20 Jahre Mut machen: ein Interview

Ulrike Bergmann mit blaugrüner JackeSie sind seit 20 Jahren selbständig – was war der Auslöser für diesen Weg?
Vor dem Schritt in die Selbständigkeit war ich nach meinem Jura-Studium 14 Jahre in einem internationalen Unternehmen tätig. Während ich die ersten Jahre meine Kommunikationsfähigkeiten und mein Interesse an Menschen nutzen konnte, blieb nach einem internen Wechsel meine eigene Kreativität zunehmend auf der Strecke. Als mir das Leben die „rote Karte“ zeigte, spürte ich immer stärker, dass es so nicht weiter gehen kann. Doch es dauerte noch drei weitere Jahre, bis ich mein Angestellten-Dasein beendete und den Sprung ins Ungewisse wagte. Ich nahm eine längere Auszeit, die mich in den äußersten Nordwesten der USA, nach Seattle führte. Dort lernte ich viele neue Ansätze kennen, die seither in meine Arbeit als Coach, Beraterin und Autorin eingeflossen sind und die ich ständig weiter entwickle.
Heute arbeite ich vor allem mit lebenserfahrenen Menschen, die „mehr“ vom Leben wollen. Sei es, indem sie – wie ich selber – noch einmal etwas Neues anfangen oder in und mit der Selbständigkeit eine persönliche und berufliche Entwicklung anstreben. Wenn sie bereit sind, auch neue, ungewöhnliche Ansätze auszuprobieren und einen eigenen Weg zu gehen, sind sie bei mir gut aufgehoben.

„Mit Leichtigkeit zum Ziel“ ist der Titel Ihres letzten Buches. Beschreiben Sie kurz, was Ihr Anliegen mit dem Buch ist.
Zeit meines Lebens suchte ich nach Möglichkeiten, mir das Leben leichter zu machen. Ich wollte mich schon von klein auf einfach nicht übermäßig anstrengen 😉
Seit etwa 30 Jahren befasse ich mich mit Vorgehensweisen, mit denen sich Träume verwirklichen und Ziele leichter erreichen lassen. Aus den gesammelten Erfahrungen und Erkenntnissen, was wirkt und was nicht, sind 2010 die Mut-Werkzeuge entstanden die ich im Buch „MutmacherPrinzip“ nenne. Diese Werkzeuge kann jeder Mensch anwenden und damit den persönlichen Weg erkennen und ihn mutig gehen. Wie dieser entsteht, das ist im Buch mit zahlreichen Beispielen und Aufgaben beschrieben. Trotz des kleinen Formats ist es mit seinen 128 Seiten ein Arbeits- und Begleitbuch für Menschen, die Schritt für Schritt ihrem Leben eine neue Richtung geben wollen.

Warum ist gerade Leichtigkeit der entscheidende Schlüssel für Sie?
Das hängt wohl mit meiner Herkunft aus einem evangelischen Pfarrhaus zusammen. Schon früh stand ich dem protestantischen Arbeitsethos des „Nur wer hart arbeitet, bekommt auch den entsprechenden Lohn“ skeptisch gegenüber. Zwar habe ich selber viele Jahre danach gelebt, doch irgendwann waren die Folgen unübersehbar. Als mir die bereits erwähnten gesundheitlichen Probleme Grenzen setzten, habe ich begonnen, die dahinter stehenden Überzeugungen zu hinterfragen. In meiner Auszeit in den USA bin ich auf die Neugeist-Bewegung (New Thought Movement) gestoßen, die mich sofort angesprochen und überzeugt hat. Der Aspekt der Leichtigkeit spielt dort ebenfalls eine Rolle.

Noch ein paar Gedanken zu Leichtigkeit…
Leichtigkeit bedeutet ja nicht, dass „ois easy“ (alles ganz einfach) ist oder ich eine Formel biete, eine „Aspirin-Lösung“, wie es eine Teilnehmerin mal nannte. Vielmehr entsteht Leichtigkeit, wenn wir mit dem verbunden sind, was wir wirklich wollen und es in uns verankert haben. Ein leichter Weg zum Ziel entsteht, wenn wir die emotionale Anhaftung an das Ergebnis – nur so und nicht anders will ich es! – loslassen und uns „dem Leben“ anvertrauen. Wenn wir dazu noch die Impulse unseres inneren Ratgebers (Intuition) einbeziehen, erkennen wir den für uns besten Weg, auf dem wir im passenden Tempo zum richtigen Zeitpunkt ans Ziel gelangen.

