Rolf Schumacher: Kunst statt Beratung

Wieder einmal entstand ein Kontakt auf Umwegen. Als ich der Empfehlung von Bettina Stackelberg folgte, entdeckte ich, dass ich das Ergebnis dieses Traums schon gesehen hatte: kleine Kunstobjekte, die sich für viele Anlässe als Geschenk eignen. Nun lernte ich den Kopf dahinter kennen: Dr. Rolf Schumacher. Er reagierte sehr positiv auf meine Anfrage. So begann ein inspirierender Austauch über seinen Weg vom erfolgreichen Berater zum Unternehmer. Was er auf seiner Reise erlebt und erfahren hat, lesen Sie hier.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Nun, ich muss gestehen, dass es mehrere Fragen waren. So zum Beispiel: „Willst du deinen aktuellen Beruf noch 25 bis 30 Jahre ausüben?“ oder „Ist es dir sehr hohes Einkommen wert, dass du die Familie nur am Wochenende siehst und das Leben vor lauter Hektik an dir vorbeirauscht?“. Gerne auch die Frage: „Lieber 1. Offizier auf einem Dampfer oder Kapitän auf einem Boot?“

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Den Traum, alle meine bisherigen Berufserfahrungen und mein Hobby zu verknüpfen und daraus ein neues Betätigungsfeld zu schaffen. Daraus ist die Firma invocem entstanden. Wir entwickeln und bauen Kunstobjekte in eigener Manufaktur und können diese Objekte aufgrund einer Serienfertigung sehr günstig anbieten. Es handelt sich im weiteren Sinne um Motivationskunst. Die Objekte spiegeln witzige, stolze aber auch nachdenkliche Situationen des Privat- und Arbeitslebens eines jeden Menschen wider. Sie sind kleine Denkmäler, die mit dem Betrachter in Klausur gehen und ermutigen, den symbolisierten Gedanken auch zu realisieren.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Mehrere Jahre. Die ersten Gedanken kamen bereits 2005 auf. Im Winter 2007, während eines Sabbaticals in Patagonien, war die konkrete Idee geboren. Genauer gesagt war es der 24.12.2007. Wenn das mal keine göttliche Fügung ist … Dann brach die Bankenkrise aus, so dass die Firmengründung noch einmal bis Anfang 2010 dauerte.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Ihnen begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Meine größte Herausforderung war, dass ich ein kompletter Neueinsteiger war. Ursprünglich war ich Unternehmensberater, Schwerpunkt Reengineering, Reorganisation und Prozessgestaltung in der Automobilindustrie. Hinsichtlich der konkreten Umsetzung der Idee invocem hatte ich zunächst keinerlei Erfahrungen: Wie entwickelt und baut man Kunstobjekte? Wie funktioniert CAD? Und wie sollen die Objekte aussehen? Wie vertreibt man so etwas? Und und und …
Das war am Anfang einigermaßen schwierig. Es gab Phasen mit großen Zweifeln und Phasen der Euphorie. Ich habe gelernt, eine emotionale Distanz zu invocem aufzubauen. Das hat geholfen, die zu entscheidenden Aspekte durch eine weniger subjektive Brille zu betrachten. Und es hat geholfen, eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren, getreu dem Motto: „Sollte es nicht klappen, ist das auch kein Untergang.“
Und schließlich hat es auch geholfen, bewusst Auszeiten zu nehmen und mir Erholung zu gönnen. Ich denke auch, dass es auch sehr wichtig ist, den finanziellen Aspekt nicht zu unterschätzen. Der Wechsel aus einer sehr gut dotierten Festanstellung in die finanzielle Unsicherheit der Selbstständigkeit kann eine sehr große Herausforderung sein. Es war mir klar, dass es gerade am Anfang größere Einschnitte geben kann.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Zu allererst meine Familie: Tipps und Tricks, handfesten Anpacken und Aufmunterung. Und ich habe durch invocem auch viele Menschen kennengelernt, die ohne Eigeninteressen geholfen haben: Handwerker aus dem Ort, Kunden die uns weiterempfohlen haben usw. Bei mir persönlich waren es sicherlich auch Charaktereigenschaften wie Belastbarkeit und eine gute Portion Risikobereitschaft.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Da gab es zahlreiche Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass Naivität manchmal auch helfen kann: Wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, worauf ich mich einlasse, hätte ich es vermutlich nicht gemacht. Wichtig ist auch, dass es einen unbedingten Willen braucht, einen solchen Schritt zu verwirklichen. Mit halbherziger Vorgehensweise wird das nichts. Das Einschlagen eines völlig neuen Weges, der ja von Natur aus unbekannt ist, macht es erforderlich, diesen Weg wie auch das Ziel immer wieder zu hinterfragen und keine Scheu vor Anpassungen zu haben. So sieht invocem heute deutlich anders aus, als es einmal geplant war.
Unbedingt sollten Rückschläge einkalkuliert werden. Die kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Dann heißt es: Aufstehen und weitermachen. Ich denke da zum Beispiel an unsere Verpackungen. Da haben wir am Anfang viel Zeit und Geld investiert mit dem Ergebnis, dass der Einzelhandel sie abgelehnt hat und wir von vorne anfangen konnten. Aber einen solchen Rückschlag muss man positiv sehen: Heutzutage treffen wir keine relevanten Entscheidungen mehr, ohne im Vorfeld den Einzelhandel intensiv zu befragen.
Und unter dem Strich: Ist alles besser geworden? Ein klares Nein: beruflich einen völlig neuen Weg zu gehen hat nur wenig mit Romantik zu tun. Zeitlicher Flexibilität steht Mehrarbeit entgegen. Unternehmerischer Freiheit die ständige Unruhe, dass das Unternehmen ständig weiterentwickeln werden muss. Der Euphorie über größere Erfolge die Zweifel, ob man auch dauerhaft auf dem richtigen Wege ist. Das ist nicht immer witzig … aber es war die richtige Entscheidung! Dem Unternehmen geht es mittlerweile sehr gut. Und es macht mächtig viel Spaß!

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Nun, dass es so weiter geht und ich invocem dauerhaft aufrecht erhalten kann. Es sieht zwar sehr gut aus, aber sicher kann man halt nicht sein.

Vielen Dank für das Gespräch und die Möglichkeit, einen Einblick in Ihren Werdegang zu erhalten. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für den Ausbau Ihres Unternehmens. Mögen sich viele Menschen von den Botschaften Ihrer Kunstobjekte inspirieren lassen.

Nächste Woche berichtet Eva-Ellen Weiß, warum es sich lohnen kann zu warten, bis die Zeit für den Traum-Job reif ist.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „Rolf Schumacher: Kunst statt Beratung

  1. Amina Chaudri

    Es freut mich, dass ich diesen Blog entdecken durfte. Menschen, die ihre Träume verwirklichen, faszinieren mich seit eh und je. Etwas über ihre Lebenswege zu erfahren, finde ich toll. Ich werde gerne regelmässig hier vorbei schauen.

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Danke für Ihr Feedback, liebe Frau Chaudri. Es gibt jede Woche einen neuen Beitrag. Oder Sie melden sich für die MUT_imPulse an; darin gebe ich jedes Mal einen Überblick über die letzten Beiträge.

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