Das eigene Leben gestalten oder sich treiben lassen?

Eingefrorenes_Blatt„Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, führt jeder Weg zu Ziel.“

Dies ist ein Spruch, dem viele Menschen unbewusst folgen. Sie marschieren einfach drauf los und wundern sich dann, wenn sie (n)irgendwo ankommen. Statt sich zunächst zu überlegen, wohin sie überhaupt wollen, handeln sie nach dem Motto: Hauptsache aktiv.

Andere folgen Vorstellungen wie: „Eine andere “Instanz” (Gott / Universum / Höhere Macht / Schicksal…) weiß genau, was für mich richtig ist…“ oder „Ich lasse mich führen…“. Ich nenne dies, die Verantwortung für unser Leben abgeben. Denn genau das geschieht in diesen Fällen: wir machen uns keine Gedanken darüber, was wir wirklich wollen, sondern „vertrauen“ ganz darauf, dass es „schon richtig kommt“. Damit leben wir einen Fatalismus, mit dem wir alles als gegeben hinnehmen.

Verantwortung für das eigene (Er-)Leben übernehmen

Einerseits stimme ich dem zu, wenn es darum geht, bestimmte Ereignisse in unserem Leben anzunehmen und nicht mit unserem Schicksal zu hadern. So wie es mir ergangen ist, als im Oktober 2010 ein Bruch in meinem Leben passierte und ich lernte, die Angst zu umarmen und mich neu zu sortieren. Auf der anderen Seite steht jedoch, dass wir auch Verantwortung dafür tragen, wie wir unser Leben gestalten, was wir aus unseren Gaben und Erfahrungen machen, wie wir dem Leben und anderen Menschen dienen.

Deshalb spielen zu Beginn eines Jahres Fragen wie diese eine große Rolle:

  • Wie möchte ich dieses Jahr gestalten?
  • Welche Schwerpunkte setze ich?
  • Welchen Träumen gebe ich Aufmerksamkeit?
  • Welche Qualität wünsche ich mir für dieses Jahr?

Unsere Antworten tragen dazu bei, dass wir dem Leben eine Richtung geben. Es bewusst gestalten und darauf achten, dass das, was uns wichtig ist, uns Energie und Kraft gibt und lebendig sein lässt, auch genügend Raum erhält. Sonst geht es uns wie den Menschen, die am Ende ihres Lebens bedauern, nicht genügend Zeit gehabt zu haben für Freude, Spiel und Spaß. So wie es Doris Tropper in ihrem Buch Hätte ich doch… aus Gesprächen mit Sterbenden beschreibt.

Wissen, wohin ich will

Natürlich ist es phasenweise schön, sich einfach mal treiben zu lassen anstatt ständig unter Druck zu arbeiten. Nicht alles zu kontrollieren und zu planen, sondern immer wieder loszulassen und darauf zu vertrauen, dass sich die Dinge in passender Weise entwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie wissen, wohin Sie wollen. Damit geben Sie ein Signal an das Universum, dass Sie eine Vorstellung davon haben, wohin Ihre Reise gehen kann. Auf dieser Basis können Sie sich vertrauensvoll auf den Weg machen. Immer wieder innehalten und alles genießen, was sich zeigt.

Hier geht es weniger um Quantität oder – wie es meine Kollegin Monika Birkner in einem Blogbeitrag beschreibt – „um zu“-Ziele, sondern um die (Lebens-)Qualität, die Sie sich wünschen. Mit dieser Ausrichtung auf qualitative Aspekte stellen Sie diese in den Mittelpunkt Ihrer Handlungen anstatt sich zu überlegen, mit welchen Schritten Sie an Ihr Ziel gelangen. Wie schon John Lennon wusste, führen diese selten auf dem direkten Weg zum Ergebnis: Das Leben geschieht, während wir andere Pläne machen.

Wie eine nicht repräsentative Umfrage unter Kollegen und bei meinen Teilnehmenden ergab, wünschen sich sehr viele Menschen mehr Leichtigkeit. Dieser Aspekt steht 2014 auch im Mittelpunkt meiner eigenen Forschungen. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich herausfinden, wie gelingen kann, Leichtigkeit auf allen Ebenen zu erleben – und sie auch zu halten. Egal, was im Außen passiert… wie sich unsere Ziele entwickeln… was uns sonst noch beschäftigt… ob es stürmt oder schneit…

Das Leben leichter gestalten: Drei Anregungen

Wenn wir uns etwas wünschen, was bislang nicht vohanden ist, geht dies nicht von jetzt auf gleich. Es ist ein Prozess, eine Jahres- oder vielleicht sogar Lebensaufgabe. Die folgenden Anregungen unterstützen Sie darin, jetzt zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln.

