Sandra Hylla: Ganz ich selbst sein

Foto:  Steffen Müller

Foto: Steffen Müller

Mich fasziniert, welch interessanten Menschen ich über die sozialen Medien begegne. Sandra Hylla begegnete ich bei Twitter. Als sie vor einigen Monaten ihren Twitternamen in “Freuberufler” änderte, war ich neugierig: auf den Menschen, der dahinter steckt und den Werdegang, der zu diesem Audruck geführt hat. Daraus entstanden Einblicke in einen bunten und ungewöhnlichen Lebenslauf.

 

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?
Will ich die restlichen 45 Jahre meines Lebens so leben?!

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?
Ich steckte bis 2008 zwölf Jahre lang in einer Beamtenstelle fest, die mich unglücklich, energielos und krank machte. Es gab Mobbing, Überlastung und schließlich einen Nervenzusammenbruch. Da traf ich die Entscheidung, dass ich diese Laufbahn aufgebe, um mehr Zeit, wieder mehr Energie und wieder ein Leben zu haben. Damals war meine Alternatividee, Yogalehrerin zu werden.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie wirklich Ihren Traum verwirklicht hatten?
Bis zur nächsten Yogalehrerausbildung hätte es noch fast ein Jahr gedauert, aber da ich auch immer schon davon geträumt hatte, mit Musikern zu arbeiten, ergriff ich diese Chance. Ich machte ein längeres Praktikum in einer Künstleragentur samt Musikclub. Daraus ergab sich, dass ich mich mit einer eigenen Konzertagentur selbständig machte.
Fünf Jahre lang war ich Agentin für A Cappella-Musik. Dabei merkte ich auch, dass mir das Schreiben über die Selbständigkeit als Unternehmerin und Menschen zu inspirieren, ihr Leben wie ich in die eigene Hand zu nehmen, noch mehr am Herzen liegt. Vor 3 Jahren eröffnete ich also mein zweites Standbein, das E-Learning-Unternehmen ganzichselbst.
Ende letzten Jahres beschloss ich, die Agentur aufzugeben und mich ganz meiner wirklichen Berufung, dem Schreiben und Coachen zum gesunden und zufriedenen Leben und Arbeiten zu widmen. Von meinem Ausbruch aus dem Hamsterrad bis zu meinem aktuell gelebten Autorinnentraum heute waren es knapp sechs Jahre. Aber die Umwege haben mich eine Menge gelehrt, ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute stehe.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?
Erstaunlicherweise hatte ich sehr wenige Hindernisse zu bewältigen. Von Anfang an unterstützten mich alle meine Freunde und meine Schwester. Sie freuten sich mit mir, als sie sahen, wie ich anfing, aufzublühen. Die einzigen, die skeptisch blieben, weil ich die „sichere“ Beamtenlaufbahn aufgegeben hatte, waren meine Eltern.
Musikgruppen und Agentenkollegen waren sehr aufgeschlossen und rissen sich fast um die Zusammenarbeit mit mir. Jede Gruppe ist froh, wenn sie das leidige, langwierige Konzertbooking abgeben kann. An Klienten mangelte es mir also nie. Allerdings merkte ich irgendwann, dass mich die Aussicht auf Kaltakquise unglücklich machte und ich diese Aufgaben immer verschleppte. So beschloss ich letztendlich, den Traum von der Agentur an den Nagel zu hängen. Es war eine Erleichterung, auch wenn sie nicht ganz ohne Herzschmerz abging.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was hat Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?
Zu allererst hat mir natürlich meine Schwester sehr geholfen. Von ihr kam die erste Anregung, Yogalehrerin zu werden – eine echte Alternative zu meinem damaligen beruflichen Leidensweg. Sie hat mich auch bei der Wohnungssuche und vor allem mental sehr unterstützt.
Dann meine erste Chefin in der Konzertagentur. Von ihr lernte ich, wie man eine Agentur führt, dass es machbar ist, sich selbständig zu machen, und vor allem, wie man sich ein Netzwerk aus Kunden und Kollegen aufbaut. Von ihrem Netzwerk, das ich während meiner Arbeit bei ihr kennenlernen konnte, profitiere ich heute noch.
Auf dem Weg in meine eigene unternehmerische Online-Selbständigkeit, als Frau, auch als spirituelles Individuum, hat mich eine Bloggerin besonders inspiriert – und tut es heute noch: Leonie Dawson aus Australien. Ihre wunderschön gestalteten Materialien und ihr erfrischendes Wesen, mit dem sie auch in einem mittlerweile fast 1 Million Dollar schweren Unternehmen ganz sie selbst – Hippie, Künstlerin, Mutter, Frau – geblieben ist, all das ermutigt mich immer wieder, es ihr nachzutun.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?
Wenn du mit einer Situation unzufrieden bist, gibt es immer Wege, das zu ändern. Sobald du den Schritt wagst, werden sich neue Türen für dich öffnen. Das klingt wie eine Plattitüde, aber ich habe es so erlebt.

Ausblick in die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?
Mein größter Traum ist es, mein Unternehmen hier im Heimbüro und das freie Leben, das mir ganzichselbst ermöglicht, so weiterzuführen und damit mehr und mehr Menschen zu inspirieren, ihr Leben ebenfalls selbst zu lenken.
Und schließlich habe ich noch den festen Vorsatz, ab jetzt wieder mehr mit meinem Partner zu reisen. Unser nächstes Ziel ist Prag im Mai, und im nächsten Winter geht es nach Myanmar.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „Sandra Hylla: Ganz ich selbst sein

  1. Anna Amedick

    Liebe Frau Bergmann,
    welch eine Inspiration!
    Wie schön, dass Sie uns an Ihren Begegnungen mit den interessanten Menschen teilhaben lassen und diese hier im BLOG vorstellen. Für mich so ermutigend, mich weiter auf meinem Weg der Veränderungen zu vertiefen, und mich dabei noch mehr auf die sozialen Medien einzulassen. Momentan erhalte ich die reichhaltigsten Inspirationen über diesen Weg.
    Frau Bergmann, Sie werden Ihrem Slogan der Mutmacherin wirklich gerecht; meinen Glückwunsch und ein schönes Wochenende.
    Anna Amedick

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Amedick,
    es sind Rückmeldungen wie Ihre, die mich immer wieder dazu anspornen, weitere Gesprächspartnerinnen mit spannendee, berührenden oder ermutigenden Geschichten zu entdecken. Gerade habe ich mit einem Bekannten gesprochen, den ich für einen Beitrag gewinnen möchte 😉
    Ich wünsche Ihnen noch viel Inspiration auf Ihrem Weg.
    Sonnige Grüße vom Starnberger See
    Ulrike Bergmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.