Besteht Ihr Vorhaben den ZIELE-Test?

ZIELEMein Beitrag „Warum ich SMARTe Ziele für Blödsinn halte“ hat vielfältige Resonanz erhalten. Der Tenor ging in Richtung, dass es gut sei und Mut mache, Dinge so anzugehen, wie wir es für richtig empfinden. Das genau war auch mein Anliegen, als ich vor gut zehn Jahren damit begann, nach einem anderen Weg zu fahnden, um persönlich-berufliche Ziele zu überprüfen. Die gewohnte Vorgehensweise hatte für mich und viele meiner Teilnehmerinnen zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Bis dahin hatte ich schon gut zehn Jahre Erfahrungen damit gesammelt, wie es NICHT geht. Darin zumindest kannte ich mich schon mal aus 😉

Die Grundüberlegung war:
Was macht ein Ziel aus, das wir gerne erreichen wollen und das uns vielleicht sogar magisch anzieht? Dabei kam ich auf Kriterien und weitere Fragen, die sich über das Wort ZIELE erschließen. Der schöne Nebeneffekt: ZIELE für Ziele lässt sich leicht merken.

Wofür stehen sie denn nun, diese fünf Buchstaben?

Z wie Zukunft

Dies ist der wichtigste Punkt, wenn wir uns mit Zielen – oder wie ich sie lieber nenne: Vorhaben – beschäftigen: Welche Zukunft stelle ich mir selber vor? Und bringt mich mein Vorhaben in die gewünschte Richtung?

Viele Menschen blicken zunächst in die Vergangenheit, um von dort den Blick in die Zukunft zu werfen. Das kann, muss jedoch nicht funktionieren. Zumindest beschränkt es die eigene Sichtweise auf ein „wenn – dann“: Wenn ich mir in der Vergangenheit jenes gewünscht habe, dann gilt dies auch (noch) für die Zukunft.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit von der Gegenwart zu den Aspekten, die Ihnen für die Zukunft wichtig sind. Diese ändern sich nämlich mit dem Lebensalter. Denken Sie dabei auch an André Gide: Nur wer den Mut hat, alte Küsten zu verlassen, entdeckt neue Erdteile. Diese Suche unterliegt keiner Altersbeschränkung.

Daraus ergeben sich zwei Fragen für die Überprüfung Ihres Vorhabens:

  • Bringt mich mein Ziel meiner gewünschten Zukunft näher?
  • Erreiche ich damit die Lebensqualität, die ich mir wünsche und vorstelle?

I wie Individualität

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, wie häufig Menschen fremde Ziele verfolgen. Häufig die unerledigten Wünsche der Eltern. Ohne dies zu merken, zumindest zunächst nicht. Gerade bei unseren persönlichen Zielen kann es passieren, dass wir einem Traum nachlaufen, der nicht der eigene ist. Andererseits werden eigene Wünsche und Vorstellungen beim ersten Gegenwind aus dem unmittelbaren Umfeld aufgegeben oder in die Ecke gestellt.

Überprüfen Sie Ihr Vorhaben, ob es sich tatsächlich um Ihre Wünsche handelt, ehe Sie sich auf den Weg machen.

  • Bringe ich mit meinem Ziel meine Individualität zum Ausdruck?
  • Passt mein Vorhaben zu mir und meiner Persönlichkeit?

E wie Eigen-artig (nein, dies ist kein Schreibfehler!)

Wie im zweiten Teil des Begriffs erkennbar, steht an dieser Stelle Ihre eigene Art und Weise im Vordergrund. Allerdings anders als beim Punkt davor – der Individualität – liegt der Fokus hier auf dem darin enthaltenen „Aneck-Potential“.

Sehr viele von uns sind mit der Aufforderung groß geworden, doch bitte immer schön artig zu sein. Also lieb, brav und nett. Bloß nicht auffallen war die Devise. Das hat uns davon angehalten, den eigenen Wünschen zu folgen, egal, was andere darüber dachten. Ab einem gewissen Alter geht es jedoch darum, etwas Eigenes zu verwirklichen statt der Herde hinterher zu laufen. Wobei ich nicht fordere, um jeden Preis anders zu sein. Sondern einfach die eigenen Vorstellungen ernst zu nehmen und das Potential der eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Dazu dienen diese Fragen:

  • Hat mein Ziel das Potential, bei anderen anzuecken oder auf Ablehnung zu stoßen? Wenn ja, wie gehe ich damit um?
  • Ist mein Vorhaben zumindest ein klein wenig verrückt, ungewöhnlich oder unmöglich, dafür jedoch „typisch ich“?

L wie Lustvoll

Das Maß an Energie, das Sie beim Gedanken an Ihr Ziel verspüren, ist ein guter Gradmesser dafür, wie erfolgreich Sie damit sein werden. Wählen Sie etwas wählen, das mit einem positiven Lebensgefühl verbunden ist und Vorfreude in Ihnen auslöst. Wenn Sie damit an Ihren inneren Reichtum anknüpfen, setzen Sie viele Kräfte frei. Das führt unter anderem dazu, dass Sie während der Umsetzung auch in schwierigen Phasen am Ball bleiben. Klären Sie den Lustfaktor Ihres Vorhabens mit diesen Fragen:

  • Ist mein Ziel mit dem Lebensgefühl verbunden, das ich mir am meisten wünsche?
  • Ruft es in mir Begeisterung und Freude hervor?

E wie Emotionen

Gefühle weisen uns den Weg – auch für die Zielerreichung. Was Sie fühlen können, können Sie auch erreichen. Andernfalls bleiben Sie in Ihrem „Kopfkino“ hängen, weil Ihrem Vorhaben die emotionale Basis fehlt.

Vielleicht erkennen Sie an dieser Stelle, dass Sie Respekt vor der geplanten Aufgabe haben. Sie Ihnen zu groß und zu mächtig erscheint. Das signalisiert Ihnen: Dieses Vorhaben bedeutet mir etwas! Es ist kein „mehr von…“ – dem, was Sie schon kennen. Wenn uns etwas besonders wichtig ist, geht häufig ein gewisses Muffensausen miteinher. Das ist normal und zeigt, welchen emotionalen Stellenwert dieses Vorhaben für Sie hat. Die Prüffragen an dieser Stelle:

  • Kann ich fühlen, wie es sein wird, mein Ziel zu erreichen? Fühle ich mich dort „richtig“?
  • Bietet mir mein Ziel einen Raum für persönliches Wachstum und einen Sinn?

Unabhängig davon, wie Sie persönlich zu SMART stehen, bietet Ihnen ZIELE mehr Ansatzpunkte, mit denen Sie Ihr Vorhaben überprüfen.
Sie erkennen damit die tiefere Bedeutung Ihres aktuellen Vorhabens für Ihre Zukunft. Es ist kein Automatismus, den Sie abspulen, sondern eine Auseinandersetzung mit dem, was Sie ausmacht und für Ihr Leben wichtig ist.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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