Wie Träume fliegen lernen

Schmetterling_01Kürzlich im Coaching. Die Klientin kam zum dritten Mal zu mir, doch diesmal schien sie ein wenig betrübt. In den Sitzungen zuvor hatte sie große Ideen entwickelt und ihre Vision formuliert. Voller Schwung und mit konkreten nächsten Schritten war sie nach Hause gegangen. Jetzt kam sie mit vielen Zweifeln, die sie niederdrückten: Ich weiß nicht, wie es gehen kann! Meine Vision wirkt plötzlich so schwer. Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist…

Das erlebe ich öfter.
Aus Leichtigkeit und Freude, die ein Klient oder Klientin aus ihrer Vision und ihren persönlichen Vorstellungen von einer beschwingten, erfüllten oder sogar großartigen Zukunft geschöpft haben, ist Druck geworden. Und eine Schwere entstanden, die sich in vielen Fragen zeigt: Wie soll das gehen? Woher sollen Kunden dafür kommen? Das ist doch nur ein Luxusthema, das kein Mensch braucht!

Wenn Sie an dieser Stelle nicht achtgeben, gelangen Sie in eine Spirale, die Ihren Wünschen und Träumen die Luft entzieht und diese wie einen Ballon zusammenschrumpfen lässt.

Wie gelingt es Ihnen, Ihre Vision zum Fliegen zu bringen?

Mit diesen vier Schritten kann es Ihnen gelingen:

Schritt 1: Beleben Sie die Liebe zu Ihrer Vision immer wieder neu

Kennen Sie Menschen, die der Inbegriff der Lebensfreude sind?

Diese sprühen und stecken andere mit ihrer Begeisterung für alles, was das Leben zu bieten hat, an. Sie haben und halten die innere Verbindung zu ihren Wünschen und Träumen. Bei diesen Menschen spüren wir die Kraft und Energie, die aus der Vorstellung von einer lebenswerten, selbstgestaltete und vor allem erfüllten Zukunft entsteht.

Diese Liebe zum Leben und seinen Möglichkeiten ist hier gemeint. Beleben Sie diese Verbindung immer wieder auf Neue, damit aus Ihren Wunschvorstellungen gelebte Wirklichkeit entsteht. Diese Verbindung mit dem, was Sie sich wünschen, gibt Ihnen die Kraft, auch Zeiten zu überstehen, in denen die Dinge nicht nach Plan laufen.

Wie können Sie diese Liebe zu Ihrer Vision immer wieder entfachen?

Bleiben Sie in Verbindung mit dem, was Ihnen wichtig ist. Holen Sie sich diese Vorstellung immer wieder in Erinnerung und beleben Sie diese weiter. Malen Sie sich aus, wie es sein wird, in dieser Zukunft zu leben. Anregungen dazu finden Sie hier und hier.

Schritt 2: Geben Sie sich hin an das, was Sie sich wünschen

Der erste Schritt gelingt am besten in der Verbindung mit diesem zweiten: Geben Sie sich Ihren Vorstellungen hin und nehmen Sie Ihre Träume und Wünsche an. Betrachten Sie diese als einen wichtigen Teil von sich selbst und stellen Sie diese ins Zentrum Ihres Handelns. Mit dieser Hingabe an Ihre Ideen und das, was Sie wollen, entsteht ein Resonanzfeld.

Wie es der Teilnehmer einer Coachinggruppe erlebte.
Als er von seiner Geschäftsidee sprach und erzählte, was ihm daran wichtig war, entstand ein Moment der Stille. Dieser folgte eine Aufregung, dass jemand solch eine Idee tatsächlich umsetzen wollte. Als hätten die anderen nur darauf gewartet, sprudelten sie los und gaben ihm Hinweise, Empfehlungen und versprachen Unterstützung. Für ihn war dies eine völlig neue Erfahrung. Die Reaktionen aus seinem Umfeld waren bislang immer sehr verhalten gewesen, so dass er schon an seiner Idee zu zweifeln begann. Endlich hatte er sein passendes Resonanzfeld gefunden – und kann damit seinen Traum zum Fliegen bringen.

Träume tauchen aus einem guten Grund auf: weil sie Ihr Leben bereichern, ihm Substanz und auch eine Form von Bedeutung geben wollen. Was auch immer an Wünschen und Vorstellungen auftaucht, es gehört zu Ihnen. Ignorieren Sie diese nicht, sondern behandeln Sie Ihre Wünsche mit Achtsamkeit, Wertschätzung und Hingabe.