Sie haben Mut-Werkzeuge entwickelt – wie wenden Sie diese in Ihrer selbständigen Tätigkeit an?
Sie sind für mich integraler Bestandteil meines Lebens und meiner Arbeit. Ich nutze die einzelnen Elemente, wenn ich meinen Tag oder neue Projekte plane. So habe ich zum Beispiel ein Morgenritual entwickelt. In dem verbinde ich mich mit meinem jeweils wichtigsten Vorhaben und bitte meinen inneren Ratgeber, mich darin zu unterstützen. Auf seine Impulse vertraue ich und setze sie anschließend um. Das macht mein Leben einfach leichter 🙂

Was ist Ihr Anliegen in Ihrer Arbeit als Mutmacherin und was unterstützt Sie darin?
Mein wichtigstes Anliegen ist, Menschen zu ermutigen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie sie mit Leichtigkeit, Klarheit und Vertrauen ihren eigenen Weg für deren Verwirklichung finden. Ich erlebe bei vielen Menschen, dass sie zwar davon sprechen, „dass sich etwas ändern muss“. Doch nur wenige tun etwas dafür. Sie werten ihre Träume, Wünsche und Ideen immer wieder ab. Das ist ein Schutzmechanismus, wenn sie nicht wissen, wie sich diese Vorstellungen verwirklichen lassen. Vielen fehlt auch eine Unterstützung und Bestärkung in ihrem Umfeld. Daran will ich etwas ändern und biete mit meinen Angeboten Begleitung, Bestärkung und Ermutigung.
Was mich in meiner Arbeit unterstützt, ist zum einen meine Überzeugung, dass jeder Mensch etwas hat, was ihm oder ihr wichtig ist und nur sie verwirklichen können. Zum anderen helfen mir meine langjährigen, vielfältigen Erfahrungen und ein großer und gut gefüllter Werkzeugkoffer. Es fällt mir sehr leicht, Zukunftsvorstellungen und Szenarien für Menschen zu entwickeln, die aufzeigen, wie aus ihren Vorstellungen Wirklichkeit werden kann.

Unterstützung ist ein wichtiger Faktor für Menschen, um ihre Ziele zu erreichen. Warum ist die passende Begleitung so wichtig? Was kann diese Hilfestellung bewirken?
Wir wachsen meistens in einem Umfeld auf, das uns nicht sonderlich ermutigt, eigene Wege zu beschreiten oder „anders“ zu sein. Daher ist es wichtig, dass wir Menschen finden, die ähnlich ticken wie wir und ebenfalls etwas in ihrem Leben verändern oder Träume verwirklichen wollen.
Wenn die richtigen Menschen zusammenkommen, gehen alle gemeinsam “…zuversichtlich in die Richtung ihrer Vorstellungen und es entstehen Erfolge, die in gewöhnlichen Stunden unvorstellbar sind“ (Henry David Thoreau). Hierfür biete ich thematische Coachinggruppen an, wie die MutmacherGruppen oder das GründerErfolgsTraining, in denen in geschützter Atmosphäre Großes entstehen kann.

