Saskia John: Durch die Dunkelheit ins Licht

John_PorträtManche Themen sprechen mich sofort an, andere gehören in die Kategorie “faszinierend, aber nichts für mich”. Dazu gehört auch das Thema meines heutigen Interviews mit Saskia John. Wir haben uns über Twitter kennengelernt, und ich war sehr neugierig, wie Sie darauf gekommen ist, einige Zeit in völliger Dunkelheit zu verbringen. Also bat ich Sie, mir meine Fragen zu beantworten – und freute mich über ihre positive Resonanz. Lesen Sie über ein spannendes Leben und große Träume.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Mein ganzes Leben bestand bislang wie aus einem Traum. Die erste Frage, die ich mir stellte, war: Was möchte ich werden?
Ganz oben auf meiner Liste stand Ärztin. Doch weil während des Medizin-Studiums auch Tote seziert werden müssen und ich panische Angst vor dem Tod und vor Toten hatte, ließ ich Nr. 1 fallen.
Das warf die 2. Frage auf: Was möchte ich stattdessen werden? Tierärztin. Tote Tiere zu sezieren fand ich zwar nicht schön, aber ich konnte mir vorstellen, es zu tun und ich bekam einen der zu DDR-Zeiten sehr seltenen Studienplätze für Veterinärmedizin.
Noch während des Studiums träumte ich von einem Mann, von Kindern und einem Haus. Der Traum warf keine Fragen in mir auf, ich fand meinen Partner während des Studiums, wir heirateten und alles war klar…
Nach der Wende 1989 und den sich daraus für mich ergebenden großen Veränderungen stellte sich mir eine neue Frage: Was möchte ich jetzt machen, nachdem die LPG’n aufgelöst wurden und es plötzlich zu viele Tierärzte gab? Heilpraktikerin werden, hieß mein neuer Traum.
Im Zuge meines inneren Wachsens und Erwachens kamen zentralere Fragen auf, die bis heute für mich noch immer viel Energie und Forschungspotential haben: Wer bin ich? Wo komme ich her und was geschieht, wenn ich sterbe? Gibt es den Tod? Was bedeutet das Wort „Seele“ ganz in der Tiefe? Was bedeutet Sterben?
Um diesen Fragen tief auf den Grund zu gehen, nutzte ich die Möglichkeit des inneren Rückzuges. 2003 ging ich für 12 Tage und 2005 für 24 Tage in völlige Dunkelheit (Dunkel-Retreat oder Dunkeltherapie) und unterstützte den inneren Reinigungs- und Erkenntnisprozess durch Fasten.
Während dieser Zeit entstand die Idee, meine Erfahrungen in der Dunkelheit der Welt in einem Buch mitzuteilen. Die Frage, ob ich das möchte und kann, stand ca. 5 Jahre lang für mich ganz offen im Raum.

