Christiane Löttgen: Von den Pferden fürs Leben lernen

Löttgen-Chr_Portr_AusschnEs ist immer wieder spannend, welche Geschichten mir im Rahmen meiner Interview-Serie begegnen. Im Fall von Christiane Löttgen scheint die Traumverwirklichung in der Familie zu liegen. Vor ein paar Wochen war ihre Schwester Monika hier bereits vertreten. In einem Nebensatz erwähnte sie, welchen Weg ihre Schwester gegangen ist: von der Ärztin zur Pferdehof-Besitzerin. Ich war gespannt zu erfahren, was sie dazu bewogen hat und wie sie vorgegangen ist. Lassen Sie sich davon inspirieren 🙂

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Mein Traum begann mit der Frage nach dem Sinn meines Lebens, nach meiner Lebensaufgabe, meiner Berufung. Dies und ein schwieriges Pferd haben mich auf die Reise geschickt.

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Mein Traum war und ist, das Leben von Menschen und Pferden zu verbessern. Beide Bereiche gehören für mich zusammen. Die Pferde spiegeln uns Menschen. Dadurch können sie uns helfen, unser eigenes Leben besser zu verstehen. Sie zeigen uns Verhaltensmuster, die uns bremsen. Oft können wir selber nicht sehen, was uns daran hindert, ein zufriedenes Leben zu führen. Pferde führen uns auf die Gefühlsebene und arbeiten hier mit uns. Nur auf dieser Ebene finden Wachstum und Veränderung statt. Pferde spiegeln Verhaltensmuster völlig wertfrei. Die meisten Menschen können das gut annehmen und sich so leichter für Veränderungen öffnen.
Auch auf der reiterlichen Ebene ist es mein Bestreben, das Leben für Pferd und Reiter angenehmer zu machen. Reiten soll Pferd und Reiter Freude bereiten. Für die meisten Menschen ist ihre Pferdezeit Freizeit, doch in vielen Pferd-Mensch-Beziehungen regiert der Stress. Deshalb biete ich Reitunterricht, der Physiotherapie für das Pferd ist und dem Menschen Leichtigkeit und Freude vermittelt.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Das „Vorgeplänkel“ gab es schon lange, in Form einer Sehnsucht nach etwas anderem, nach meiner Berufung, nach Erfüllung. Dieses Bedürfnis ist stetig gewachsen. Als ich meinen Traum klar sehen konnte, ist es recht fix gegangen. Binnen eines Jahres habe ich meinen Beruf aufgegeben, einen kleinen Hof gefunden und mein Unternehmen gegründet.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Das größte Hindernis war ich selbst. Lange wusste ich nur, dass ich auf der Suche nach irgendwas war, sowohl in meiner beruflichen Umgebung als auch in der Pferdewelt.
Ich komme aus der Schulmedizin. Hier hatte ich zunehmend weniger das Gefühl, Menschen wirklich helfen zu können. Auch was ich in meiner Freizeit in der Pferdewelt gesehen habe, war für mich nicht zufriedenstellend.
Durch ein schwieriges Pferd bin ich auf die Bücher von Linda Kohanov über die von ihr begründeten EponaQuest Arbeit gestoßen. In der Umsetzung habe ich nicht nur die Veränderung bei den Pferden, sondern vor allem auch in mir gespürt. Damit begann mein Weg, zuerst nur für mich.
Ich habe mich von Linda Kohanov zum EponaQuest® Instructor ausbilden lassen, bin mittlerweile EponaQuest® Advanced Instructor. Kombiniert mit meinem Medizinerwissen, meinen Aus- und Weiterbildungen in Akupunktur, Manualtherapie, energetischem Heilen und den vielen verschiedenen „Pferdeausbildungen“ habe ich daraus meine sehr individuelle Art entwickelt, mit Pferd und Mensch umzugehen.
Schwierig war für mich, dass Menschen, von denen ich ganz selbstverständlich Unterstützung und Verständnis erwartet hatte, sehr negativ reagiert haben.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was haben Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Das sind ganz viele verschiedene Menschen. Meine Familie, manche Freunde, von denen ich es gar nicht erwartet hätte, eine verständnisvolle Bankerin, meine Ausbilderinnen Carol Roush, Marie Louise Gould sind nur einige.
Auch das Universum hat seinen Teil beigetragen. So haben meine Eltern, die sich schon Sorgen gemacht hatten, beim Radeln ein Ehepaar kennengelernt, das spontan gesagt hat: „Wir kennen so viele Menschen, die in ihrem Job unglücklich und unzufrieden sind und dadurch krank werden. Wenn Ihre Tochter den Mut hat, etwas ganz anderes zu tun, sollten Sie sie unterstützen.“
Ich bin auch immer wieder auf ermutigende Berichte oder auf schöne Erlebnisse gestoßen und hatte Begegnungen, die mich auf meinem Weg bestärkt haben.
Und last but not least waren es bei mir natürlich vor allem die Pferde. Mit ihnen erlebe ich täglich aufs Neue Zufriedenheit, Glück, Ruhe und Gelassenheit, aber auch Kreativität und Energie. Sie bestärken mich und helfen mir auch über so manche Klippe des Alltags hinweg. Sie unterstützen mich darin, auf meinem Weg zu bleiben, mich zu hinterfragen, weiterzuentwickeln und zu wachsen. Und sie lehren mich auch, großzügig mit mir selbst umzugehen und mich mit all meinen guten wie auch nicht so guten Eigenarten anzunehmen.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolges. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Zum einen, dass ich mir sicher sein muss, was ich will und was für mich das Richtige ist. Mit einem klaren JA!!! werde ich unabhängig von der Meinung und Anerkennung anderer und kann meinen Traum leichter umsetzten.
Zum anderen ist es leichter, wenn ich anderen erst dann von meinen Träumen erzähle, wenn ich selber ganz klar bin. Sonst besteht die Gefahr, dass andere mir meine Träume zerreden. Wenn man sich in ungewisse Gefilde begibt, sind die eigenen Ängste und Zweifel schon groß genug, da braucht man nicht auch noch die von anderen.
Und egal, was aus einem Traum wird, eins habe ich in der Sterbebegleitung von Patienten gelernt: Kurz vor ihrem Tod betrauern Menschen nicht ihre „Fehlschläge“, sondern die verpassten Gelegenheiten und die Träume, die sie nicht gelebt haben. Dies hatte ich auf der Suche nach meinem Sinn im Leben immer vor Augen.

Ausblick auf die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Mein Traum ist noch nicht abgeschlossen. Ich möchte ihn weiter umsetzen und leben und dadurch dazu beitragen, das Leben von Pferd und Mensch zu verändern und zu verbessern.
Dennoch stehen zwei Projekte in naher Zukunft an. Das eine steckt noch in den Kinderschuhen, so dass ich noch nicht drüber reden mag. Das andere ist ein Fortbildungsprogramm für meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube, die Medizinerwelt kann ein bisschen Pferdeweisheit gut vertragen.

Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke, die Sie uns ermöglicht haben. Ich wünsche Ihnen, dass sich Ihre Vision weiter entwickelt und Sie dafür große Resonanz erfahren.
Nächste Woche erfahren Sie, wie Dr. Rolf Schumacher den Wandeln von der Führungskraft zum Unternehmer vollzogen hat.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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