  • Richten Sie sich immer wieder auf Leichtigkeit aus. Jedes Mal, wenn Sie daran denken. Das wird am Anfang eher selten sein, doch mit der Zeit erkennen Sie schneller, wann und wo Sie Leichtigkeit erleben und wo dies noch nicht der Fall ist. Weitere Hinweise finden Sie hier.
  • Stellen Sie regelmäßig die Frage: Wie ginge es leichter? Besonders in Situation, in denen Sie das Gefühl haben, dass es schwer geht, ist diese Frage der beste Schlüssel. Finden Sie in kürzester Zeit mindestens fünf Möglichkeiten, die Ihnen einfallen. Spinnen Sie etwas herum und denken Sie „Unmögliches“ – das erweitert sowohl Ihre Denk- und Assoziationsfähigkeit wie auch Ihre Handlungsmöglichkeiten. Wenden Sie eine dieser Varianten gleich an.
  • Notieren Sie Ihre Erkenntnisse. Damit daraus kein Pflichtprogramm wird, genügt es vollauf, wenn Sie am Abend kurz darüber nachdenken, wie viel Leichtigkeit Sie erlebt haben: Wie ordnen Sie diesen Tag auf einer Skala von 0 bis 10 (= höchster Wert) ein? Damit machen Sie sich die jeweilige Tagesqualität bewusst und können in einem weiteren Schritt darüber nachdenken, was dazu beigetragen hat. Mit der Zeit entwickeln Sie dadurch ein Gefühl für Zusammenhänge.

Wie gehen Sie vor? Welche Strategien nutzen Sie wann? Ich bin gespannt auf Ihre Anregungen und Kommentare.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

11 Gedanken zu „Das eigene Leben gestalten oder sich treiben lassen?

  1. Ulrike Zecher Emotionsberatung

    Liebe Ulrike,
    ja, das kann ich nur unterstreichen, die meisten Menschen verspüren eine große Sehnsucht nach Leichtigkeit und Lebensfreude, gleichzeitig fühlen sich immer mehr vom (eigenen) Leben gestresst.
    Wer das wirklich verändern möchte, muss innerlich bereit sein, dafür auch etwas zu tun. Auf dem Sofa zu sitzen und von einem anderen/besseren Leben zu träumen, reicht nicht.
    Wir Menschen brauchen für Veränderung zweierlei: großes Selbstvertrauen bzw. Vertrauen in das Leben und die tägliche Ausdauer an unseren Träumen zu arbeiten.
    Ja, das darf leicht sein… das darf sogar große Freude bereiten… unser Herz fragt am Ende des Lebens nicht nach Erfolg und Ruhm, sondern ob wir unsere Herzensprojekte gelebt haben.
    Viele Grüße,
    Deine Ulrike

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Namensschwester,
    danke für Deine Ergänzung der beiden Faktoren Vertrauen (in sich selbst und das Leben) und Ausdauer, die für Veränderung erforderlich sind. Dies kann nicht oft genug gesagt werden. Denn viele meinen noch immer, dass es genügt, sich etwas zu wünschen und dann käme es schon. Das ist falsch verstandene Leichtigkeit. Dagegen wende ich mich auch in meinem Buch und gebe stattdessen Impulse, wie es anders geht. Damit der Weg zu einem erfüllten Leben frei wird.
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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  4. Silke Bicker

    Hallo Frau Bergmann,
    wie gehe ich vor:
    Ich lasse mich gerne treiben, wenn ich in etwa oder ganz sicher weiß, in welche Richtung ich mich bewegen will. Allerdings steuere ich manchmal auch das “sich treiben lassen”, da ich mittlerweile weiß, was mich inspiriert.
    Vorher kommt das Fleißig sein, Vor-Konzept entwerfen, einige Zeit pausieren – etwas anderes machen und die Gedanken weiterhin auf das Neue fokussieren. Ideen sammeln, Brainstorming, das Ganze auf Herz und Nieren prüfen. Konzept erstellen.
    Merken: der Flow kommt beim sich treiben lassen und beim Arbeiten. Er kam bisher nie, wie Frau Zecher auch schon sagte, vom Nichtstun und Abwarten.
    Wenn man sich erstmal entschieden hat und das mit vollem Herzen, dann öffnen sich neue Türen. Und es tut gut, sie zu durchschreiten, schauen: was verbirgt sich dahinter? Häufig sind es andere Menschen und Helferlein verschiedenster Art, die das Vorwärtskommen ermöglichen oder vereinfachen oder uns in unserem Tun bestätigen. Das ist ein ganz wichtiger Schritt und der kommt nicht zu “Couchpotatoes”!
    Wer solche Mechanismen kennen gelernt hat, geht mit künftigen leichter um und erwartet sie förmlich. So eine Art Leichtigkeit ist eine wunderbare Erfahrung! Vorher braucht man allerdings wirklich diese, hm Formel? 😉 :
    zündende Idee – Fleiß – Mut, sie anzugehen gepaart mit genügend hoher Eigen-Motivation – Konzept erstellen – sich treiben lassen – durch Türen gehen – Leichtigkeit erleben.
    Viele Grüße
    Silke Bicker

