Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden!

Wegweiser_SchilderKürzlich hatte ich eine Frau im Coaching, die sich einfach nicht entscheiden konnte. Sie fand immer neue Auswahlkriterien, weitere Argumente. Noch einen Grund. Bis sie völlig verwirrt, von den Möglichkeiten überwältigt und geradezu gelähmt war.

Sie ist kein Einzelfall. Dieses Thema begegnet mir immer wieder. Unzählige Menschen hindern sich damit, mutig ihren eigenen Weg zu gehen. Was steckt dahinter? Und wie kommen Sie aus dieser Zwickmühle raus?

Wir können schon, wir wollen bloß nicht 😉

Es ist so einfach zu sagen: Ich kann nicht.
Doch ist es die Wahrheit? Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, müssten wir zugeben, dass wir in diesem Moment keine Entscheidung treffen wollen. Statt sich den Gründen zu stellen, die uns abhalten. Ihnen auf den Grund gehen. Eine Entscheidung erscheint uns zu kompliziert, zu anstrengend, zu weitreichend. Wir müssten zugeben, dass wir Selbstzweifel haben… Ängste uns lähmen… wir keinen (Aus-)Weg sehen… unsicher sind… keine Unterstützung haben… uns der Mut fehlt, groß zu denken…

Finden Sie heraus, was Sie wirklich daran hindert, eine Entscheidung zu treffen. Achten Sie auf Ihre Gefühle und Gedanken. Schreiben Sie auf, was Sie sich selber sagen: Ist nicht so wichtig… Was, wenn ich mich falsch entscheide… Wenn ich damit scheitere, mache ich mich lächerlich…

Wenn Sie Ihre wahren Gründe kennen, können Sie etwas unternehmen, Lösungen finden und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das führt dazu, sich frei und ohne Einschränkung für oder gegen etwas zu entscheiden.

Wir können uns nicht NICHT entscheiden.

Paul Watzlawik hat einmal gesagt: Wir können nicht nicht kommunizieren. Das gilt auch für Entscheidungen: Jedes Mal, wenn wir uns nicht entscheiden, entscheiden wir uns dennoch. So paradox es klingt. Hier einige Beispiele:

  • Wir entscheiden uns für den Status Quo statt für eine Veränderung.
  • Für das Aushalten einer nicht mehr tragbar erscheinenden Situation statt nach anderen Möglichkeiten zu suchen.
  • Den Anforderungen anderer (Partner / Kinder / Arbeitgeber…) nachzugeben statt für uns selber zu sorgen.
  • Für die bestehende Sicherheit statt für ein mögliches Risiko.
  • Für die Bequemlichkeit des Sofas statt das Abenteuer unseres Lebens 😉

Machen Sie sich bewusst, was Ihre persönlichen Alternativen sind:
Was vermeiden Sie mit einer Entscheidung?
Was gewinnen Sie dadurch?

Damit erkennen Sie auch, was dafür spricht, zu bleiben, wo Sie sind. Und können sich bewusst dafür entscheiden. Das bringt Erleichterung und mindert den Druck, etwas tun zu müssen. Entdecken Sie die Freiheit, die darin steckt zu sagen: Hier bin ich derzeit und hier bleibe ich. Bis ich weiß, was ich wirklich will.

Unsere Bedenken sind größer als unsere Träume.

Vielfach steckt hinter der Unfähigkeit, sich zu entscheiden, dass wir nicht wissen, was wir stattdessen wollen. Viele Menschen haben zwar Träume, Wünsche und Vorstellungen. Doch diese sind zu vage, zu diffus oder auch zu groß, als dass uns dazu bewegen könnten, etwas zu verändern. Damit fehlt ein gewichtiger Gegenpol, der eine größere Anziehungskraft hat als die vorhandenen Bedenken.

Geben Sie Ihren Vorstellungen einen Raum, in dem diese sich entfalten und wachsen können. Rumspinnen, ohne sofort darüber nachzudenken, wie realistisch diese Ideen sind… ob sie sich überhaupt verwirklichen lassen… welcher Einsatz dafür erforderlich ist…

Nach und nach entstehen so aus Ihren Träumen konkrete Vorhaben. Deren Anziehungskraft unterstützt Sie darin, auftauchende Bedenken, Zweifel und Ängste zu überwinden. Ihnen kein Gewicht mehr zu geben, sondern kraftvolle Argumente und Beweise entgegenzusetzen. Und sei es nur ein: Ich will es so! Und deshalb entscheide ich mich dafür!

Welche Auswirkungen Ihre Entschiedenheit – der nächste Schritt nach einer Entscheidung – auf Ihre Ergebnisse hat, erfahren Sie hier.

Wie finden Sie zu einer Entscheidung? Wie gehen Sie vor, wenn Sie unsicher sind?
Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen und Anregungen.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

4 Gedanken zu „Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden!

  1. Silke Bicker

    Hallo Frau Bergmann,
    “ich kann nicht” heißt oft “ich will nicht” und Sie haben recht: es tut gut, sich darüber klar zu werden, ob man tatsächlich nicht kann oder etwas irgendwie doch nicht will. Und hinter die eigenen Kulissen blickt.
    Eine Bekannte weigert sich, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Wünscht sich etwas anderes und erfindet immer wieder neue Gründe warum “das” nicht geht. Traut sich nicht alleine zu verreisen, hängt sich an Freunde und Familie dran – auch dann, wenn das Reiseziel sie überhaupt nicht interessiert. Der Haken ist hier: sie will kein Coaching, hört aber gerne wie andere solche “Herausforderungen” angehen. Und nervt damit zunehmend ihr Umfeld. Denn es ändert sich nichts. Es hat also Auswirkungen auf das soziale Umfeld.
    Viele Grüße
    Silke Bicker

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Bicker,
    vielen Dank für das Beispiel.
    Ein anderer Spruch heißt ja: man kann einen Hund nicht zum Jagen tragen. Ebenso wenig kann man einen Menschen zu seinem Glück zwingen. Auch wenn es schwierig ist, tatenlos zuzusehen. Da hift meist nur: Abstand halten und Klartext reden.
    Herzlichen Gruß
    Ulrike Bergmann

  3. Silke

    Aber wieso kann man sich nicht entscheiden??
    Ich habe oft das Problem das ich nicht weiß, entscheide ich mich nun für dies oder nehme ich doch lieber das andere. Warum ist das so???

  4. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Entscheidungsunfähigkeit hat vielfältige Gründe. Diese liegen zum einen in der Person selber und dem, was wir im Elternhaus erlebt haben. Zum anderen prägt uns auch die uns umgebende Kultur. Gerade in Deutschland besteht um das Thema Ziele und Entscheidungen eine gewisse Schwere, die dazu führt, dass sich häufig so anfühlt, als ginge es “um Leben oder Tod”.
    Danach zu fragen, warum das so ist, bringt allerdings auch keine Lösung. Hilfreicher ist die Frage: WIE gelingt es mir– mich zu entscheiden und mich dabei wohlzufühlen?

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