Warum ich Menschen seit 20 Jahren ermutige

Meine-WarumIn Interviews zu meinem neuen Buch wurde ich öfter gefragt, was mich dazu bewegt, Menschen zu ermutigen. Welche Motivation dahinter steht und warum es mir wichtig ist. Dazu kam nun die Einladung von Markus Cerenak, über das Warum der eigenen Tätigkeit nachzudenken. Auch wenn ich mir schon Gedanken dazu gemacht hatte, bin ich meinem WARUM erst jetzt in der Tiefe nachgegangen.

Dabei habe ich zwei persönliche Antriebsfedern gefunden und zwei Dinge, die sich daraus ergeben:

  • Seit 20 Jahren “verfolgt” mich der Satz: ich ermutige Menschen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen. Er ist zu meinem persönlichen Mantra geworden.
  • Das geht jedoch nur, wenn man dafür seinen eigenen Weg findet und ihn dann auch mutig geht.
  • Um diese beiden Punkte in die Welt zu tragen, schreibe ich seit zehn Jahren monatlich einen Newsletter und auch schon sechs Jahre Blogbeiträge im Mutmacher-Magazin. Die Themen gehen mir einfach nicht aus 😉
  • Während andere in meinem Alter an ihren Ruhestand denken, lerne ich weiterhin mit Begeisterung hinzu und erfinde mich zum Teil regelmäßig neu. Ob das jemals aufhört?

Die zentrale Frage dahinter: Was sind meine Beweggründe, mein WARUM? Was spornt mich immer wieder dazu an, aktiv zu werden und mich zu engagieren – für meine eigene Entwicklung wie für die Träume und Wünsche der Menschen, die zu mir kommen.

Warum tue ich, was ich tue?

Mein erstes klares Warum erlebte ich vor vielen Jahren. Zum ersten Mal betrat ich durch das ehrwürdig wirkende und in gewisser Weise Respekt einflößende Eingangsportal das Hauptgebäude meines ersten und einzigen Arbeitgebers. Ich war zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Bereits in der Eingangshalle verspürte ich, was mit jedem weiteren Schritt immer deutlicher wurde: hier ist mein Platz! Hier gehöre ich hin. Dazu kam bald die Erkenntnis, dass Umwege wie das ungeliebte Jurastudium dazu führen können, doch am richtigen Ziel anzukommen.

Dieses Warum ging durch den Aufstieg auf der Karriereleiter im Laufe der Jahre verloren. Da ich kein neues Warum fand, bin ich dort konsequenterweise ausgestiegen. Das gehört zu meinem Naturell: Ich bewege mich, wenn mich der Stillstand zu ersticken droht und sich Wohlfühlen in Qual verändert. Manchmal brauche ich dafür allerdings sehr deutliche (körperliche) Signale…

Vier Gründe für mein Tun oder: viermal Darum!

Beim Forschen habe ich vier zentrale Beweggründe entdeckt.

1.  Weil ich Freude daran habe, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben.

Ich war schon immer wissbegierig. Meiner Mutter habe ich sehr früh viele Fragen gestellt, die sie häufig nicht beantworten konnte (oder wollte). In den ersten Schulzeiten war ich der Schrecken meiner Grundschullehrerin, die in einem großen Klassenraum vier Schulklassen zu bändigen hatte. Sie war mit meiner schnellen Auffassungsgabe und dem großen Interesse an neuen Dingen überfordert, was sie mich des öfteren körperlich spüren ließ.

Wie schon angedeutet, war mein Jura-Studium nicht von Leidenschaftlichkeit geprägt. Es enthielt kein Warum. Mir war nichts Besseres eingefallen. Statt mich ausgiebig den Gesetzestexten und Kommentaren zu widmen, lenkte ich mich mit spannenderen Themen ab. Dennoch schaffte ich es, das Studium einigermaßen gut zu beenden. Das öffnete mir die Türe zu meinem ersten Warum und einer 14-jährigen Tätigkeit in einem internationalen Unternehmen.

In diesen Jahren hatte ich schon früh Gelegenheit, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Wann immer ich an persönliche Grenzen stieß oder private Interessen erweitern wollte, besuchte ich ein Seminar. Und fand danach ein williges „Opfer“. Wer Interesse zeigte, war nicht mehr vor mir sicher 😉 Es waren vor allem Frauen, die weiter kommen wollten und sich gerne von mir “füttern” ließen.