  5. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Silke Bicker,
    herzlichen Dank für die Hinweise auf Ihre Erfahrungen. Am Ende ist es wohl immer eine Mischung aus beiden Teilen: gestalten und sich treiben lassen. Entscheidend ist nur – wie Sie es auch beschreiben -, dass man weiß, wann was ansteht. Daraus entsteht dann Leichtigkeit gepaart mit Engagement im richtigen Moment.
    Ich wünsche Ihnen mutig-leichte Schritte auf Ihrem Weg.
    Herzlichst, Ulrike Bergmann

  6. Andrea Joost

    Ja, Du hast absolut recht, liebe Ulrike! Wir können und dürfen unser Leben selbst gestalten – jeden Tag und jede Minute. Ganz bedeutend war für mich vor ziemlich genau zwei Jahren der Schritt in die Selbstständigkeit. Klar waren da auch Ängste. Aber ich habe diesen Weg keinen Tag bereut. Ist es doch immer wieder spannend und schön zu sehen, wie sich Dinge plötzlich fügen, wenn wir eine klare Entscheidung getroffen haben und unser Herzensding machen. Da wird vieles plötzlich ganz automatisch leichter. Herzliche Grüße, Andrea

  7. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Andrea,
    solche Beispiele sind es, die Mut machen, den eigenen Weg bewusst zu gehen.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinem Herzensding!
    Herzliche Grüße, Ulrike

  8. Susann

    ich bekomme impulse, wenn ich mich treiben lasse.
    ich denke auch nicht, dass wir eine wahl haben. alles was passiert, passiert eben. niemand kann sagen, dass wäre mir heute nicht passiert, wenn ich mich so oder so verhalten hätte. wir haben nur das endresultat. das ist das einzige was zählt. alles andere sind mutmaßungen, die keinerlei bedeutung haben.
    der ständige kampf, in seinem denken etwas verändern zu müssen, ist sinnlos. wenn veränderungen anstehen, dann verändert sich auch was. doch das passiert ohne jegliches zutun!

  9. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Danke, Susann, dass Sie Ihren Standpunkt mit uns teilen.
    Treiben lassen als solches ist wichtig, um zu Erkenntnissen zu gelangen und Veränderungen einzuleiten. Wenn Sie meinen, dass wir keinen Einfluss auf das Leben haben, ist das ebenfalls ein Gedanke, der aus Ihren Erfahrungen entstanden ist. Doch wie entstehen die Impulse, die Sie beim Treibenlassen haben? Woher kommen sie?
    All dies sind Fragen, die mich seit vielen Jahren beschäftigen und aus denen ich meine Erkenntnisse und meinen Standpunkt abgeleitet habe. Dass er sich mit den Erkenntnissen der Physik und neuerdings der Neuro-Wissenschaft deckt, bereichert und erleichtert mein Leben.

  10. Ylander

    Geht es wirklich um Willen und um Ziele, was überall gepredigt wird?
    Oder geht es um Selbsterkenntnis in der Begegnung mit anderen?
    Nach J. Krishnamurti ist die entscheidende Frage für unser Leben:
    Lebe ich, wie ich bin, oder wie ich sein sollte?

  11. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Das sind sehr philosphische Fragen, die Sie stellen.
    Dafür gibt es aus meiner Sicht keine richtigen und damit allgemein gültigen Antworten, sondern nur individuelle Annäherungen. In meinem Beitrag – und auch in meiner Arbeit mit Menschen, die ihren eigenen Weg suchen – gehe ich davon aus, dass wir die Freiheit und damit auch die Verantwortung haben, unser Leben aktiv selbst zu gestalten. Dazu passt durchaus die Frage von Krishnamurti – und auch diese kann jeder nur für sich selber überprüfen und sein Leben danach ausrichten.

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