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
John_BuchcoverAlle oben erwähnten Träume erfüllten sich: Ich bin Tierärztin, seit 1994 auch Heilpraktikerin und arbeite heute mit Menschen, was ich von Beginn an wollte. Ich habe eine Familie mit 4 wundervollen Kindern, die in unserem Haus aufgewachsen sind. Ich bin mir selbst ein ganzes Stück näher gekommen und habe auf meine tieferen Lebens-Fragen viele Antworten gefunden. Mein Buch über meine Erkenntnisse und Grenzerfahrungen während der beiden Dunkelaufenthalte ist im Januar 2012 im Wagner-Verlag unter dem Titel In den Tiefen meiner Seele. Erfahrungen in völliger Dunkelheit erschienen.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Ich bin ein Mensch, der ziemlich schnell handelt, sodass sich meine Träume bisher meist in der kürzest möglichen Zeit verwirklichten. Tierärztin war ich nach 5 Jahren Studienzeit, Heilpraktikerin nach harter Arbeit des Selbststudiums und Wiederholens der mir im Grunde bekannten Inhalte aus der Veterinärmedizin. Dennoch: beim Menschen ist einiges anders als bei Tieren und so brauchte ich ein Jahr, ehe ich mir die Prüfung zutraute. Den Weg zu mir selbst gehe ich seit 13 Jahren. Dabei bin ich mir bewusst, dass der Prozess des Erwachens ein Lebensweg ist, der nie endet. Ein schöner, spannender und herausfordernder Weg.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Die größte Herausforderung war immer ich selbst … meine Ängste und Selbstzweifel, die sich zunehmend zeigten, je mehr ich mir selbst näher kam. Meine seelischen Wunden so weit zu heilen, dass sie mich in meinem Erwachsenen-Leben und in meinem authentischen Ausdruck nicht mehr blockieren, war ein schwieriges, schmerzhaftes und langwieriges Unternehmen. Dafür nahm ich mir die Unterstützung bei einer Therapeutin, die mich lange Zeit auf meinem individuell-spirituellen Weg begleitet hat.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
An erster Stelle stehen meine Therapeutin und einige andere spirituelle Lehrer, die meinen Weg kreuzten, und von denen ich bis heute lerne. Bücher halfen mir, vieles besser zu verstehen, Selbsterfahrungs-Seminare ermöglichten mir, das theoretische Wissen aus den Büchern selbst zu erfahren. Die beiden Dunkel-Retreate waren eine enorme Hilfe genauso wie Tai Chi und Meditation, was ich seit Jahren mache. Auch viele Gespräche mit Gleichgesinnten, Weggefährten und Freunden halfen mir über manches Tief und Selbstzweifel hinweg. Und in gewisser Weise waren meine Eltern die größten und herausforderndsten Lehrer für mich, denen ich heute von Herzen dankbar für alle Lektionen bin. Die Ernte meiner Träume kam letztlich wie von alleine, als ein Geschenk auf meinem Weg.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Oh, derer sind so viele, dass ich gern auf mein Buch verweise, in dem ich meine Erkenntnisse niedergeschrieben habe. Ganz kurz zusammengefasst würde ich sagen: bedingungslose Liebe heilt alle Wunden. Angemessene Grenzen setzen tut gut. Zuerst mich selbst heilen, selbst Quelle sein, dann kann ich anderen Menschen eine wirksame Hilfe sein. Zwischen Andere-Menschen-Retten-Wollen und Helfen besteht ein riesengroßer Unterschied. Nach vorn schauen und mit Mut und Forschergeist weitergehen, statt zurückblicken und am Alten festhängen wie ein Baby an der Mutterbrust. Dann dämmert mit der Zeit aus den Tiefen der Seele das Schöne, Wahre und Gute im Menschen herauf.

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Zwei Träume begleiten mich derzeit, wovon der erste bereits kurz vor der Umsetzung und der zweite noch ganz im Traumland existiert:

  1. Ich bin dabei, mein ins Englische übersetzte Buch (Dunkeltherapie-Erfahrungsbericht) herauszugeben, sodass es auch im englischen Sprachraum zur Verfügung steht.
  2. In meinem zweiten Traum geht es um die Verwirklichung eines Kombi-Projektes, das drei Komponenten beinhaltet: Dazu suche ich ein großes Grundstück in ruhiger und schöner Umgebung (Wald, Wiese, Wasser, Berge), auf dem folgendes entstehen soll:

a)    ein stationäres Hospiz, wo Sterbende auf ihrem Geburtsprozess in die geistige Welt von Menschen mit emotionaler und spiritueller Kompetenz liebevoll und mit hohem  Bewusst­sein für den Sterbeprozess begleitet werden. Das Projekt ist mein Beitrag für die Wandlung des bislang bestehenden Umgangs mit Sterbenden hin zu einer neuen, bewussteren Sterbekultur in Deutschland.
b)    ein Seminar- und Heilbereich, zu dem ein großer Seminarraum (z. B. für Familienaufstellungen, Yoga, Tai Chi u. a.) und mehrere kleinere Therapieräume für verschiedene alternative Therapierichtungen gehören.
c)    ein Ruhebereich mit mehreren Einzelappartements oder -häusern, in denen ich die Möglichkeit des Rückzuges in die Dunkelheit (Dark-Retreat oder Dunkeltherapie) anbieten möchte – also ein Ort, wo nach tiefer Heilung und spirituell Suchende sich selbst in der Dunkelheit begegnen können.

Für dieses Projekt suche ich Sponsoren, die sich davon angesprochen fühlen und das Projekt finanziell oder auch anderweitig unterstützen möchten.

Herzlichen Dank, Frau John, dass Sie Ihre Erfahrungen und Ihren Lebensweg so offen mit uns teilen. Ich wünsche Ihnen, dass sich auch Ihre künftigen Träume und vor allem Ihr Kombi-Projekt leicht verwirklichen.

Im nächsten Interview erfahren Sie von Monika Löttgen, warum sie sich besseres Lernen für die Heilpraktikerprüfung zur Aufgabe gemacht hat und dafür neue Wege gegangen ist.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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