Denkanstoß zur aktuellen Lebens- und Gefühlslage

Je nach Blickwinkel, Entwicklungsstand, Erfahrungen und Lebenseinstellung wird die Überschrift auf dem Beitragsbild unterschiedliche Reaktionen hervorrufen: Angst oder Freude, Lähmung oder Handlungsbereitschaft.

In den letzen Wochen erlebte ich viele Gespräche im Freundeskreis wie auch mit den Teilnehmenden meiner CoachingGruppen. Sie drehten sich immer wieder darum, wie wir mit Entwicklungen und Situationen umgehen können, die wir nicht kontrollieren können. Wie gehen wir damit um, wenn Nachrichten oder Ereignisse uns plötzlich aus unserem gewohnten Gleichmut heraus katapultieren?

Solange Ereignisse wie Terror und Gewalt relativ weit weg geschehen, lassen sich diese relativ leicht zur Seite schieben. Wir hören sie und gehen bald wieder zur Tagesordnung über. Doch wenn diese vor unserer Haustür oder in unmittelbarer Nachbarschaft stattfinden, sind wir in ganz anderer Weise berührt und gefordert. So wie kürzlich beim Amoklauf in München.

Da auch mich diese Themen bewegen, möchte ich meine Gedanken zum Hintergrund dieser Entwicklungen (in diesem Artikel) mit Dir teilen. In einem weiteren Beitrag gebe ich Anregungen, wie sich in unsicheren Zeiten Sicherheit gewinnen lässt.

Der Technikwandel brachte auch einen Wertewandel

Es ist nicht zu leugnen, dass wir uns seit geraumer Zeit in einer Übergangsphase befinden. Wir erleben einen sich ständig beschleunigenden Wandel auf vielen Ebenen. Begonnen hat dieser spätestens in dem Moment, wo Computer in Privathaushalte Einzug gehalten haben. Das war in den 1980-er Jahren. Damals konnte sich niemand vorstellen, in welch rasantem Tempo es von dort aus weitergehen würde: vom Personal Computer über Laptop und Handy zur allgemeinen Verbreitung von elektronischen Geräten. Mit diesem Wandel verbunden ist eine zunehmende Veränderung von Werten. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass es innerhalb einer Gesellschaft einen gewissen Konsens über die gemeinsamen Werte gab. Das ist schon länger nicht mehr der Fall. Mit den Folgen dieser Entwicklung sind wir heute konfrontiert. Das meine ich keineswegs negativ oder mit Bedauern, sondern lediglich als Feststellung.

Wie alle bedeutenden Übergänge – egal ob im Privatleben, im Beruf oder in der Welt – verläuft dieser Wandel nicht reibungslos. Jeder Veränderung zu einer neuen Ordnung geht Chaos voraus. In diesen chaotischen Übergangsphasen prallen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Diese führen zu oft hart geführten Auseinandersetzungen, die leider manchmal in Gewalt enden.

Was wir erleben, sind schmerzhafte Entwicklungen.

Mich erinnern die gegenwärtigen Entwicklungen an die Pubertät, diese für alle Beteiligten herausfordernde Phase zwischen Kindheit und Jugend. Sie ist geprägt von Wachstumsschmerzen, sowohl körperlicher wie geistiger Art. In der Pubertät werden sie ausgelöst durch körperliches Wachstum und allgemeines Unwohlsein (erinnerst Du Dich noch daran?)m das mit einer Loslösung von den Eltern zusammentrifft. Vorgelebte Weltbilder werden infrage gestellt, alte Freunde zurückgelassen, neue gewonnen. Es werden Erfahrungen gesucht und gemacht. In vielen Fällen führt dies zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern. Die Erwachsenen verstehen ihre, eben noch so lieben Kinder nicht mehr. Wieso stellen sie jetzt Bewährtes infrage und rebellieren gegen die Werte und Vorstellungen ihrer Eltern?

Auch auf der Welt-Ebene erleben wir Wachstumsschmerzen.

