat.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

Ein Gedanke zu „Wolfram Weisse: Besondere Momente festhalten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.