Was bedeutet der an dieser Stelle eher ungewöhnliche, altmodische Begriff “Hingabe”?
In ihm stecken zwei sich ergänzende Elemente (Quelle: https://www.wortbedeutung.info/Hingabe/):

  1. starke Leidenschaft für etwas; starke innere Berührung durch etwas
  2. ausgeprägte Bereitschaft, sich für etwas bis zur Selbstaufopferung einzusetzen

Diese beiden Teile – Leidenschaft und Einsatz – sind erforderlich, damit aus Ihren Träumen gelebte Wirklichkeit wird. Wobei die in der zweiten Bedeutung erwähnte Selbstaufopferung bei Träumen hinderlich sein kann. Sich immer wieder dafür einsetzen und den eigenen Vorstellungen einen Raum für Wachstum und Entwicklung geben, auf jeden Fall. Wichtig ist allerdings auch, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und zu überprüfen, ob die eigenen Vorstellungen noch stimmen. Visionen zeichnen sich dadurch aus, dass sie noch Spielräume enthalten und unklare Stellen, die poliert und angepasst werden wollen. Damit Sie am Ende dort landen, wo Sie wirklich hinwollten.

Schritt 3: Gottvertrauen entwickeln

Noch so ein altmodisches Wort.
Eines, das für mich eine große Bedeutung hat. Nicht nur, weil ich als Pfarrerstochter gewissermaßen unter besonderem göttlichem Segen aufgewachsen bin (ein Scherz!). Sondern vielmehr, weil ich mit diesem Gottvertrauen – oder Urvertrauen in ein wohlwollendes Universum – manchen Schritt in meinem Leben gewagt habe und dadurch zu dem Menschen wurde, die ich heute bin.

In Sachen Träume bedeutet Gottvertrauen für mich, in mir die Gewissheit zu finden, dass es einen Weg dorthin gibt. Auch wenn er noch nicht sichtbar ist oder ich ihn noch nicht (er)kenne. Wie oft zweifeln wir daran, dass solch ein Weg überhaupt vorhanden ist und befürchten, dass wir geradewegs im Dschungel unserer Fantasien landen.

Gottvertrauen heißt: auf Gott vertrauen.
Was auch immer Sie unter “Gott” verstehen. Dafür gibt es heute zahlreiche andere Begriffe, wählen Sie Ihren. In der Essenz bedeutet es, darauf zu vertrauen, dass es noch mehr gibt als wir mit unseren fünf Sinnen erfassen können. Und darauf, dass alle Mächte im Universum zusammenspielen, damit wir einen Weg finden, das zu erreichen, was wir uns wünschen und uns in den Weg “geworfen” wurde.

Dies schließt mit ein, dass unsere Vorstellungen einen Platz in der Welt haben. Nicht einfach irgendwelche Fantasien sind, die sich bald wieder legen. Sondern etwas, das wir – und nur wir – in die Welt bringen können. Schon Goethe wusste dazu:

Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen.

Bei manchen Wünschen ist einiges an Gottvertrauen erforderlich, bis wir die Fähigkeiten in uns entdeckt und entwickelt haben, um diese Wünsche zu verwirklichen. Doch ohne diese Bereitschaft, uns auf unsere Träume einzulassen, bleiben wir, wo wir sind – bestenfalls gelangweilt, häufig unzufrieden und manchmal verharren wir solange, bis uns “das Leben schlechte Karten austeilt“. Mit Gottvertrauen hingegen entstehen überraschende Wege, die uns ans Ziel führen und manches Mal geradezu magische Ergebnisse.

Damit ist zugleich der letzte Punkt angesprochen:

Schritt 4: Stetiger Einsatz für Ihren Traum

Es genügt nicht, sich zurückzulehnen und sich immer wieder mit Ihrem Traum zu befassen. Dadurch passiert wenig bis nichts. Erst wenn Sie bereit sind, sich für Ihre Vorstellungen einzusetzen und sie damit in Bewegung zu bringen, geschehen die erwähnten kleinen oder großen Wunder. Die eigentlich keine sind, sondern Belohnungen dafür, dass Sie sich auf den Weg gemacht und sich für Ihren Traum eingesetzt haben.

Das ist nicht immer einfach.
Dafür brauchen Sie auch einen passenden Rahmen, der Ihnen Sicherheit bietet. Einen Schutzraum, in dem Sie mit Ihren Vorstellungen und Ihrer Vision einfach sein dürfen. Ohne dass sofort jemand Gründe dagegen findet – die kennen Sie sicher bereits alle. Oder Ihren Traum verharmlost, verkleinert oder lächerlich macht. Sie brauchen einen Ort, an dem ALLES sein, gedacht, gefühlt und ausgesprochen werden darf. Wie verrückt auch immer eine Vision erscheinen mag, wie groß und unabsehbar, spielt keine Rolle. Jede Idee braucht einen Raum, in dem sie Platz hat und sich langsam entwickeln kann. So wie es der erwähnte Teilnehmer erlebt hat, der in der Gruppe erlebte, was möglich ist, wenn Menschen zusammenkommen, die auf dem gleichen Weg sind.