Die gewohnte, oft auch festgefahrene Ordnung gerät zunehmend aus den Fugen. Unterschiedliche Werte, Mächte, Ideologien und Vorstellung ringen miteinander. Einige davon habe ich hier als Impuls fürs weitere Nachdenken zusammengestellt – ohne auf einzelne Punkte weiter einzugehen. Dazu gibt es an vielen anderen Stellen genug Diskussionen und auch Informationen. Zum Beispiel in diesem  Interview mit Steve Pinker, Evolutionspsychologe an der Universität Harvard, über den Rückgang von Gewalt.

  • Die Vorherrschaft bestimmter Meinungen und der Kampf darum, wer Recht hat und wer bestimmt, was richtig und was falsch ist. Diese Vorstellungen werden anderen (Menschen, Völkern) übergestülpt oder gar gewaltsam aufgezwungen. Dem gegenüber steht ein zunehmender Wunsch, Vielfalt zu leben, sie gelten zu lassen. Hierzu gehört auch, andere so sein und leben zu lassen, wie sie sind.
  • Die Auseinandersetzung von altem Denken so war es immer schon! und neuen Entwicklungen, darunter die vielfältigen Möglichkeiten einer zunehmenden Digitalisierung. Manchen macht dies Angst, andere schwimmen leicht und gekonnt auf dieser Welle und viele bewegen sich zwischendrin.
  • Der Angst vor dem Unbekannten mit einem starken Bedürfnis nach Kontrolle und schärferen Gesetzen steht eine zunehmende Zahl von Menschen gegenüber, die Vertrauen ins Leben, seine Möglichkeiten und Entwicklungen haben.
  • HInter allen Entwicklungen steht auch die Grundsatzfrage, in welchem Maße an Altem festgehalten werden soll oder muss und wie viel, auch ungesteuerte Entwicklung möglich und erlaubt ist – ohne alles zu reglementieren, zu kontrollieren und eingrenzen zu wollen.

Eines steht in jedem Fall fest:

Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Nie!

Das Beste, was wir jetzt tun können, ist uns vertrauensvoll in das Neue zu begeben und mit dem Fluss der Entwicklungen mitzugehen. Das ist meist leichter gesagt als getan und fällt einigen leichter als anderen. Dennoch werden wir nicht umhin kommen, uns damit zu beschäftigen und einen eigenen Weg zu finden. Wenn wir mit den Herausforderungen dieser Zeit gut umgehen wollen, brauchen wir andere Vorgehensweisen als bislang.
Das schützt auch davor, in einen Strudel der Angst oder Lähmung zu geraten und sich durch falsche Entscheidungen davontragen zu lassen.

Dazu fand ich in meinem Jahresbegleitbuch, dem “Joyous Abundance Journal” von Petra Weldes und Christian Sorensen, unter dem Datum 4. August ein passendes Zitat des Unity-Gründers Charles Fillmore:

What we all need is a better understanding of the principles at the very foundation of our Being, of the spiritual character of God, and especially of the omnispresence of the spiritual principles. Then we need to understand our relationship to these spiritual principles and what we have to do to make them operative in our mind and affairs.

Was wir alle brauchen ist ein besseres Verständnis der Prinzipien, die unserem Sein zugrundliegen, von der spirituellen Natur Gottes und insbesondere von der Allgegenwart dieser spirituellen Grundsätze. Dann müssen wir unsere Beziehung zu diesen spirituellen Prinzipien verstehen und was wir dafür tun müssen, um diese in unserem Geist und unseren Angelegenheiten wirksam werden zu lassen.

Wie dieser Einsatz spiritueller Prinzipien gelingt und was sonst noch hilft, mit diesen „Wachstumsschmerzen“ umzugehen und persönliche Sicherheit zu gewinnen, erfährst Du in zwei weiteren Artikeln.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

2 Gedanken zu „Denkanstoß zur aktuellen Lebens- und Gefühlslage

  1. Lydia Wilmsen

    Ein sehr schöner Artikel, liebe Ulrike!

    Auf den Punkt gebracht ist es wirklich hiermit: “Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Nie!”

    Vielen herzlichen Dank und noch einen schönen Abend dir
    Lydia

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