Ist Konkurrenzdenken schlecht?

Schildkröten MainauAngeregt durch den Beitrag Über den Unsinn eines Konkurrenzdenkens von Kerstin Paar fiel mit wieder ein, wie viele Menschen Konkurrenz(denken) als etwas Schlechtes betrachten. Etwas, was unbedingt vermieden werden sollte.
Für mich hat Konkurrenzdenken viele positive Facetten, die häufig außer Acht gelassen werden. In diesem Beitrag habe ich sie zusammengestellt.

Konkurrenzdenken = Mangeldenken

Dieses Mangeldenken ist in vielen Menschen ganz tief verwurzelt. Dahinter stecken Gedanken wie: Der “Kuchen” reicht nicht für alle. Deshalb muss ich zusehen, dass ich genug etwas / genug abbekomme. Diese Prägung entsteht oft bereits in der Kindheit und ist uns in seinen vielfältigen Ausprägungen häufig nicht einmal bewusst.

Wenn ich mich beim Mangeldenken ertappe, erinnere ich mich an eine Bekannte, die mir hier als Vorbild dient. Sie entwickelte ständig neue Geschäftsideen – und erzählte auch gerne davon, was sie als nächstes machen könnte. Das veranlasste ihr Umfeld zur Frage: Hast du keine Angst, dass dir jemand diese Ideen klaut? Ihr Antwort: Warum sollte ich? Wenn dies der Fall wäre, fällt mir garantiert etwas Neues ein! Mir gehen die Ideen niemals aus.
Ein toller Glaubenssatz für alle, die ihr Mangeldenken verändern wollen. Und zudem eine wunderbare selbsterfüllende Prophezeiung 🙂

Konkurrrenz = miteinander unterwegs sein

Betrachten wir das Wort “Konkurrenz” mal sprachwissenschaftlich. Seine Wurzel stammt aus dem Lateinischen. Darin enthalten sind zwei Teile: con = mit und currere = laufen, eilen, rennen.

Aha! Also bedeutet “Konkurrenz”: miteinander auf einem (ähnlichen) Weg laufen. Wir sind also gemeinsam unterwegs: laufend, eilend, rennend. Wie schnell, ist jedem selber überlassen. Die einen brauchen und suchen die Herausforderung und wählen daher Mitläufer, die ihr Bedürfnis nach Tempo befriedigen. Andere lieben es etwas gemütlicher. So wie ich. Daher habe ich vor einem Jahr nach einer Partnerin gesucht, mit der ich in durchaus flottem Tempo, jedoch ohne Anspruch an Leistung am Montagmorgen etwa eine Stunde am See entlang unterwegs sein kann. Als Start in die Woche, bei jedem Wetter und zur Zähmung des bekannten Tierchens, das uns gerne von solchen Aktivitäten abhält. Wie dankbar war ich, als Martina Klein auf meine Anfrage antwortete: gerne, aber kein Joggen oder Walken 🙂

Leider wird “miteinander unterwegs sein” oft als ein Wettkampf verstanden, bei dem es nur einen Sieger geben kann 😉

Den Neidfaktor für den eigenen Erfolg nutzen

Zwischen Konkurrenz und Neid gibt es eine enge Verbindung. Doch muss dies negativ sein? Nur weil es in vielen Kreisen inzwischen politisch unkorrekt ist, negative Gedanken zu hegen. Als könnten wir diese komplett verhindern! In Neid steckt eine große positive Kraft, die wir nutzen können. Dafür müssen wir allerdings zugeben, dass wir uns mit anderen vergleichen, auf ihre Erfolge neidisch sind und erkennen, worauf genau sich unser Neid bezieht.

Wenn Sie dem nachgehen, entdecken Sie die darin enthaltene positive Kraft. Statt in Missgunst – anderen etwas nicht gönnen können – abzugleiten, entwickelt sich aus  erkanntem Neid ein Ansporn, besser zu werden. So betrachtet wird der im Konkurrenzdenken steckende Neidfaktor zu einem wichtigen Element persönlichen Wachstums. Wenn Sie wissen, was andere besser machen als Sie, regt dies dazu an, Ihre eigenen Qualitäten zu erkennen, sie zu nutzen und besser zu werden. Von den Menschen, auf die Sie neidisch sind, können Sie sich einiges abschauen:

  • Wie gehen sie vor?
  • Womit erzielen sie ihre Erfolge?
  • Was machen sie anders als ich?
  • Wie präsentieren sie sich und was davon kann ich für mich nutzen?

Von diesen Menschen lernen Sie auch, sich selber ernst zu nehmen und Ihre eigenen Vorhaben zu verwirklichen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie aus einer neutralen Haltung heraus neugierig erforschen, was passiert. In Ihnen selber ebenso wie in der Art und Weise, wie jemand handelt. Solange sie fremdes und eigenes Verhalten wie auch die Ergebnisse nicht bewerten, öffnen Sie eine schier unerschöpfliche Fundgrube. Sobald Sie in die Bewertung und Verurteilung gehen, verschütten Sie diese Quelle.

Konkurrenz = Triebfeder für gemeinsame Erfolge

Am einfachsten funktioniert die Auseinandersetzung mit Konkurrenz im Austausch miteinander – so wie ich es in den MutmacherGruppen und meiner eigenen Unterstützungsgruppe erlebe. In Gruppen entsteht – entsprechende Offenheit und Vertrauen vorausgesetzt! – aus auftauchenden Ängsten und Begrenzungen ein Ansporn, sich damit zu befassen statt diese Gefühle unter den Teppich zu kehren. In den Treffen ermutigen Sie sich gegenseitig, nicht stehen zu bleiben und zu jammern, sondern miteinander zu wachsen und sich weiter zu entwickeln. Damit wird Konkurrenz, der gemeinsame Weg, zur Triebfeder für persönliche wie auch gemeinsame Erfolge.

Wie gehen Sie mit Konkurrenz um? Wann und wo erleben Sie diese und wie gehen Sie damit um? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 25 Jahren lebenserfahrene Frauen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufs- und Privatleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leserinnen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

3 Gedanken zu „Ist Konkurrenzdenken schlecht?

  1. Pingback: Konkurrenzdenken - kennst du das? › Abenteuer Home-Office

  2. Martin

    Also ich nehme Konkurrenzdenken als etwas wahr, was uns systematisch (über das Geldsystem) beigebracht wurde. Ich bin fest davon überzeugt, daß der Mensch eigentlich gar keine Lust auf diesen inneren und äußeren Kampf hat – er “muß” ihn allerdings annehmen, weil er nichts anderes kennt.
    Wie Konkurenzdenken über das Geldsystem beigebracht wird, habe ich auch einen Blogartikel geschrieben: https://gluecksschmie.de/geldsystem-konkurrenzdenken/

  3. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Hallo Martin,
    das ist eine interessante Sicht auf die Dinge. Allerdings teile ich sie nicht.
    Ich glaube vielmehr, dass Wettbewerb und sich mit anderen messen, für uns Menschen ein natürlicher Trieb ist, aus dem mit der Zeit Konkurrenzdenken entstanden ist. Ob diese Entwicklung etwas mit dem Geldsystem zu tun ode randere Ursachen hat, kann und mag ich nicht beurteilen – und damit (be)werten. In jedem Fall steht dahinter ein Mangel-Denken, dem wir – jeder für sich – entgegen wirken können. Ohne gleich den Anspruch zu haben, das bestehende Geld-System verändern zu wollen 😉

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