Fasten einmal anders: drei Anregungen

Jahr für Jahr nutzen Millionen Menschen in Deutschland die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern dafür, zu fasten oder auf etwas zu verzichten. Zum Beispiel auf bestimmte Nahrungsmittel wie Zucker, Fleisch oder Schokolade oder auf Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten.

Wie ist das bei Dir?
Was verbindest Du mit Fasten?
Welche Bedeutung hat die Fastenzeit für Dich?

Mit diesem Beitrag möchte ich Dich anregen, einen anderen Blick auf die sieben Wochen bis Ostern zu richten. Er bietet Dir Impulse, die Fastenzeit ein wenig anders zu nutzen, als Du es vielleicht gewohnt bist. Oder Lust zu bekommen, diese Zeit des Übergangs vom Winter auf den Frühling in besonderer Weise zu nutzen.

Schauen wir zunächst hinter den Begriff „Fasten“.

Laut Wikipedia bedeutet Fasten, über einen bestimmten Zeitraum hinweg – einen oder mehrere Tage – völlig oder teilweise auf Speisen, Getränke und Genussmittel zu verzichten. Das Wort selber stammt aus dem althochdeutschen fastēn und bedeutet ursprünglich „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten“, also sich an etwas zu halten. Eine ähnliche Bedeutung und die gleiche Sprachwurzel hat das gotische Wort fastan „(fest)halten, beobachten, bewachen“. In beiden Fällen ging es darum, bestimmte Gebote (der Kirche) einzuhalten. Diese Bedeutung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Heute ist Enthaltsamkeit nicht mehr so gefragt und daher werden in der Regel nur bestimmte Arten der Nahrung – wie Fleisch oder ein Genussmittel – weggelassen oder eingeschränkt. Auch wenn hierfür vielfach der Begriff „Fasten“ verwendet wird, handelt es sich eher um eine Form der Enthaltsamkeit oder Abstinenz.

Es gibt auch noch eine andere, sehr populäre Form, die Fastenzeit für Dich zu nutzen:

Fastenaktion Sieben Wochen Ohne…”

Unter diesem Titel findet seit 1983 jährlich unter einem anderen Motto die Fastenaktion der evangelischen Kirche statt. Dieses Jahr steht sie unter der Überschrift „Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“ – es ist eine Einladung zu entdecken, was unser Herz weit macht. Jede dieser sieben Wochen trägt ein eigenes Motto, zu dem es wöchentliche Impulse per E-Mail gibt. Ein schönes Thema und zudem noch sehr aktuell.

Den Blickwinkel aufs Fasten ändern

In allen Fällen dreht es sich darum, etwas (sein) zu lassen – ganz nach dem Gedanken „Weniger ist mehr“. Das hat seine Berechtigung in einer Welt, in der noch immer der Anspruch gilt: höher – weiter – schneller. Mit den üblichen Fastenaktionen setzt Du hierzu einen Kontrapunkt. Du achtest für einige Wochen darauf, Dich diesem Sog zu entziehen und setzt ihm für sieben Wochen etwas entgegen: den Verzicht, die Enthaltsamkeit und auch eine Form der Askese. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie gut das tut.

Dennoch möchte ich Dich ermutigen, den Blick ein wenig zu verändern:

Wie wäre es, etwas bewusst zu tun statt nur etwas zu lassen?

Du könntest diese sieben Wochen dafür nutzen, Deine Aufmerksamkeit auf ein Vorhaben oder ein Thema zu richten, das Dir wichtig ist. Und dabei eine andere Haltung einzunehmen und aus der Fülle heraus zu agieren statt aus einem Gefühl des Mangels. Dafür findest Du hier drei Beispiele.

Beispiel Nummer 1:  Endlich handeln!

Kennst Du das antreibende Gedankenkarussell “Eigentlich sollte ich…“? Gerätst auch regelmäßig in Situationen, in denen Du versuchst, Dich mit diesen Worten dazu anzutreiben, etwas zu tun. Obwohl sich alles in Dir sperrt. Es wäre noch ein kleiner Schritt und doch vergeht viel Zeit mit kreisenden Gedanken, mit Hinterfragen und Selbstzweifeln. Um am Ende doch nicht weiter zu kommen sondern Dich in Schuldgefühlen zu verlieren.

Dies sind destruktive Gewohnheiten und sie lassen sich ändern!

