Bettina Schöbitz: Respekt für den eigenen Weg

Schöbitz_ChiliWie einige zuvor ist auch meine Gesprächspartnerin dieser Woche eine “Internet-Bekanntschaft”. Bettina Schöbitz fiel mir durch ihre Beiträge auf Twitter auf. Letzten Sommer haben wir lange telefoniert. Und seither immer wieder, um uns – als Teil des “virtuellen Großraumbüros” – auszutauschen, Impulse zu geben oder auch mal ein schnelles Feedback zu erhalten. Wie es ihr gelungen ist, respektvoll den eigenen Weg zu gehen, verrät sie hier.

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Eine Frage? Bei mir waren das gleich mehrere: Will ich wirklich aus tiefstem Inneren selbstständig sein – und wenn ja, womit? Was ist wirklich etwas, das mir am Herzen liegt und wofür Menschen auch Geld zu zahlen bereit sind? Wie muss meine Selbstständigkeit geartet sein, damit ich mich damit langfristig wohl fühlen kann?

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
2001 war mein „schwarzes Jahr“: Jobverlust, erfolglose Bewerbungen, Zukunftsangst.
Die einzige Alternative: Selbstständigkeit. Eine Coachin erarbeitete mit mir, dass ich zu Höchstform auflaufe, wenn es heißt: „Das geht nicht!“.
So wurde ich Unternehmensberaterin. Mir war immer klar: Ich trage einen Bauchladen vor mir her, mit einem ganzen Portfolio möglicher Leistungen: Existenzgründerberatung, Konzepte für Altimmobilien, Business-Pläne, Unternehmenspräsentationen und Websites, Texte, Coaching, Beratung und mehr. Dem Ganzen fehlte eine klare Linie oder Zielrichtung – es war somit oft eher (m)ein Alptraum. Für viele Aufträge und Kunden habe ich mich ordentlich „verbogen“.
Irgendwann dann ein ruhiger Moment. Plötzlich spürte ich, dass ich eigentlich gerne selbstständig bin. Ich realisierte, dass mein Tun einen Kick braucht, um vom Klotz zum Traum zu werden. Dieser Impuls kam eines Sonntagmorgens: Ein Artikel über Polizisten zum Thema „Respekt“. Genau das ist mein „Thema“.
Ab da fand sich schnell eines zum anderen und mein Traumunternehmen „Respektspezialistin“ entstand. Es basiert auf vier Säulen, die ich als Trainerin, Rednerin, Coach und Beraterin vertrete. Die Einzelheiten dazu stehen auf meiner Webseite.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?
Das Ganze ist mehrere Jahre gereift. Darunter waren einige persönlich wie wirtschaftlich schwierige Zeiten. Die erste Idee liegt sicher schon sehr lange zurück, hat sich aber erst 2012 so richtig ins Bewusstsein geschmuggelt. Und ab da ließ ich mich nicht mehr aufhalten.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Es gab einigen Widerstand in der erweiterten Familie, weil mit Neuerungen immer auch Veränderungen einhergehen. So versteht meine Mutter bis heute nur ansatzweise, warum ihre Tochter so wenig Zeit für sie hat. Wobei: Für alleinstehende Mütter haben die eigenen Kinder vermutlich eh immer viel zu wenig Zeit 😉
Dazu kam zu Beginn noch eine extrem unklare Positionierung. Diese konnte ich nur mit Hilfe anderer Menschen schärfen, die mit „frischen Augen“ auf das Thema guckten. Irgendwann sieht man nämlich selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und es ist schwer, bei den eigenen Themen in die Schuhe eines (potentiellen) Kunden zu schlüpfen. Da sind eine objektive Meinung oder ein Blick von draußen extrem nützlich.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Zuallererst danke ich Michael Friedrich, meinem „Mann in Lauerstellung“. Er (er)trägt alles mit mir zusammen, stärkt mir den Rücken und erduldet meine Launen, wenn es mal unrund läuft oder stressige Zeiten anstehen. Ohne ihn hätte ich das so nie gewagt.
Eine große Unterstützung war auch mein stark gewachsenes Netzwerk aus Social Media und wirklichem Leben. Hier bekomme ich immer wieder Anregungen, Ideen, Tipps und hilfreiches Wissen. Manchmal geht es auch nur darum, dass jemand zuhört, wenn sich eine(r) von uns über blöde Dienstleister, nervige Kunden oder pappnasige Anfragen auslassen möchte. Ich schätze mein virtuelles Großraumbüro, das auf fast alle Fragen eine Antwort oder einen nützlichen Kontakt hat.
Manche sind schon einen vergleichbaren Weg gegangen. Sie weisen mich mit Herzenswärme und auch schon mal einem festen Tritt auf Stolperschwellen, spitze Steine und vorzeitig aufgelaufene Sohlen hin. Allen voran mein geschätzter Kollege Sascha Theobald, mit dem ich meine Positionierung aktiv vorangetrieben haben und der meine Website passgenau auf mich zuschustert.
Geländer auf steinigem Weg waren und sind auch meine Freunde, die sich wirklich für die Dinge interessieren. Sie liefern als Feedback-Geber wertvolle Beiträge zum Gesamtergebnis und sie ertragen auch mal kontaktarme Phasen.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Disziplin, Selbstvertrauen, Mut zu Neuem, gute Beziehungen und bewusste Phasen der Erholung gehören auf jeden Fall in meine Erfahrungs-Schatzkiste. Dazu die Erkenntnis, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen und sich durch nichts und niemanden beschleunigen lassen. Der Umstand, dass Demut und Verzicht zum Leben gehören.
Die wohl wichtigste Erkenntnis für mich ist: Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere. Oft erkennt man erst Jahre später, warum genau das gut war.
Gelernt habe ich auch, dass man im Leben wirklich immer zum richtigen Zeitpunkt die Menschen trifft, die man gerade für die eigene Weiterentwicklung braucht. Insofern ist auch jeder grimmige Kritiker, dem man auf dem Weg begegnet, auf seine Weise schätzenswert…

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Mein persönlicher Traum ist, endlich ein Buch zu schreiben und das zu realisieren, was meinem Vater nie vergönnt war: Den eigenen Namen auf dem Titel zu lesen.
Das Thema und der Arbeits-Titel stehen bereits, doch es bedarf zunächst einer Menge Recherche – schließlich möchte ich meinen Lesern etwas Wertvolles bieten. Und eine gehörige Portion Ruhe „am Stück“, um daraus ein wirklich lesenswertes Buch zu machen.

Herzlichen Dank, liebe Bettina Schöbitz, für den Einblick in Ihren zeitweise gewundenen Weg. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre nächsten Vorhaben und die neuen Wege, die Sie 2014 beschreiten.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.