Ausbruch aus dem goldenen Käfig

Spätestens am Mittwoch beginnen Radio-Moderatoren mit dem Countdown zum Wochenende: Nur noch drei (zwei, ein) Tage bis zum Wochenende… Dies ist eine kurze Arbeitswoche… Das Wochenende naht…

Ich frage mich immer wieder: Was soll das?!

Für wie viele Menschen ist die in der Arbeit verbrachte Zeit so unerträglich, dass sie das Wochenende als rettendes Ufer brauchen? Als Insel, auf der sie sich wieder ausruhen können von dem, womit ihre Tage zu einem großen Teil ausgefüllt sind?

Ich halte es für verschwendete Lebenszeit, sich durch die Woche zu quälen und einzig durch den Gedanke ans Wochenende oder den nächsten Urlaub motiviert zu sein, seine Arbeit zu erledigen. Geht es bei den 66 % unserer Lebenszeit, die wir unter der Woche in und mit unserer Arbeit verbringen, nicht um etwas viel Wichtigeres?

Entfaltung des eigenen Potenzials

Darum, das Beste aus unseren Gaben zu machen und damit einen Beitrag zu leisten – in der Familie, dem persönlichen Umfeld oder der Gesellschaft insgesamt. Wofür auch immer wir uns einsetzen, wir tragen mit dazu bei, in einer Gesellschaft zu leben, die nicht ständig nur auf „höher, schneller, weiter“ ausgerichtet ist, sondern ALLEN Menschen einen Raum zur Entfaltung ihrer Potenziale bietet.

Den ersten Schritt dorthin kann nur jeder selber machen.

Ich weiß, dass dies nicht immer einfach ist.

Für mich war die zunehmende Unzufriedenheit über meine berufliche Situation vor über 20 Jahren der Grund dafür, dass ich meine gut bezahlte Tätigkeit in einem internationalen Unternehmen trotz aussichtsreichem Karriereweg aufgab. Drei Jahre zuvor war ich in einem Bereich gelandet, der mir keine Freude bereitete und den ich nur noch als Arbeit empfand. In dieser Zeit hatte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten, der von meiner Unzufriedenheit wusste. Darin fiel dieser Satz: Frau Bergmann, über eines müssen wir uns im Klaren sein: wir leben hier in einem goldenen Käfig.
Meine spontane Antwort darauf: Käfig bleibt Käfig, ob golden oder nicht.

Ein Käfig beengt und schmerzt

Ich wollte mehr und anderes. Es spielt keine Rolle, wie glänzend und gut ausgestattet dieser Käfig ist. Seine Enge bereitet Schmerzen, die sich Außenstehende nicht vorstellen können. Diese sehen nur Glanz und Gloria, nicht jedoch den begrenzten Bewegungsraum, in dem man ständig an Grenzen stößt und sich nicht entfalten kann. Bis die Freude stirbt und man wie ein flügellahmer Vogel mut- und lustlos in der Ecke sitzt. Auf den nächsten Urlaub oder das Wochenende wartet, falls man diese aufgrund fehlender Kraft überhaupt noch genießen kann.

All dies erlebte ich in den Jahren vor meinem Ausscheiden. Als mir das Leben in Form einer Krankheit die rote Karte zeigte und mir sieben Wochen „Pause“ bescherte, wurde mir bewusst, dass ich etwas anderes wollte: meine Flügel ausbreiten und meine Talente sinnvoll einsetzen.

Die Flucht aus dem Käfig vorbereiten

Daher plante ich die Flucht aus diesem Käfig. Dafür legte ich zwei Jahre konsequent Geld zur Seite statt es weiterhin für Dinge auszugeben, die der Ablenkung dienten oder mir nur kurzfristig Befriedigung verschafften. Meine Urlaubstage investierte ich in eine Ausbildung, um mich auf das Neue vorzubereiten.

Als ich schließlich kündigte, wusste ich nur, dass ich als Beraterin und Trainerin – das Wort Coach war damals noch nicht verbreitet! – arbeiten wollte. Mit meiner Kreativität und meiner Begeisterungsfähigkeit wollte ich Frauen wie mich darin bestärken, ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen. Hierfür Unterstützung und Bestärkung zu finden war vor über 20 Jahren noch nicht selbstverständlich. Es gab kein Internet und nicht Regale voller Bücher mit Titeln wie „Finde Deine Berufung“, „Lebe, was Dich glücklich macht“ oder „Den beruflichen Neustart wagen“. Ich fand niemanden, der oder die mich bei meiner Suche nach einer beruflichen Alternative begleitet hätte.

Ein kurvenreicher, zielstrebiger Weg beginnt

Also machte ich mich alleine auf meinen teilweise kurvenreichen Weg.