Auf einem Kreativurlaub sagte eine Teilnehmerin zu mir: „An dir ist eine Lehrerin verloren gegangen!“ Das fand ich alles andere als schmeichelhaft. Rückblickend betrachte ich es als ein Kompliment und einen frühen Hinweis auf eine Fähigkeit, die ich damals nicht sehen wollte. Heute freue ich mich, dass ich für viele Menschen zu einer geschätzten Begleiterin auf dem Lebensweg geworden bin. Ihnen biete ich meine Schatzkiste, gefüllt mit Lebens- und Berufserfahrung und vielen praktischen Werkzeugen. 

2.  Weil mich (Lebens-)Geschichten begeistern.

Schon früh konnte ich in Geschichten – ob real oder erfunden – geradezu versinken. Für mich gibt es da keine Grenze zwischen Realität und Fantasie. Bis heute tauche ich ab in gut erzählte Geschichten. Während ich lese, lebe ich in gewisser Weise mit diesen Menschen. Während meiner ersten Berufsjahre erfuhr ich viele Geschichten über bunte Lebenswege von den von mir betreuten Besuchern aus Nordamerika. Damals wurde meine Neugier auf diesen Kontinent, die bereits im Studium bei einem Studentenaustausch begonnen hatte, weiter gefüttert.

Das ist so geblieben. Wundert es noch jemanden, dass ich seit vielen Jahren Geschichten sammle und veröffentliche? Darin geht es um Menschen, die ihrem eigenen Weg gefolgt sind und wie sie es geschafft haben. Immer wieder höre ich, dass diese Texte dazu ermutigen, über die eigenen Vorstellungen nachzudenken. Schließlich brauchen wir alle Vorbilder, wenn wir etwas Neues anfangen oder unerträglich scheindende Situationen verändern wollen. Seit Ostern 2013 stehen am MutmachMittwoch Traumverwirklicher im Mittelpunkt. Inzwischen sind 45 Interviews zusammengekommen, die hier zu finden sind. Die Vielfalt der Wege fasziniert und begeistert mich, denn jeder Mensch hat eine Geschichte, die anderen als Vorbild dienen kann.

3.  Weil es oft nur ein kleiner Schritt ist, der etwas in Bewegung bringt.

Als ich im Mai 1988 zu meiner ersten Single-Reise nach Argentinien aufbrach, sagte eine Freundin: Wenn du etwas machst, muss es extrem sein. Ich war verblüfft über diese Aussage, denn für mich war dieser Schritt alles andere als extrem. Sicher, es war meine erste Reise ganz alleine. Und ja, sie führte mich auf einen anderen Kontinent und in ein fremdes Land. Und das auch noch zur „falschen“ Jahreszeit – dem beginnenden Winter auf der südlichen Halbkugel.

Für mich war das ein konsequenter Schritt. Dorthin wollte ich und niemand wollte mitkommen. Ich hatte mich bestens darauf vorbereitet: Spanisch gelernt und dafür sogar Einzelunterricht genommen… In Buenos Aires lebte ein alter Freund, bei dem ich die erste Zeit und auch zwischendrin wohnte… Zu ihm konnte ich jederzeit zurückkehren, falls mich das Alleinreisen überforderte oder zu sehr anstrengte… Also setzte ich mein Vorhaben um. Ich buchte den Flug nach Buenos Aires sowie ein Rundreise-Ticket für Argentinien. Alles Weitere entschied ich vor Ort. Das Ergebnis war eine großartige Erfahrung, die mir vieles vermittelt und gezeigt hat. Und mich auch an meine Grenzen brachte. Allerdings überwiegen bis heute die positiven Erinnerungen.

Auch bei meinen Teilnehmenden in Coachinggruppen, Einzelberatungen und Seminaren erlebe ich immer wieder: Es ist der erste Schritt, der so schwierig ist. Alles Weitere ergibt sich daraus. Dieses Wissen und dieser Erfahrung gebe ich weiter und helfe Menschen, ihre vor allem emotionalen Hürden zu überwinden und sich auf den Weg zu machen.