Einen solchen Rahmen kann auch eine einzelne Person bieten.

Wichtig ist, dass Sie diesem Menschen vertrauen, und er oder sie mit offenem Herzen dabei ist, wenn Sie von Ihren Ideen und Hoffnungen erzählen. Ohne zu bewerten, etwas verändern zu wollen, zu kommentieren oder gut gemeinte Ratschläge zu erteilen. Noch besser ist, wenn beide etwas wollen – jeder für sich oder miteinander. Auf diese Weise entsteht eine Gemeinschaft, die jeden einzelnen trägt und etwas Großartiges entstehen lässt.

Welchen Traum wollen Sie zum Fliegen bringen?
Was fehlt in Ihrem Leben, damit es sich für Sie rund, erfüllend und satt anfühlen würde?
Wem können und wollen Sie sich an – vertrauen?

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

9 Gedanken zu „Wie Träume fliegen lernen

  1. Monika Birkner

    Liebe Frau Bergmann,
    ein wunderbarer und so wichtiger Artikel. Denn meiner Erfahrung nach kommt fast unweigerlich – bei aller Anfangseuphorie – irgendwann der Punkt, wo man ins Stocken kommt, innere oder äußere Hindernisse auftauchen.
    Mit Ihren Tipps decken Sie das volle Spektrum dessen ab, was in solchen Situationen hilft. Ich kann mich dem nur voll und ganz anschließen.

  2. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Vielen Dank, liebe Frau Birkner, für Ihr Feedback als erfahrene Begleiterin von Transformationsprozessen.
    Und auch dafür, dass Sie mir am Montag Mut gemacht haben, diesen Themen noch mehr Gewicht zu geben 🙂

  3. Lothar Schmidt

    Liebe Frau Bergmann,
    das Thema Mutmacher hat mich gleich angesprochen. Das ist auch mein Selbstverständnis gegenüber meinen Kund(in)en. Als Gründer habe ich natürlich auch Erfahrung mit dem Thema gemacht. Mich inspirieren Gedanken, motivieren Menschen und das Tun stärkt meine Zuversicht (Selbstwirksamkeit).

    Mir gefällt Ihre klare Sprache und einfachen Konzepte. Ich möchte Ihnen ausdrücklich Mut machen auch “altmodische” Worte zu benutzen. Sie haben Bedeutung und regen zum Nachdenken an.

  4. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Vielen Dank, Herr Schmidt, für Ihr Feedback.
    Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass die Resonanz groß ist, wenn wir bei uns und dem bleiben, was uns wichtig ist. Und dies auch zum Ausdruck bringen. Ich wünsche Ihnen immer wieder den Mut, mal andere Wege zu gehen und für Ihre Ermutigungen eine hohe Resonanz.
    Herzlichst,
    Ulrike Bergmann

  5. Stephanie Mertens

    Liebe Frau Bergmann,

    ganz wunderbar treffend beschrieben. Der Artikel wird seinem Leitgedanken – Mut machen – wirklich gerecht.
    Die inneren “Zustände” sind realistisch beschrieben, aus meiner Sicht. Schön, dass Sie dabei den Blick nach vorne so gut beschreiben konnten.
    Vielen Dank dafür. 🙂

    Liebe Grüße
    Stephanie Mertens

  6. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Frau Mertens,
    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
    So viele Menschen scheitern an den genannten Zuständen und denken, ihre innere Zerrissenheit sei ganz normal, weil sie nie etwas anderes gelernt haben. Dieses Denken zu verändern und Impulse dafür zu geben, ist mein Anliegen.
    Einen schönen Sonntag!
    Ulrike Bergmann

  7. Gülcan Yildirim

    Liebe Ulrike,

    für mich kommt dein Artikel genau zum richtigen Zeitpunkt, genauso ging/geht es mir wie deiner Klientin ‘meine Vision wirkt plötzlich sehr schwer’. Ich hatte mit der Zeit das Fliegen verlernt, doch dein Artikel hat mich dazu gebracht, wieder Flügel zu schlagen um losfliegen zu können. Eins kann ich bestätigen – Gottvertrauen – ist etwas, was mir immer durch alle Zeiten weitergeholfen hat. Es gibt einen Weg, den wir noch nicht kennen oder einen Umweg, der ans Ziel führt …aber den Weg gibt es!

    Herzliche Grüße
    Gülcan Yildirim

  8. Ulrike Bergmann Beitragsautor

    Liebe Gülcan,
    es freut mich sehr, dass Du wieder ins fliegen gekommen bist. Du hast so ein wunderbares Thema, auf das viele Menschen warten.
    Ich wünsche Dir viel Licht auf Deinem Weg und eine wunderbare Resonanz für Deine nächsten Schritte.
    Herzlichst,
    Ulrike

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