Christine Rösch: Familien in schwierigen Zeiten begleiten

Rösch_ProfilImmer wieder hörte ich vom Kleefalterhof als einem besonderen Ort für Familien in schwierigen familiären Situationen. So wurde ich neugierig auf dieses Projekt, das Christine Rösch vor ein paar Jahren südlich von München initiiert hat. Vor einigen Monaten ist sie mit dem Kleefalterhof an den Staffelsee umgezogen, wo sie ihn gemeinsam mit Sabina Schnick weiter auf- und ausbaut. Besonders fasziniert hat mich, wie die beiden in großem Vertrauen ihren von Spenden abhängigen Traum verwirklichen und sich auch von Gegenwind nicht aufhalten lassen.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat ihr Traum begonnen?

Wozu bin ich auf diese Erde gekommen?

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?

Mein eigenes Leben zu leben und Menschen in schwierigen Lebenssituationen mit meinen Tieren zu begleiten. Dies sollte auf einem Hof in freier Natur sein, der auf einem Hügel liegt und einen Blick auf Berge, Wälder und einen See bietet.

Manche Träume brauchen ihre Zeit: Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht haben?

Die allererste Idee entstand im Herbst 2005, die Gründung der gemeinnützigen Kleefalterhof GmbH erfolgte dann im Mai 2011 – es dauerte also gut fünfeinhalb Jahre. Und noch einmal 18 Monate, bis zum Umzug auf den Guggenberg am Staffelsee Ende 2012.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?

Die größte Herausforderung war anfänglich, einen Stall zu finden, in dem Pferde artgerecht gehalten werden und wir therapeutisch arbeiten konnten. Dieser sollte nicht weiter als max. 30 Minuten vom Münchner Süden entfernt liegen. Im März 2011 fanden wir in Bachhausen, östlich des Starnberger Sees einen Stall, in dem dies alles der Fall war.

Obwohl die Zusammenarbeit mit dem Landwirt gut lief, stellte sich mit der Zeit heraus, dass es hier keine Zukunft geben wird. Die in Aussicht gestellte Möglichkeit, behindertengerechte Wohnungen für Familien in den Hof zu integrieren und das Austragshäuschen auszubauen, war nicht umzusetzen. Daneben wurden die Haltungsbedingungen für die Pferde zunehmend schlechter und es bedurfte eines hohen Zeitaufwandes mit viel Fahrerei von mir, um das auszugleichen.

Wieder machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Lösung und beschloss, den Kreis um München auf 1,5 Stunden Fahrtzeit zu erweitern. Dabei begleitete und unterstützte mich Sabina Schnick, meine langjährige Freundin. Wir besichtigten Höfe von Wildsteig im Ammergebirge bis hinter den Chiemsee. Über Umwege entdeckten wir schließlich den Hof am Guggenberg. Die Gespräche mit dem Landwirt verliefen sehr gut, und so wurden Ende Oktober 2012 die Pferde umgesiedelt. Ende Dezember 2012 zog Sabina hinaus, Anfang Januar 2013 folgte ich mit meinen beiden Hunden und Katzen.

Seither erlebten wir eine Überraschung nach der anderen. Doch wir ließen uns nicht ins Bockshorn jagen, sondern konzentrierten uns weiter auf unsere Vision, am Guggenberg eine therapeutische Nachsorgeeinrichtung für Familien mit einem schwerkranken oder verstorbenen Kind einzurichten.

Im Moment warten wir darauf, dass uns das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen die Genehmigung zur Nutzungsänderung erteilt. Wir holten uns hierfür auch Unterstützung durch einen Professor, der an der Bauhaus-Uni in Weimar Baurecht lehrt. Doch das Landratsamt mauert noch, weil es Streitigkeiten befürchtet. Wenn wir den Rechtsweg einschlagen würden, wäre die Behörde “aus dem Schneider”. Doch das erlauben weder unsere Satzung noch der verantwortliche Umgang mit den Spendengeldern.

Daher gehen wir den Weg über Öffentlichkeitsarbeit und die Politik. Zwei Briefe an die bayerische Sozialministerin Haderthauer mit der Bitte um Unterstützung wurden an das Bayerische Staatsministerium des Inneren weiter geleitet. Dort soll unser Antrag noch einmal auf seine Machbarkeit geprüft werden. Wir sind zuversichtlich, dass ihm letztlich stattgegeben wird. Dann erwerben wir das Anwesen, renovieren es und bauen es für unsere Arbeit passend um. Damit dies alles gelingt, brauchen wir noch viele Menschen, die uns finanziell unterstützen – denn das Projekt wird zu 100 % aus Stiftungsmitteln und Spenden finanziert.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?

Am Anfang erhielt ich von unterschiedlichen Menschen Unterstützung. Sie entwarfen das Konzept mit, gestalteten die inhaltliche Arbeit und halfen, wenn Not an der Frau war. Allerdings zeichnete sich bald ab, dass die für den dauerhaften Erfolg nötige Struktur fehlte. Hier brachte sich seit Herbst 2011 Sabina Schnick sehr konstruktiv ein. Sie bearbeitete meine kreative Buchhaltung und brachte sie auf Vordermann. Sie achtet seither darauf, dass alle Angebote gegenfinanziert sind, Ziele entwickelt, Konzepte erstellt und Schritt für Schritt eingehalten werden. Gleichzeitig unterstützte sie mich gegen Widerstände aus meiner Familie. Immer wieder stellte sie mir die Frage: „Was willst du?“ So gewann ich mehr und mehr Klarheit, die letztendlich zum Umzug auf den Guggenberg führte.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?

Mit dem Ziel vor Augen bei mir zu bleiben, Grenzen setzen, Strukturen entwickeln und das Alles möglichst mit viel Leichtigkeit und Freude!

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?

Sobald die Nutzungsänderung vorliegt, wollen wir den Hof mit einer Fläche von ca. 8.300 m² kaufen, renovieren und ausbauen. Im Zuge dessen entsteht eine MitarbeiterInnenwohnung, in die ich einziehe. Damit erfüllt sich mein Traum, dauerhaft auf dem Guggenberg zu leben. Zugleich wandeln wir diesen Platz zu einem Ort der Heilung und Stärkung für Familien in schwierigen Situationen.

Vielen Dank, Frau Rösch, für das Interview. Ich wünsche Ihnen, Sabina Schnick und den betreuten Familien, dass Sie bald Sicherheit für den Guggenberg haben und diesen besonderen Ort weiter ausbauen können.

In der nächsten Woche erfahren Sie, wie Saskia John darauf gekommen ist, einige Zeit in völliger Dunkelheit zu verbringen.

 

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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