Mut hat viel mit Grenzen überwinden und erweitern zu tun. Was war für Sie der mutigste Schritt in Ihrem Leben?
Es gab nicht nur einen mutigen Schritt, sondern immer wieder neue. Ein frühes Erlebnis war meine erste Solo-Reise, die mich 1988 im angehenden Winter (Mai / Juni) nach Argentinien geführt hat. Eine Freundin meinte dazu: Wenn du etwas machst, muss es extrem sein! Ich empfand es überhaupt nicht so. Schließlich hatte ich für den “Notfall” genügend Sicherheitsfaktoren eingebaut.
Auch mein Ausscheiden 1992 aus einer gesicherten Position als Leitende Angestellte bei einem renommierten Unternehmen wurde von vielen Kollegen als geradezu wagemutig betrachtet. Doch auch hier hatte ich finanzielle Vorsorge getroffen. Ich wusste, dass es an der Zeit war, neue Wege zu gehen und so bin ich erst mal für drei Monate in die USA gereist. Daraus wurden schließlich – mit Unterbrechungen – 2,5 Jahre. Eher ungeplant entstand dort die Grundlage für meine heutige Arbeit.
Auch in der Selbständigkeit gab es immer wieder Situationen, in denen ich meine Grenzen ausgetestet, erweitert und Neues ausprobiert habe. Nicht alles ist gelungen und es gab auch schwierige Zeiten. Doch dies hat mich nie davon abgehalten, Dinge zu verändern, wenn ich das Gefühl hatte, dass es Zeit dafür war. Dann bin ich diesen Impulsen gefolgt, selbst wenn ich noch nicht wusste, wohin es mich führt und was daraus entsteht. Mir halfen mein Gottvertrauen und die Überzeugung, dass es das Leben gut mit mir meint und ich immer alles haben werde, was ich zum jeweiligen Zeitpunkt brauche. 🙂

Die Fragen stellte Birgit Bramlage, Buch-Büro. Herzlichen Dank dafür!

In einem längeren Podcast-Gespräch mit Gunnar Schuster gebe ich weitere Einblicke in meinen Weg zur Unternehmerin. Hier einige der vielen Punkte, über die wir sprachen:

  • Wie es zur Positionierung „Die Mutmacherin“ gekommen ist
  • Zwei konkrete Tipps, mit denen Du schnell herausfindest, wo Deine Leidenschaft liegt
  • Warum man sich Leute suchen sollte, die einen unterstützen, wo du diese findest und wie du schnell erkennst, ob diese Personen dir im Leben weiterhelfen

 

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „20 Jahre Mut machen: ein Interview

  1. Monika Birkner

    Liebe Frau Bergmann,

    herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahre Mutmacherin und an dieser Stelle Danke schön für die vielen Impulse, die in all den Jahren von Ihnen gekommen sind.

    Wie Sie in dem Interview auch sagen: Es gibt so viele Menschen, die wissen, dass sie etwas verändern sollten oder möchten – und es dennoch nicht tun.

    Ihre eigene Arbeit, die Beispiele anderer in den Interviews, das Vorleben durch den eigenen Weg und die Rahmenbedingungen, die Sie schaffen, zum Beispiel durch Ihre Gruppen – ich sehe das wie Samenkörner. Ein Teil davon kommt schnell zur Blüte und zur Frucht. Andere brauchen vielleicht noch eine Weile zum Keimen.

    In 20 Jahren haben Sie viele, viele, viele Samenkörner weitergegeben, wenn ich bei diesem Bild bleibe (es schließt auch sehr große Samenkörner mit ein).

    In der heutigen Welt scheint mir Ihre Arbeit wichtiger denn je. Ich freue mich auf das, was noch kommt.

    Herzliche Grüße
    Monika Birkner

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Birkner,
    herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche und Ihre wertschätzenden Zeilen zu meinem Jubiläum. Auch Sie gehören zu meinen Begleiterinnen in diesen Jahren und ich bin sehr dankbar für die Impulse, die Sie mir an wichtigen Stellen gegeben haben.
    Selber bin ich ebenfalls gespannt, was noch kommt. Das klingt möglicherweise etwas seltsam, doch gerade in diesem Jahr gewinne ich immer stärker den Eindruck, dass etwas Neues, noch nicht Greifbares auf mich wartet. In den letzten Wochen gab und gibt es dafür viele Anzeichen und einige Hinweise, denen ich derzeit folge. So reise ich in einer Woche in die Ukraine – für die meisten Menschen nicht gerade ein Traumland. Für mich auch nicht – und doch zieht mich etwas dorthin. Ich bin sehr gespannt, was sich dort auftut und welche Kreise sich damit auch schließen 😉
    Ich bin immer wieder erstaunt, faszininert und auch berührt, welche Wege in Neu-Land sich auftun, wenn ich alle Konzepte aufgebe, Altes loslasse und einfach meinen Impulsen vertraue. Inzwischen bin ich immer bereiter, darauf zu vertrauen, dass sich alles zu rechten Zeit zeigt. Auch dafür habe ich die Samen in den letzten Jahren gesät …
    Herzliche Grüße
    Ulrike Bergmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.