Zum einen dadurch, dass Du Dir alle Gedanken aufschreibst und die damit verbundenen Gefühle wahrnimmst. Auf diese Weise machst Du sie für Dich sichtbar, erkennst die darin steckenden Muster und kannst diese bewusst ändern.

Alleine ist es meist schwierig, sich selbst zu disziplinieren – schließlich hat es bislang auch nicht funktioniert! Daher ist es hilfreich, Dir hierfür eine Begleitung zu suchen. Diese bietet der 21-Tage-Onlinekurs „Endlich handeln!“, der am 15. Februar 2016 startet. Mit den täglichen, kurzen und leicht umsetzbaren Impulsen überprüfst und veränderst Du Deine Vorgehensweise und gelangst Schritt für Schritt ins TUN.

Dafür investierst Du lediglich 21 Euro sowie 2 × 21 Minuten täglich: einmal für die Beschäftigung mit den Impulsbriefen, einmal für einen Mini-Schritt in die gewünschte Richtung. Weitere Informationen & Anmeldung: https://www.die-mutmacherin.de/endlich-handeln

Beispiel Nummer 2:  Auf Leichtigkeit achten!

An manchen Tagen nehme ich mir zu viel vor und wundere mich dann, dass ich zu keinem oder nur einem unbefriedigenden Ergebnis komme. Im vergangenen Jahr habe ich darüber nachgedacht, wie ich dies ändern und mir die Sache leichter machen kann. Leichtigkeit ist für mich ein ganz wichtiger Faktor für mein Handeln, was auch im Titel meines letzten Buches „Mit Leichtigkeit zum Ziel“ zum Ausdruck kommt.

Doch ehe die Leichtigkeit tatsächlich zum Zuge kommt, entsteht häufig ein innerer Dialog zwischen zwei widerstreitenden Anteilen: dem Macher und der Bedächtigen. Den Macher erkennst Du daran, dass er die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen will und ihm der Weg dorthin egal ist. Die Bedächtige hingegen möchte zunächst einmal alle Aspekte betrachten, das Ergebnis festlegen und einen Plan machen. Bis die beiden sich einig sind, dass kann eine Weile dauern 😉

Doch es gibt auch hier eine Lösung!

Die beschriebene Auseinandersetzung zwischen den beiden inneren Kontrahenten lässt sich vermeiden, wenn Du vor Beginn einer größeren Aufgabe drei Fragen beantwortest:

  • Worauf konzentriere ich mich?
  • Was will ich erreichen?
  • Was ist der Einsatz für das gewünschte Ergebnis?

Damit klärst Du Deine Motivation für eine Aufgabe und gelangst zumindest in eine Haltung der Neutralität. Mir gelingt es damit mitunter, Spaß an der Aufgabe zu finden und mich auf das Ergebnis zu freuen. Auf jeden Fall führt es dazu, dass Du einzelne Schritte aus einer Haltung der Leichtigkeit heraus unternimmst. Wie dies genau aussieht und ein konkretes Beispiel dazu findest Du in meinem Beitrag „Wie Sie ungeliebte Aufgaben leichter erledigen“, den ich auf business-netz.com veröffentlicht habe.

Beispiel Nummer 3:  Informationen loslassen!

Dies klingt erst einmal wie ein weiteres Beispiel für „Fasten“ im Sinne von Verzicht. Das kann auch anders sein, wenn Du mit einer anderen Haltung heraus an das Thema gehst und was Du dadurch erreichen willst. Das zeige ich Dir an einem persönlichen Beispiel.

Von meinem Naturell her bin ich ein neugieriger Mensch und interessiere mich für viele Themen. So wurde ich zu einer Informationssammlerin. Ich nehme viel auf und verteile es auch gerne. Für meine Coachees ebenso wie Teilnehmende meiner CoachingGruppen ist dies sehr lohnend. Sie erhalten immer wieder hilfreiche Impulse für ihre nächsten Schritte.

Auf der anderen Seite habe ich gespürt, in welchem Maße mich diese vielen Informationen auch belasten. Überall sammeln sich Zeitschriften, Lesematerial und Ausdrucke von Artikeln, Anleitungen und Tipps, die ich mir zu einem späteren Zeitpunkt ansehen möchte. Manches davon nehme ich mit auf die Zugfahrt, anderes bleibt einfach liegen. So bilden sich zahlreiche Häufchen, die ich irgendwann nehme und wegpacke – nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn 😉
Doch weg sind sie damit nicht, nur verlagert… Bis mich der Rappel packt und ein ganzer Stoß ungesichtet im Altpapiercontainer landet.

