Wovor wir wirklich Angst haben…

Meist sind Ängste diffus und halten uns dort fest, wo wir uns auskennen und zuhause sind. Ob es dort schön ist oder nicht, spielt erst mal keine Rolle. Wichtiger ist, dass das, was wir kennen zunächst einfach attraktiver ist als etwas Neues. Zumindest solange, bis wir uns diesen Ängsten stellen und erkennen, was wirklich dahinter steckt. Die meisten Ängste stammen aus einem oder mehreren von vier Bereichen:

Verbundenheit mit anderen

Zugehörigkeit ist eines der wichtigsten Bedürfnisse unseres Lebens. Daher achten wir darauf, unsere Verbindung zu anderen Menschen nicht aufs Spiel zu setzen. Was passiert, wenn unser Veränderungswunsch uns denen entfremdet, die wir schon lange kennen und lieb gewonnen haben?

Dies lässt sich dadurch klären, dass Sie frühzeitig mit Ihrem unmittelbaren Umfeld über Ihre Wünsche und Ideen sprechen. Damit binden Sie diese Menschen mit ein und erfahren, wie sie dazu stehen. Welche Wünsche haben sie selber? In einem achtsamen Dialog erkennen Sie, wo Sie auf einer Linie sind, vielleicht sogar ähnliche Wünsche haben, die Sie gemeinsam verwirklichen können.

Sicherheit

Wenn Sie bekanntes Gebiet verlassen und sich in Richtung Neuland aufmachen, lassen Sie den gewohnten Rahmen hinter sich. Dieser bietet Ihnen Halt, Sicherheit und Orientierung, während das Neue erst einmal unbekannt ist und Sie noch nicht wissen, wie gut Sie sich dort zurecht finden. Ehe Sie sich auf den Weg machen, ist es daher ratsam, dass Sie überlegen, auf was Sie für die gewünschte Veränderung verzichten können und was weiterhin bestehen bleiben muss. Finden Sie heraus, welchen Rahmen Sie brauchen, damit Sie sich über die gewohnten Grenzen hinaus bewegen können. Machen Sie sich einen Plan für den “Fall der Fälle”, damit Sie wissen, was Sie tun können, wenn Sie zu weit gegangen sind und sich überfordert fühlen.

Als ich das erste Mal alleine verreiste, war es für mich wichtig zu wissen, dass ich jederzeit an den Ausgangsort meiner Reise – die Wohnung eines Freundes in Buenos Aires – zurückkehren konnte. Damit konnte ich Neues ausprobieren und manches Abenteuer bestehen.

Anerkennung

Auch dies ist ein menschliches Bedürfnis, auf das nur wenige Menschen verzichten können. Doch Anerkennung beginnt zunächst bei uns selber. Starten Sie in dieser Phase ein Tagebuch der Wertschätzung. Es genügt ein kleines Büchlein im Format DIN-A7, in dem Sie jeden Abend eine Seite mit allen Punkten füllen, für die Sie sich selber wertschätzen. Damit wird es leichter, für einige Zeit auf die Anerkennung von außen zu verzichten. Und wer weiß? Vielleicht erfahren Sie für Ihren Schritt mehr Zuspruch als Sie erwartet haben.

Kontrolle

Ach, wie gerne wüssten wir schon im Vorfeld, dass alles gut wird! Wir wollen die Fäden in der Hand behalten, und damit die Kontrolle über alles in unserem Leben. Doch Veränderung und Festhalten am Gewohnten schließt sich aus. Ebenso wie sich nicht alles im Leben planen oder vorhersehen lässt. Hier ist Vertrauen erforderlich: in die eigenen Fähigkeiten, mit Ungewissheiten zurecht zu kommen… dass sich immer eine Lösung oder Hilfe findet, wenn wir sie brauchen… dass es das Leben gut mit uns meint und sich der passende Weg und die nächsten Schritte offenbaren, wenn wir vertrauensvoll unseren Weg gehen…

Denken Sie auch an das Bild von den fliegenden Akrobaten im Zirkus. Nur wenn dieser den einen Holm loslässt, kann er hinüber zum anderen Holm schwingen. Wenn er zu spät loslässt, stürzt er ab.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.