4.  Weil ich Teil einer “Bewegung” bin und weiter sein möchte.

Seit über 20 Jahren beschäftigt mich die Frage: Wie gelingt ein sinnerfülltes Leben? Nach meinem Ausscheiden aus der Unternehmenswelt verbrachte ich die folgenden 2,5 Jahre überwiegend in den USA. Immer auf der Suche: nach meinem persönlichen Weg… nach dem, was mich ausmacht… wie ich meine Talente und Erfahrungen zum Nutzen anderer Menschen einsetzen kann…

Als ich nach Deutschland zurückkehrte, gab es nur wenige Menschen, die zu diesen Fragen Hilfestellung und Begleitung boten. Einer von ihnen war Bernhard Langwald. Er wurde zu meinem Mentor und Lehrer. In seinen Seminaren „Beruf, Berufung, Lebenserfüllung“ war ich erst Assistentin und später Co-Trainerin. Er hat mir gezeigt, wie ich mein Lebensziel erfüllen kann: Menschen ermutigen, ihren Wünschen und Träumen zu folgen und dafür ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das war ganz am Anfang noch etwas Exotisches. Also verpackte ich es in meinen Unternehmensnamen „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“, aus dem 2009 “Die Mutmacherin” wurde.

Inzwischen ist die Suche nach einem erfüllten Leben geradezu eine Bewegung geworden. Das lässt sich an neuen Zeitschriften wie VIVA oder MyWay erkennen, in denen Menschen im Mittelpunkt stehen, die ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben haben. Auch in der Bloggerwelt widmen sich immer mehr Kollegen diesem Thema. Wie Markus Cerenak, der Ideengeber für diesen Beitrag. Ich freue mich, dass es heute viele von uns gibt: Menschen, die ihr Warum leben und eine Veränderung wollen.

Was ist Ihr Warum? Wofür treten Sie ein und was wollen Sie mit Ihrem Leben bewirken?
Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren lebenserfahrene Menschen, ihre persönliche Vision von einem erfüllten Leben zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt darin, den eigenen Weg mit Leichtigkeit und Klarheit zu gehen.

8 Gedanken zu „Warum ich Menschen seit 20 Jahren ermutige

  1. ina machold

    Liebe Ulrike,
    weißt du, was ich spannend finde: dass ich bei gleichbleibendem Warum immer in Bewegung und bereit für Veränderung bin. Und mit dem mich-bewegen wird mir mein Warum immer wieder aus neuem Blickwinkel bewusst. Das ist ein tolles Gefühl!
    Schau mal, was inzwischen aus meiner “Vielfalt” geworden ist 😉
    http://konflikte-entfalten.de/weil-vielfalt-leben-schenkt-warum-ich-tue-was-ich-tue/
    Danke an dich fürs Mutmachen!
    Herzliche Grüße und immer erfolgreichglückliches In-Bewegung-bringen
    ina

  2. Ulrike Bergmann Artikelautor

    Liebe Ina,
    schön Deine Gedanken zu Deinem Warum zu lesen und dadurch zu erfahren, was aus den Facetten Deiner “Vielfalt” geworden ist, mit denen Du schon im GründerErfolgsTraining gespielt hast.
    Bleib weiter erfolgreich in Bewegung!
    Herzlichst, Ulrike

  3. Myriam

    Congratulations, dear Ulrike, for continuing to inspire people to reach their full potential and goals in life! Myriam Strauss

  4. therese lorbert

    Liebe Frau Bergmann,
    ich beschäftige mich seit Jahren mit Logotherapie – sinnzentrierter Psychotherapie nach Viktor Frankl … und finde einige Ihrer Warums wieder ::))) …die im Grunde WOZUs sind ::)) Wir Menschen sind sinnzentrierte Lebenwesen und wenn wir nicht den Sinn im Leben leben, dann verhungern wir…
    Herzliche Grüße !
    Therese

  5. Ulrike Bergmann Artikelautor

    Liebe Frau Lorbert,
    die Sinnsuche – ob nach Frankl oder auf anderen Wegen – ist seit sooo vielen Jahren Teil meines Lebens. Daher wundere ich mich immer wieder, wie viele Menschen sich KEINE Gedanken dazu machen. Doch diejenigen, die sich damit befassen, erleben dadurch Bestärkung in ihrem Tun und eben: SINN. Danke für Ihre Gedanken dazu.
    Herzlichst, Ulrike Bergmann

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