In den letzten Monaten tauchte immer wieder die Frage auf: Warum sammle ich so viele Informationen? Als ich meinen Beweggründen für diese “Informations-Leidenschaft” nachgegangen bin, wurde mir bewusst, wie stark diese von einem Mangel-Denken geprägt ist. Ich befürchte auch nach 20 Jahren erfolgreicher Selbständigkeit, dass “es” nicht genug ist. Im Sinne von: etwas nicht zu wissen, zu können oder zu finden. Das war ein sehr großes Aha! Diese Art des Denkens kenne ich von vielen meiner Kundinnen. Und nun auch bei mir?! Sehr spannend!

Das war nun Auslöser für mein diesjähriges Fasten-Vorhaben.
In den nächsten Wochen will ich auszuprobieren, was – in mir und im Außen – passiert, wenn ich diese gesammelten Informationen loslasse. Ein Anstoß dazu kam vor einigen Wochen als Kommentar von der Berliner Astrologin Silvia Grotsch, die ich sehr schätze. In ihrer Antwort auf einen Facebook-Posts schrieb sie über ihr eigenes Vorgehen: Ich bitte meine Ideen, wieder aufzutauchen, wenn ich sie brauche. Erst war ich überrascht und dann folgte schnell der Gedanke: Warum eigentlich nicht?!

Darauf zu vertrauen, dass zum passenden Moment ALLES vorhanden ist, was ich brauche oder ich diese Informationen schnell und einfach finde. Denn seien wir doch ehrlich: in solchen Momenten finde ich dies auch in meinen gesammelten Informationen nur mit einigem Suchen 😉

Jedenfalls hat mich der Gedanke hat mich nicht losgelassen. Ich möchte mich von der Sammlerin zur “Vertrauerin” wandeln? In den vergangenen Wochen habe ich in einem anderen Bereich schon ein wenig damit experimentiert. Das hat sehr gut geklappt. Jetzt sind die Informationen dran. Mit ihnen starte ich in die Fastenzeit.

Ich habe mich zu diesen Schritten entschieden – und bei solchen Vorhaben ist immer gut, sie öffentlich zu machen:

  1. Ich sammle keine neuen Informationen mehr – zumindest keine, die ich nicht unmittelbar für ein Projekt oder eine anstehende Aufgabe benötige.
  2. Ich trenne mich zudem in den kommenden Wochen nach und nach von meinen Papierstößen und werfe Ballast ab.

Ein wenig mulmig ist mir schon dabei und so ganz einfach wird diese Aufgabe auch nicht sein. Dennoch stelle ich mich der Herausforderung. Über die Ergebnisse werde ich zu gegebener Zeit hier berichten.

Was nimmst Du Dir für dieses Jahr vor?
Was wäre ein spannendes, überraschendes und vor allem positives Ergebnis?
Ich bin sehr gespannt auf Deine Gedanken und Erfahrungen.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

9 Gedanken zu „Fasten einmal anders: drei Anregungen

  1. Gaby Feile

    Hallo liebe Ulrike,

    vielen Dank für diese sehr anregenden Anregungen zur Fastenzeit. Mir gefällt dein Vorhaben, keine neuen Informationen zu sammeln sehr. Ich kenne das auch zu gut, dass man immer denkt: das kann ich noch mal brauchen. Ein Vorteil des Internets ist ja, dass es nichts vergisst (kann natürlich in anderem Zusammenhang auch nachteilig sein). Aber Informationen gehen nicht wirklich verloren. Und wenn doch, ist es eine schöne Gelegenheit, andere zu fragen, ob sie einem aushelfen können mit einer bestimmten Info. So, also ob man beim Nachbarn nach zwei Eiern fragt…. Das kann man gut zur Kontaktpflege nutzen.

    Darauf zu vertrauen, dass die Information kommt, wenn wir sie brauchen finde ich sehr schön. Das werde ich mir auch zu Herzen nehmen.

    Dir wünsche ich viel Erfolg während der Fastenzeit und keine “Entzugserscheinungen”.

