Wie Sie dem Fluch der Realitätsprüfung entgehen

Die Realität ist für diejenigen, die ihre Träume nicht aushalten.

Dieser Satz prangt derzeit auf einem Plakat am Münchener Residenztheater. Für viele Menschen ist dies sicher eine Provokation.
Für mich ist es eine starke Aussage, die ich zu einem großen Teil so unterschreibe. Mit einer kleinen Abwandlung, die aus meinen Erfahrungen mit GründerInnen und anderen Veränderungswilligen stammt:

Die Realität ist für diejenigen, die Angst haben vor der Größe ihrer Träume.

Das zumindest erlebe ich bei vielen meiner Teilnehmenden. Sie entdecken ihren Traum und verbinden sich damit – und dann setzt ein, was ich die “Realitätsprüfung” nenne. Diese besteht aus verschiedenen Komponenten, von denen ich Ihnen hier drei vorstellen möchte. Da ist zunächst:

Der Umfeld-Check
Der Traum steht – und nun möchten Sie ihn auch mit anderen teilen. Sie sprechen mit ihrer besten Freundin oder ihrem besten Freund darüber und stellen die Frage aller Fragen: Was meinst du dazu?
Die Chancen stehen gut, dass Sie eine von zwei Reaktionen erleben: Viel Zustimmung oder blanke Ablehnung. Welche Antwort Sie erhalten, hängt stark von den eigenen Erfahrungen dieser Person ab. Wenn Ihr Gegenüber bereits eigene Träume verwirklicht hat, werden Sie vor allem ermutigt und bestärkt. Wenn Sie mit jemandem sprechen, der von Natur aus eher ängstlich und bewahrend ist, kommen meist Bedenken und warnende Worte. Lassen Sie alle Rückmeldungen auf sich wirken und überlegen Sie, was Sie davon annehmen wollen und was Sie als persönliche Aussage dieser Person einordnen, die für Sie nicht zutrifft. Denn vieles, was andere und sagen, entstammen den Erfahrungen und Selbsterkenntnisse dieser Person und haben nichts mit uns zu tun.
Wenn Sie noch niemandem von Ihrer Idee erzählt haben, empfehle ich, damit auch zu warten, bis Sie sich ganz sicher sind. Und dann jemanden zu wählen, bei dem oder der Ihr Traum in guten Händen ist und wertschätzend behandelt wird. Sonst ist dieses empfindliche Pflänzchen schneller zerstört als Ihnen lieb ist.

Der Praxis-Check
Wenn Sie sich sicher sind, fangen Sie an, sich ausführlicher mit Ihrem Traum zu befassen. Sie recherchieren im Internet, was es dazu schon gibt. Je nach dem, was dabei herauskommt, sind Sie anschließend euphorisch oder frustriert. Euphorie kann entstehen, wenn Sie feststellen, dass bislang noch niemand Ihren Traum hatte. Juhuu! Dann bin ich die/der Erste, der sich daran macht! 
Meist folgt gleich der nächste Gedanke: Halt! Vielleicht ist es doch keine gute Idee! Wenn das noch niemand gemacht hat, funktioniert es möglicherweise nicht…
Dann ist es wohl besser, ich lasse es auch! Naja, war ja nur eine Idee…

Doch es kann auch so ablaufen:
Sie entdecken, dass bereits jemand anderes schon verwirklicht hat, was Sie sich vorstellen. Möglicherweise finden Sie auch eine Beschreibung des Weges, den diese Person genommen hat, um ihren Traum zu verwirklichen. So wie in meinen Interviews mit Traumverwirklichern. Das löst entweder Begeisterung darüber aus, dass es für Ihre Idee eine Resonanz gibt, oder Sie sind enttäuscht, dass jemand anderes diese Idee ebenfalls hatte. Achten Sie auf Ihr Gefühl und lassen Sie sich nicht entmutigen. Nur weil jemand anderes eine ähnliche Idee wie Sie hat, heißt es nicht, dass Sie Ihren Traum aufgeben müssen.
Denken Sie nur an die vielen Anbieter von Trainings, Beratungsleistungen oder Coffee Shops. Wer von ihnen erfolgreich ist, hat einen persönlichen Ansatz gefunden, um sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden. Wenn Sie dies mit in den Blick nehmen, erkennen Sie auch, wie Sie Ihren Traum so gestalten, dass er Ihre Handschrift trägt und damit etwas Besonderes wird.
Und schließlich folgt noch:

Der Persönlichkeits-Check
Zu diesem Zeitpunkt überprüfen Sie, ob Sie die Voraussetzungen mitbringen, um Ihren Traum auch zu verwirklichen. Das ist für viele noch einmal eine harte Nuss. Und für mich der Hauptgrund für meine Abwandlung des Eingangszitats: … die Angst vor der Größe Ihrer Träume.
Wenn ich die Teilnehmenden des GründerErfolgsTrainings als Maßstab nehme, sind die wenigsten mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein gesegnet, das ihnen den vollen Wind in die Segel zu Ihren Träumen bläst. Das bedeutet, dass auch viele von Ihnen daran arbeiten dürfen, in Ihren Traum hineinzuwachsen. Mit den folgenden drei Schritten gelingt dies nach und nach:

1.  Beschreiben Sie Ihren Traum.
So konkret wie möglich und in allen Einzelheiten: Was erleben Sie an Ihrem Zielort? Was hören Sie und wie bewegen Sie sich dort? Wie fühlt es sich an, mit den Menschen zu sprechen und Sie für Ihre Sache zu begeistern? Wie sieht die Umgebung aus, in der Ihr Traum stattfindet?
Wählen Sie beschreibende Wörter, die Emotionen enthalten. Ergänzen oder verändern Sie regelmäßig Details, bis alles richtig passend und stimmig für Sie ist. Werden Sie immer konkreter und spezifischer in den Einzelheiten, vor allem in Ihren Handlungen. Wie zeigen Sie Ihre Kompetenz? Wie gehen Sie mit Ihrem Partner um? Wie laufen Gespräche ab? Alle Beispiele, die Sie einfügen, machen das Ergebnis für Ihr Unterbewusstsein noch lebendiger. So erzeugen Sie in sich einen Resonanzraum, ein Energiefeld, das wie ein Magnet dafür dient, Ihren Traum zu verwirklichen.

2.  Erleben Sie sich in Ihrer Zielsituation.
Nicht von außen, wie auf einer Kinoleinwand mit Ihnen als Zuschauer. Begeben Sie sich direkt in das Bild hinein und stellen Sie sich in den Mittelpunkt des Geschehens. Fühlen Sie alles, was sie zuvor aufgeschrieben haben, und erleben Sie jede Einzelheit, die dazu gehört.
Als ich mich letzten Herbst begonnen hatte, mich in meinen Traum vom Wonderland Trail zu versetzen, konnte ich lebhaft spüren, wie es sich anfühlt, auf der Isomatte auf dem Boden zu schlafen und um mich herum die Geräusche der Nacht zu hören. Es war schon fast gespenstisch, wie wirklichkeitsnah diese Bilder waren. Das lässt sich auch auf Ihren Traum anwenden.

3.  Seien Sie die Person, die diesen Traum lebt.
Befassen Sie sich mit Menschen, die bereits leben, was Sie sich wünschen und beobachten Sie diese: Wie verhalten sie sich? Was machen sie konkret? Wie gehen sie mit anderen Menschen um?
Anschließend übertragen Sie diese Verhaltensweisen auf sich und Ihren Alltag. Das ist am Anfang etwas herausfordernd. Dafür müssen Sie Ihre Gedanken in Schach halten, die Ihnen sagen, dass das alles doch nicht stimmt… sie nicht so sind… das nicht können / dürfen / Ihnen nicht zusteht. Wenn es Ihnen gelingt, so zu tun als ob Sie schon dort sind, wo Sie hinwollen, erleben Sie nach und nach die Wirkung, die auf Ihr Umfeld ausstrahlt. Damit wird es immer einfacher, so erfolgreich und zufrieden zu sein, wie Sie es wollen.
Werden Sie zu der Person, die Ihre eigene Wirklichkeit erschafft und nehmen Sie die Größe Ihres Traums an. Dann dient jede Realitätsprüfung dazu, Ihrem Wunschziel wieder einen Schritt näher zu kommen 🙂

 

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 25 Jahren lebenserfahrene Frauen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufs- und Privatleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leserinnen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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