Dieser führte mich zunächst nach Seattle, in den äußersten Nordwesten der USA. Dort verbrachte ich zwei Jahre, in denen ich der Frage nachging: Was ist der Sinn MEINES Lebens? Ich fand viele Antworten, entdeckte Wünsche und Bedürfnisse und lernte zahlreiche Vorgehensweisen kennen, die mich auf meinem Weg bestärkt haben und in meine Arbeit eingeflossen sind. Und ich fand mit Erfolgsteams mein zentrales Thema, das mich seither begleitet.

Zurück in Deutschland begann ich damit, Menschen darin zu unterstützen, ihre wahren Ziele zu finden, diese kraftvoll zu formulieren und Schritt für Schritt zu erreichen. Sehr früh setzte ich in meinem Angebot auf Unterstützungsgruppen, früher waren es Erfolgsteams, später wurden daraus Coachinggruppen. Bei beidem handelt es sich um kleine persönliche Netzwerke, in denen sich Menschen gegenseitig bestärken, ihre individuellen Ziele zu verwirklichen.

Im Laufe der folgenden Jahre erkannte ich immer deutlicher, dass die klassischen Wege zum Ziel vor allem für viele Frauen nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Sie brauchen andere Vorgehensweisen, denn sie haben andere Bedürfnisse. Diese sind mit dem klassischen, auf Planung und direkten Wegen zum Ziel orientierten Handeln nicht vereinbar. So entstand vor zehn Jahren das Konzept „Ziele brauchen LIEBE“. Die fünf Buchstaben dieses Wortes stehen für fünf Elemente, die den Zugang zu einem eigenen Weg öffnen und dadurch zu einer persönlichen Art der Zielerreichung führen.

Vor einigen Jahren ließ ich meinen sehr auf Ziele und Zielerreichung ausgerichteten Unternehmensnamen los und nannte mich fortan „Die Mutmacherin“. Durch die Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedliche Wege gehen, um ans Ziel zu gelangen, konzentriere ich mich darauf, lebenserfahrene Frauen zu ermutigen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen ernst zu nehmen. Ich begleite sie mit meinen Mut-Werkzeugen dabei, ihren persönlichen Weg zu finden und in Leichtigkeit und Klarheit zu gehen.

Mein roter Faden…

Mein roter Faden durch alle Jahre war der Wunsch, andere darin zu bestärken, ebenfalls ihre Käfige zu verlassen und fliegen zu lernen. Sich auf das Neue einzulassen, das sie zu Beginn oftmals noch nicht greifen können und ihnen dafür die passende Begleitung in Form von Unterstützungs- oder Coachinggruppen zu bieten.

Inzwischen bin ich über 20 Jahre als Solo-Unternehmerin auf meine eigene Art und Weise unterwegs. In dieser Zeit habe ich viele Hunderte von Menschen darin bestärkt, über das hinaus zu gehen, was ihnen vom Elternhaus, von der Gesellschaft und ihren eigenen, daraus resultierenden Überzeugungen vorgegeben war. Der überwiegende Teil meiner Kunden sind Frauen. Heute konzentriere ich mich darauf, lebenserfahrene Frauen zu bestärken, dem zu folgen, was ihnen wichtig ist.

… nach eigenen Maßstäben erfolgreich werden

Auf viele dieser Frauen trifft zu, was ich in diesem Sommer im Rahmen einer tiefergehenden Potenzialanalyse von einem Coach hörte: Sie haben kein klassisches Selbständigen-Profil. Umso erstaunlicher, wie gut Sie sich seit 20 Jahre auf dem Markt behauptet haben.

Zugegeben, es war nicht immer leicht, anders zu sein als die Mehrheit. Doch es hat mich darin bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen. Mich immer wieder darauf zu besinnen, dass es nicht einen einzigen, richtigen Weg gibt, sondern viele Möglichkeiten, in der Selbständigkeit nach eigenen Maßstäben erfolgreich zu werden. Wann immer ich alleine nicht weitergekommen bin, habe ich mir ein Team als Begleitung gesucht. Bis heute ist es mein zentrales Anliegen, Frauen auf ihrem Weg zu bestärken und ihnen zu zeigen, wie sie mit einem zu ihnen passenden Solo-Business auf jeder Ebene erfolgreich sein können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es mit einer Mutmacherin an der Seite einfach leichter geht.

Mit diesem Beitrag beteilige ich mich am ERGO Blog Award #DeinWeg 2016.

Ulrike Bergmann Zur Person: Ulrike Bergmann
DIE MUTMACHERIN begleitet seit über 20 Jahren Solo-Unternehmen und lebenserfahrene Menschen, ihre Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben mit Leichtigkeit und Klarheit zu verwirklichen. Im MUTMACHER-MAGAZIN gibt sie Einblicke in ihre Schatzkiste und bestärkt ihre Leser*innen darin, mutig den eigenen Weg zu gehen.

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