    Deine Kommplizin Gaby Feile

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Gaby Feile,
    das war ein langer Lernprozess, bis ich jetzt an diesen Punkt gekommen bin. So freue ich mich besonders, dass ich Dir damit zur Inspiration diene. Etwas zu wissen ist das eine, es auch tatsächlich zu nutzen, noch mal eine ganz andere Sache 😉
    Eine gewinnbringende Fastenzeit!
    Ulrike

  3. Petra

    Liebe Ulrike, super. Schön, dass Du mitmachst. Willkommen bei meiner Blogaktion!
    Interessante Dinge, die Du da vorhast: keine Informationen mehr sammeln, die unnötig sind und Dich von Papierstößen verabschieden. Sehr gut! 😉
    Auf eine fröhliche Fastenzeit.
    Petra

  4. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Petra,
    es hat ja ein bisschen gedauert, bis mein Vorhaben klar war.
    Doch inzwischen bin ich sehr gespannt, was daraus entsteht – und ein wenig Herausforderung darf auch dabei sein 🙂
    Ich freue mich, bei Deiner Aktion dabei zu sein.
    Ulrike

  5. Katrin Linzbach

    Liebe Ulrike,

    vielen Dank für diesen schönen Artikel. Als ich gelesen habe: “wie wäre es, etwas bewusst zu tun”, habe ich gleich die Kraft gespürt, die das hat. Dieses Jahr verzichte ich auf Süßigkeiten, weil ich während meiner Stillzeit viel zu Viele gegessen habe. Das werde ich jetzt mit dem Punkt “Auf Leichtigkeit achten” kombinieren :).
    Im Dezember habe ich 30 Tage ohne Smartphone gelebt und hatte dort einen Kanal weniger, über den am Tag unglaublich viele Informationen auf mich einprasseln. Seitdem nutze ich es bewusster und bin sehr dankbar, nicht ständig irgendwelche Notizen, Fotos u.ä. sortieren zu müssen, die ich vielleicht irgendwann noch einmal gebrauchen kann. Ich wünsche dir eine schöne FastenZeit.

    Liebe Grüße, Katrin

  6. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Katrin,
    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Über Dein 30-Tage-Experiment mit dem Smartphone hatte ich schon gelesen und fand es inspirierend. Wobei ich selber zwar Smartphone-Besitzerin bin, es jedoch nur nutze, wenn ich unterwegs bin. Dafür habe ich eine andere Baustelle…
    Ich wünsche Dir eine bewusste und leichte Fastenzeit.
    Liebe Grüße, Ulrike

  7. Birgit Kirchner-Gerwien

    Liebe Ulrike,
    welch ein überzeugender Artikel! Ich fühle mich im tiefsten Inneren gesehen… und erleichtert, dass es anderen auch noch so geht.
    Darauf zu vertrauen, dass zum passenden Moment ALLES vorhanden ist, was ich brauche oder ich diese Informationen schnell und einfach finde…..
    Dieser Satz wird mich nun in den nächsten Monaten als Affirmation begleiten … und nicht nur in Bezug auf Informationen.
    Ich habe in 2015 schon viel Ballast abgeworfen und bin weitreichende Schritte der Veränderung angegangen. Am 18.2. starte ich nun für ein Jahr nach KUBA – in eine andere Identität eintauchen, mit viel Weniger zurecht kommen (an Materiellem) aber viel mehr an Menschlichkeit…. ich bin gespannt und überzeugt davon, dass mich diese Erfahrung nochmals ganz anders prägen wird.
    Vielen Dank an die “Mutmacherin” und hasta pronto!
    Birgit

  8. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Birgit,
    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich freue mich, dass Du in meinem Beitrag eine für Dich passende Affirmation gefunden hast und diese Dich durch die nächsten Monate begleiten wird. Dein Vorhaben klingt nach “Abenteuer Leben” und erinnert mich an meine Zeit in Seattle, die sehr prägend war. So wünsche ich Dir Glück, Erfüllung und Wohlergehen in diesem vor Dir liegende Jahr in Kuba – und wo erforderlich immer wieder Mut für den nächsten Schritt.
    Viva la vida y hasta pronto! (Sehr viel ist von meinem Spanisch nicht mehr übrig…)
    Ulrike

  9. Pingback: 17.2. Ulrike Bergmann: Informationen-Loslass-Fasten › Lebenstempo-Blog

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